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7 Gründe, wieso Distance-Learning das Studium so richtig versaut 

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Von: Natascha Berger

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Eine junge Frau hält sich die Hände vor den Kopf, daneben ein Meme. (Fotomontage)
Distance Learning nervt - und das schon viel zu lange. © agefotostock/IMAGO & Unihomes/Instagram/BuzzFeed Austria

Seit Monaten wählen wir uns in Zoom-Meetings ein, statt in der Vorlesung neue Leute kennenzulernen. Auch wenn Distance-Learning seine Vorteile hat, habe ich endgültig genug davon.

Sagen wir, wie es ist: Auch wenn man sich im dritten oder vierten Semester langsam daran gewöhnt hat, seine Studienkolleg:innen nur über Zoom zu sehen, kann es gewaltig auf die Nerven gehen. Auch wenn es natürlich schön ist, sich nicht in die Jeans zwängen zu müssen, sondern die Vorlesung im Jogger gemütlich aus dem Bett zu verfolgen, versaut das Distance-Learning vielen Studierenden seit gefühlt tausend Semestern das komplette Studium. Hier einige Gründe, wieso ich es Leid bin, mich täglich in Zoom-Meetings einzuwählen.

1. Die Ablenkung ist einfach zu groß

Langweilige Vorlesungen sind langweilig, egal ob man im Hörsaal oder auf der Couch sitzt. Klar ist aber auch, dass die Ablenkung in den eigenen vier Wänden tausendmal größer ist. Denn während der oder die Dozent:in den steifen Frontalunterricht durchzieht, erwischt man sich schnell, plötzlich sogar Wäsche aufhängen interessanter zu finden. Und Hand aufs Herz: Wer hat die Vorlesung noch nicht einmal stumm geschaltet, um die komplette Aufmerksamkeit TikTok oder Netflix hinzugeben? Wenn die Prüfungsphase dann ansteht, wird es nur noch aufwendiger - denn die ganze Ablenkung sorgt im Endeffekt dazu, dass gar nichts hängen geblieben ist, weil man eh nie zugehört hat. Ein Teufelskreis.

2. So gut wie kein Austausch mit Mitstudierenden

Auch wenn es einige Dozent:innen gibt, die sich Mühe mit der Gestaltung der Online-Vorlesung geben und auch mal Break-Out-Sessions einbauen, fehlt in den meisten Fällen jedoch komplett das Interagieren mit Kolleg:innen. Statt die gelangweilten Gesichter seiner Freunde, wie damals in der Uni, sieht man jetzt nur schwarze Kästchen. Das Lästern über den Kurs wird, wenn überhaupt in WhatsApp-Gruppen verlegt, statt auf die Toilette oder den Raucherbereich. Vor allem, wenn man bereits im ersten Semester dem Distance-Learning ausgesetzt wird, ist es umso schwerer, eine gute Gemeinschaft zu werden und tiefe Freundschaften zu entwickeln. Von den Partys mal ganz abgesehen.

3. Wo ist die Praxis geblieben?

In vielen Studiengängen bringt der praxisnahe Unterricht mehr, als einfach nur reine Theorie. Vor allem werben viele FHs damit. Doch sobald man sich nur noch im Distance-Learning austauscht und im schlimmsten Fall auch noch im Lockdown sitzt, fällt die Praxis meist komplett weg. Aus Projekten in größeren Gruppen werden Einzelabgaben und das Erlernen des Handwerks ist nur noch zweitrangig. Und vor allem, wenn man sich genau aus diesen Gründen eigentlich für eine FH entschieden hat, nervt das wirklich richtig.

4. Der Gewöhnungseffekt setzt viel zu schnell ein

Ich bin ehrlich: Ein kurzer Ausflug in den Präsenz-Unterricht hat bei mir schonmal den Wunsch nach Distance-Learning ausgelöst. Denn vieles ist auch einfach leichter - der bereits angesprochene Punkt mit der Jogginghose und die Prüfungen haben auch ihre Vorzüge. Doch genau da liegt das Problem. Denn wer sich einmal mit Online-Unterricht abgefunden hat, findet viel schwerer zurück in den normalen Uni-Alltag. Durch Distance-Learning gewöhnen wir uns an eine ganz falsche und verkehrte Realität: Wie soll man Prüfungen in Präsenz nach drei Semestern Open-Book überstehen? Wie hält man überhaupt einen Stift? Und wie nervig ist es, plötzlich den Wecker nicht erst fünf Minuten vor Beginn der Vorlesung stellen zu müssen?

5. Dozent:innen, die noch nicht im Jetzt angekommen sind

An dieser Stelle ein großes Dankeschön, an alle Lehrenden, die sich große Mühe geben, auch Distance-Learning angenehm zu gestalten. An jene, die ihre Vorlesungen anpassen, genügend Pausen machen und Abwechslung reinbringen. Denn es gibt fast nichts Nervigeres, als einen Dozenten oder eine Dozentin, die auch nach Monaten im Lockdown noch nicht kapiert hat, wie man die Bildschirmfreigabe freigibt. Oder, wie man das Mikrofon richtig benutzt. Oder, dass man über Zoom noch schwieriger drei Stunden einem langweiligen Inhalt konzentriert folgen kann, als in der Uni. So schwer kann es doch nicht sein, oder?

6. Motivation verabschiedet sich noch schneller

Mehrere Stunden am Tag vor dem Laptop sitzen und sich von einer Vorlesung in die nächste zu wählen, ist auf Dauer einfach energieraubend, verursacht nicht selten Kopfschmerzen und juckende Augen. Während die Motivation für viele Kurse schon von Anfang an mal nicht groß sein kann, schrumpft sie durch Distance-Learning gleich noch schneller. Ausgleich und Austausch fehlen und die Hürde, einfach die Vorlesung sausen zu lassen, ist gar nicht mehr hoch. Doch nicht etwa, weil man verkatert von der Party vom Vortag ist oder sich lieber mit Freunden im Café trifft, sondern weil es einfach keinen Spaß macht.

7. Keine Chance auf das richtige Studenten:innenleben

Was jedoch aus all diesen bereits genannten Punkten resultiert ist die Tatsache, dass durch Distance-Learning das Studium nicht so läuft, wie man es sich je vorgestellt hat. Nach der Uni spontan mit Leuten in ein Café, sich verquatschen und noch auf ein oder fünf Bier bleiben? Eher nicht der Fall. Statt abwechslungsreiche Diskussionen mit Kommilitonen und Lehrenden, ist das Spannendste im Distance-Learning, wenn das Internet mal kurz weg ist. Klar ist auch, dass man sich immer noch glücklich schätzen sollte, überhaupt studieren zu können und statt die Existenz nur die Präsenzlehre durch die Pandemie zu verloren haben. Doch später mal von meiner wilden Studierenden-Zeit erzählen? Das habe ich bereits abgehakt.

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