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Floppy Disc: Die wabbelige Diskette feiert ihren 50er

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Von: Christian Kisler

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Floppy Discs.
Die Floppy Disc: Mittlerweile eine Antiquität © Ufuk Zivana/Panthermedia/Imago

Vor 50 Jahren kam zum ersten Mal eine Diskette zum Einsatz. Aus der Computerzeitwelt ist der auch als Floppy Disc bekannte Datenträger nicht wegzudenken. Bis heute.

Unvorstellbar eigentlich: Die allerersten Disketten hatten ein Datenvolumen von gerade einmal, damals aber revolutionären 180 Kilobyte. Damals - das war 1971. Einer der neuartigen Datenträger konnte so viel speichern wie 3.000 der in der Frühzeit der Computer gängigen Lochkarten. Mit acht Zoll - oder 200 Millimeter - Durchmesser waren die ersten Disketten fast so groß wie ein A4-Blatt.

Mit ihren 180 Kilobyte können die in den USA Floppy Discs genannten meist schwarzen Scheiben mit heutigen USB-Sticks allerdings nicht konkurrieren. Diese können meist acht Gigabyte fassen, umgerechnet also 8.000.000 Kilobyte. Auf einer Acht-Zoll-Diskette aus dem Jahr 1971 geht sich also herzlich wenig aus.

Platz für eine Masterarbeit auf einer Diskette

Deine als Word-Datei gespeicherte Master-Arbeit mit 90 Seiten findet gerade noch Platz, aber auch nur, wenn du auf Bilder und Grafiken verzichtest und auch sonst kaum formatierst. Und noch ein Vergleich: Wird beim mobilen Surfen im Internet eine Seite aufgerufen, etwa diese hier, werden im Schnitt um die 200 Kilobyte verbraucht. Also mehr, als die Urmutter aller Disketten speichern konnte.

Mit dem Siegeszug des Heimcomputers wurde die Floppy Disc in den 1980ern und 1990ern unverzichtbar. Egal, ob Spiele oder diverse Verarbeitungsprogramme, sie alle wurden mittels Diskette geladen. Das Fassungsvermögen stieg, die Speichermedien schrumpften. Auf das Ur-Modell folgte die 5,25-Zoll-Variante und mit der 3,5-Zoll-Diskette die am weitesten verbreitete Version. Sie verfügt bereits über 1,44 Millionen Bytes (MB). Zum Installieren eines vollständigen Office-Pakets sind dennoch 32 Floppy Discs nötig. Und viel Zeit.

Floppy Disc nicht für die Ewigkeit

Dabei ist den Datenträgern jeweils nur ein kurzes Leben beschieden. Bei jedem Schreibe- und Lesevorgang wird die dünne Folie im Inneren, eine beschichtete magnetisierbare Oberfläche, mechanisch belastet. Abrieb findet statt, Daten gehen somit verloren oder werden so weit beschädigt, dass sie nicht mehr korrekt ausgelesen können.

Eine Diskette ist also nicht nur deshalb nichts für die Ewigkeit. Wie bei allen veralteten Speichermedien - seien es Lochkarten, Floppy Discs, Kassetten oder CD-Roms - fehlt es zunehmend an Geräten, die das Material auslesen können. Wer hat schon einen PC mit Diskettenlaufwerk daheim, natürlich nur stilecht in Beige? Nicht einmal bei Papa in der Garage, am Dachboden oder im Kellerabteil wird man so leicht fündig, wurden die alten Computer in der Regel doch schon längst ausgemistet.

Disketten-Symbol als Brücke in die Gegenwart

In Vergessenheit wird die Diskette aber ohnehin nicht so schnell geraten, zumindest nicht so lange es das bereits erwähnte Office-Paket von Microsoft gibt - und ein paar andere Anwendungen, bei denen Speichern angesagt ist. Mit einem Klick auf das kleine rechteckige Symbol im linken oberen Rand lassen sich Dateien speichern. Und was stellt besagtes Symbol dar? Genau, eine stilisierte Floppy Disc. Solange es also Menschen gibt, die ihre Texte in Word verfassen und ihre Urlaubsplanung über Excel abwickeln, wird die Diskette in Erinnerung bleiben.

Das Nachfolgespeichermedium CD-Rom ersetzte die Floppy Disc im Laufe der 1990er vollends, war diese doch einfacher zu handhaben und hatte vor allem ein höheres Speichervolumen. Auch ein Weiterleben als praktischer Alltagsgegenstand blieb der Diskette im Gegensatz zur schillernden CD versagt. In nicht wenigen WGs waren ausrangierte Compact Discs als Getränkeuntersetzer durchaus beliebt.

Floppy Disc für Flugzeuge

Dafür findet sich die Floppy Disc zum Teil bis heute im Einsatz, etwa um Updates in älteren Flugzeugen von Boeing einzuspielen. Oder bei Firmen, deren Maschinen, etwa CNC-Fräsen, schon jahrzehntelang im Einsatz sind: Ohne Disketten lassen sich viele der dafür verantwortlichen Computer nicht starten. Folgerichtig werden Floppy Discs immer noch hergestellt und im Zehner-Pack zu einem Preis um die 30 Euro verkauft, und zwar die 3,5-Zoll-Variante mit je 1,44 MB. Viel Geld für zehn dem Verschleiß geweihte Datenträger für Computer aus dem Jahre Schnee.

Früher war also nicht unbedingt alles besser, jedenfalls nicht was Computer und Artverwandtes betrifft. Darüber geben Eltern und ältere Geschwister bestimmt gerne Auskunft. Einzig das Warten, bis eine Diskette geräuschvoll geladen hatte, war für damalige Nutzer:innen bestimmt eine Lektion in Gleichmut und Geduld.

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