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Mein erstes Mal ... am Fußballfeld

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Von: Sophie Marie Unger

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Gruppenfoto der Frauenfußballmannschaft FC Paulaner Wieden und Sophie Unger.
Ein Teil der Frauenfußballteams des FC Paulaner Wieden und ich während meiner Mutprobe. © Fabienne Mayer

Die ängstlichste Ballsport-Person ever probiert sich gleich mal lustig in der Königsdisziplin aus. Im Zuge unseres Formats „Mutprobe“ erfährt ihr, wie es mir beim ersten Fußball-Training meines Lebens ergangen ist.

Es sind noch drei Mädl‘s am Feld. Meine Hände sind schwitzig und eiskalt zugleich. Der Ball wird quer durch den Saal gefetzt und verfehlt nur knapp meine linke Schläfe, ich zucke zusammen. „Sophie, den Ball darf man auch fangen“, dröhnt es in meinen Ohren.

Ja, danke ich kenn die Regeln, aber nein danke. Denn wer‘s anhand meines körperlichen Auftretens noch immer nicht gecheckt hat: Ich hasse Völkerball und überhaupt alle Ballspiele dieser Welt! Der einzige Grund, warum ich noch im Spiel bin ist, dass ich vor lauter Angst um mein Leben laufe und mein Überlebensinstinkt anscheinend prächtig funktioniert - gut zu wissen. Aber sollte das Ganze nicht eigentlich Spaß machen? Den Jubelrufen meiner Schulkolleginnen zufolge, wenn wieder einmal angekündigt wird, dass wir es mit einem Ball zu tun bekommen, schon. Bei mir sind schwitzige eiskalte Hände das höchste der Gefühle.

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Phase 1: Die Ball-Angsthäsin

Long story short: Ich hab einfach Angst vor Bällen. Das hat sich auch in der Jugend nicht geändert: Volleyball? - einmalig probiert und mit einer gebrochenen Hand nachhause gegangen - also nein danke. Basketball? - nice! Zum Zuschauen, aber kommt mir ja nicht zu nah! Fußball - wenn‘s schon mit den Händen nicht funktioniert, sind die Füße erst recht keine gute Idee.

Mit diesen Erklärungen und Ausreden hab ich mich rund zehn Jahre zufriedengegeben, bis unsere BuzzFeed Austria Redaktion mit dem Vorschlag „lasst uns doch alle eine Mutprobe machen und den Menschen erzählen, wie das so für uns war“ daherkam. Okay, cool. Da komm ich wohl nicht mehr drum rum, also zieh dich warm an Ball.

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Phase 2: Die Vorbereitung

Ganz ohne seelische Vorbereitung, wollte ich dann doch nicht loslegen. Also habe ich zunächst meine Eltern gefragt, ob es vielleicht einen „balltechnischen Zwischenfall“ im Kleinkindalter gab, an den ich mich eventuell nicht mehr erinnern kann. Die wissen von nix. Okay, dann muss wohl das Expertentum herhalten, um ein wenig Licht in die Sache zu bringen. Sportpsychologe und Systemischer Coach, Mag. Simon Brandstätter, begleitet die SK Rapid Jugend und hat aber auch viel Erfahrung in den Bereichen Squash und Baseball. Gut, der kennt sich schonmal mit Bällen aus.

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Auf die Frage, woher denn meine Angst - ohne dabei ein traumatisches Ball-Ereignis durchlebt zu haben - kommt, zeigte mir Mag. Brandstätter erstmals zwei Aspekte auf, an die ich so noch nicht gedacht hatte. „Es gibt natürlich auch Kinder, die aufgrund ihres Umfelds nicht mit Bällen aufgewachsen sind und dadurch der Gedanke aufkommt: das ist etwas ganz was Fremdes“. Und dann wisse man natürlich auch nix damit anzufangen. Dem kann ich nur vollkommen zustimmen. Da ich in der Kindheit eher beim Singen anzutreffen war, gab‘s bei uns zu Hause höchstens ein improvisiertes „Starmania“ (liebe Nachbarn es tut mir heute noch leid). Ballspiele kamen da wirklich zu kurz.

Spätestens in der Schule wird man aber sehr wohl mit Ballspielen konfrontiert und wenn man dann nicht weiß, wie man damit umgeht, kommt noch eine tricky Ebene hinzu. Denn laut Brandstätter spielt im Schul-Kontext vor allem der klassische Scham eine wichtige Rolle. „Man kann etwas nicht und fühlt sich im sozialen Kontext nicht wohl und dann gibt‘s natürlich sozialen Rückzug“. Auch das habe ich erfahren. Weil ich‘s nicht konnte, schämte ich mich, wurde nicht ins gute Team gewählt, wodurch ich wieder einmal mehr demotiviert war. Irgendwann hörte ich auf, mir darüber Gedanken zu machen. Was blieb war aber die körperliche Abneigung und die damit verbundene Angst vor Verletzungen.

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Hierzu konnte mir Herr Mag. Brandstätter auch einige Tipps mitgeben. Natürlich kann es bei Ballsportarten körperlich werden. „Wenn man das nicht gewohnt ist, können da schon ein paar Schreckmomente dabei sein“. Laut Brandstätter ist es daher wichtig, sich schon im Vorhinein drauf einzustellen und unangenehme Gefühle zuzulassen. Auch positive Glaubenssätze spielen eine wichtige Rolle. „Wenn ich mir sage, ich bin offen, ich halt durch, ich bleib dabei und lerne etwas fürs Leben dann ist die Chance hoch, dass man was mitnimmt“. Na dann probieren wir das mal so.

Phase 3: Der Fußball und ich

Vom Völkerball war ich zu sehr geschädigt, der Basketball war mir auch irgendwie suspekt, deshalb fiel meine Wahl auf den Fußball. Außerdem spielt eine gleichaltrige Bekannte in einem Team, was mich doch irgendwie beruhigte. Dann ging‘s eigentlich recht schnell, ich besorgte mir Schützer (eigentlich lächerlich bei einem Training, aber auch das nahm mir ein wenig die Angst vor Verletzungen) und schwuppdiwupp stand ich auch schon zwischen den Mitgliedern des FC Paulaner Wieden. Zuvor war ich noch im Büro, dort hatte schon ein wenig Bammel, wurde aber sehr lieb von meinen Kolleginnen aufgebaut.

Was mich wirklich verunsicherte: Die Match-Saison war noch nicht zu Ende (das erfuhr ich aber erst vor Ort), was bedeutete, dass das Training natürlich wichtig und anspruchsvoll werden würde. Na Bravo. Aber jetzt gab‘s kein Zurück und ich versuchte, das besprochene positive Mindset beizubehalten. Als dann feststand, dass wir zum Aufwärmen eine abgeänderte Form von Rugby spielen, war dieses aber leider so gut wie nicht mehr vorhanden.

Es ging vorwiegend ums Einwerfen der Bälle, ums Fangen und darum, den Ball anderen wegzunehmen. Im ersten Momente wollte ich abbrechen, denn auf das hatte ich mich wirklich nicht vorbereitet. Vorsichtig beobachtete ich das - von den anderen als lustig empfundene - Treiben, bis plötzlich jemand meinen Namen rief. Ich war so perplex, als ich den Ball in der Hand hielt und in Sekundenschnelle abspielte. Ich hab tatsächlich gefangen.

Fußballspielerinnen des FC Paulaner Wieden am Fußballfeld beim Dehnen.
Einige Mädels vom FC Paulaner Wieden und ich beim Dehnen vor dem Mini-Match. © Fabienne Mayer

Das war ein Knackpunkt, denn irgendwie fand ich‘s gar nicht mal so schlimm. Schön war auch, dass sich die Mädls auf Anhieb meinen Namen gemerkt haben, das hat mich zusätzlich motiviert. Eine Übung, wo nun auch die Füße zum Einsatz kamen, war ziemlich tricky. Da ging‘s um diagonale Pässe, ständiges Wechseln der Position und ganz viel Fachjargon - ich war aufgeschmissen. Da auch die Mädls zunächst verwirrt waren und alle darüber scherzten, nahm ich‘s auch mit Humor. Und das zog sich durch das restliche Training, ich taute dadurch immer mehr auf und nahm bei einem Mini-Match sogar ein paar Bälle an. Obwohl ich kein Tor erzielte, war es trotzdem sehr witzig und irgendwann verlor ich auch das anfangs ungute Gefühl.

Phase 4: Fußball-Fazit

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Wie bei vielen „Ersten Malen“ war es dann eh nur halb so schlimm. Danach war ich eigentlich richtig hyped, die nächste Martina Voss werde ich aber bestimmt nicht mehr. Dank den Mädls vom FC Paulaner Wieden, hab ich mich aber wohlgefühlt und kann mir vorstellen, auch in Zukunft sogar mal wieder ein Völkerball-Match (man muss die Latte ja bekanntlich immer höher legen) mit Freund:innen ins Auge zu fassen. Es zahlt sich auf jeden Fall aus, sich seinen Ängsten zu stellen. Ich glaube auch, dass der Zeitfaktor dabei eine wichtige Rolle gespielt hatte. Denn seit der Schule ist doch einiges passiert, ich bin etwas ruhiger und sicherer mit mir selbst geworden, hinterfrage Dinge und bereite mich dementsprechend vor - das nimmt auf jeden Fall die schlechte Energie aus der Sache. Probiert es einfach mal aus!

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