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Ich habe eine Traum-Expertin zu „Moon Knight“ befragt und gelernt, dass ich meine Träume beeinflussen kann

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Von: Helena Dimmel

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neues Plakat für Serie „Moon Knight“ , schlafende afroamerikanische Frau
Was passiert mit uns, wenn wir träumen? Und können wir unsere Träume kontrollieren? © Disney/Imago/Addictive Stock/BuzzFeed Austria

Die ersten Trailer von „Moon Knight“ sind schon mal sehr vielversprechend, die Serie startet allerdings erst im März 2022. Ich habe im Vorfeld mit einer Traum-Expertin gesprochen, wie man seine Träume steuern kann.

Eine tickende Uhr. „Hallo, Willkommen zu ‚Wachbleiben‘“, hallt es durch einen Telefonhörer. „Ich habe eine Schlafstörung“, erzählt Marc Spector im Trailer mit blutunterlaufenden Augen. „Ich kann nicht zwischen meinem Wachzustand und Träumen unterscheiden.“ Man sieht den offensichtlich von Schlaflosigkeit geplagten Protagonisten aufgescheucht durch London rennen. Immer wieder nickt er weg, Halluzinationen suchen ihn heim. Wenig später wird er sich in Moon Knight verwandeln, einen mächtigen Diener des ägyptischen Mondgottes Khonshu. Fans des Marvel-Helden wissen es bereits: Bei dem von Oscar Isaac gespielten Superhelden handelt es sich um einen ehemaligen CIA-Agenten und Söldner, der unter einer dissasoziativen Identitätsstörung leidet - Realität, Traum und Halluzinationen sind für ihn schwer zu unterscheiden.

„Moon Knight“ soll am 30. März 2022 auf Disney Plus erscheinen und wird jetzt schon von Fans auf der ganzen Welt gehypt. Die Vorfreude ist auch bei mir groß, und deswegen habe ich jetzt schon eine Expertin zum Thema Träumen befragt. Dr. Brigitte Holzinger ist Leiterin des Instituts für Bewusstseins- Traumforschung in Wien. Das Institut widmet sich den Forschungsfeldern Bewusstsein, Schlaf, Traum und luzidem Traum (also einem Traum, in dem man sich bewusst ist, dass man schläft) und bietet unter anderem Seminare dazu an, wie man luzides Träumen erlernt.

Frau Dr. Holzinger, was ist eigentlich ein Traum? Was passiert mit uns wissenschaftlich gesehen, wenn wir träumen?


Wir haben vier Schlafstadien. Der REM-Schlaf bietet die physiologische Grundlage für das Träumen. Man kann aber nicht ausschließen, dass es nicht auch in anderen Schlafstadien möglich ist, zu träumen. Wenn wir träumen, haben wir schnelle Augenbewegungen und keine willkürliche Muskelspannung. Die Amygdala ist besonders aktiv, das ist das Zentrum für starke Gefühle, also auch Angst und Aggression. Es spielen sich innere Dynamiken ab, die wir als Bilder wahrnehmen, basierend auf Sinneswahrnehmungen, die uns gefühlsmäßig nahe gehen. Und diese inneren Dynamiken updaten sich ständig aufgrund dessen, was wir erleben und womit wir konfrontiert sind.


Was ist Schlafwandeln? Träumen wir da auch? 

Schlafwandeln ist ein Phänomen, das in der Tiefschlafphase vorkommt. Man kann wie gesagt nicht ausschließen, dass man da nicht auch träumt. Wir wissen auf jeden Fall, dass Schlafwandler:innen ihre Umwelt schemenhaft, also zum Beispiel schwarz weiß wahrnehmen. Manche gehen schlafwandelnd die Stufen runter und wissen dann aha, da ist jetzt die Küche.

Gibt es tatsächlich Leute, die Träume nicht von der Realität unterscheiden können? Ist das eine Krankheit und wie wird sie behandelt?


Das Thema ist kaum erforscht. Es kann schon passieren, dass man mal so intensiv träumt, dass man nicht weiß, ob es real war. Oder aber man erlebt etwas Eindrucksvolles und weiß dann nicht, ob man das nicht doch geträumt hat. Es kommt auf jeden Fall sehr selten vor. Bestimmte Medikamente, Drogen oder Psychopharmaka können natürlich auch Auslöser dafür sein. Wenn so ein Phänomen sich häuft oder längerfristig bleibt, muss man schauen, ob es sich nicht um eine psychische Erkrankung handelt, eine Psychose zum Beispiel. Oder eben wie bei dem Marvel-Charakter um eine dissoziative Persönlichkeitsstörung. Es gibt außerdem Fälle, wo Leute sich beim Lernen vom luziden Träumen so hineinsteigern, dass sie die Sicherheit verlieren, was Wirklichkeit und was Traum ist. Auch das ist problematisch und geht dann in Richtung Erkrankung. 


Wie ist das im Falle von Schlafentzug, wenn man Halluzinationen hat?

Beim Schlafentzug gibt es oft einen fließender Übergang hin zu Halluzinationen. Das entwickelt sich meist nach ein paar Tagen. Man hört, sieht oder spürt Sachen, die nicht da sind. Die mit Schlafentzug in Zusammenhang stehenden Halluzinationen gehen aber auch wieder weg, wenn man zu einem normalen Schlaf zurückfindet.


Stichwort „Luzider Traum“: Können wir unsere Träume steuern? Gibt es dazu bestimmte Methoden?


Man kann sich das so vorstellen, dass man beim luziden Traum in den Traum hinein aufwacht. Sekundär-prozesshaftes Denken ist möglich, also nachdenken, reflektieren, orientieren, erinnern, planen. Man kann entscheiden, wie es im Traum weitergeht. Man wird also handlungsfähig, und das ist der große Unterschied zum normalen Traum. Die erste Voraussetzung ist, dass man erkennt, dass man träumt. Die zweite Voraussetzung ist, dass man erkennt, dass man die Wahl hat, wie’s weitergeht. Man kann sich zum Beispiel aufwecken, wenn man das möchte oder man konfrontiert das Monster in seinem Albtraum und sagt, ok, ich schau mir jetzt mal an, was da los ist.


Es ist also schon ein luzider Traum, wenn man sich selber aufwecken kann? Das hab ich nämlich auch manchmal. Wenn mir was zu deppert wird im Traum, sag ich so, es reicht, und dann wach ich auf. 


Das wäre prä-luzid. Das ist schon mal super, großartig. Das könnten Sie nützen und weiterführen. Vor allem Kinder haben das ja viel, aber es wird oft nicht weiter kultiviert. Derweil ist das eine großartige Ressource, für die Förderung der Kreativität zum Beispiel. 


Was sind denn die Benefits, wenn man luzides Träumen trainiert?

Das weiß die Forschung noch nicht ganz genau, aber wir gehen davon aus, dass es welche gibt (lacht). Jedenfalls wissen wir, dass man dadurch Albträume bewältigen kann. In einem anderen Experiment wurde bewiesen, dass man zum Beispiel auch sportliche Abläufe trainieren oder gewisse Bewegungen optimieren kann. Es birgt auf jeden Fall viel Potenzial, zum Beispiel auch für Selbst-Psychotherapie. Dinge, die einen hemmen, oder vor denen man sich fürchtet, könnte man dadurch bewältigen. Ich rate trotzdem nicht dazu, dass man das alleine macht. Ohne professionelle Anleitung könnte es durchaus sein, dass man da besonders stark mit seinen eigenen destruktiven Anteilen in Berührung kommt.


Um das luzide Träumen zu trainieren, braucht es also auf jeden Fall eine professionelle Anleitung? 


Es ist nicht unbedingt notwendig, aber ich rate auf jeden Fall dazu (lacht). Man kann es natürlich auch alleine lernen und trainieren, aber wie es dann ausgelebt wird, ist wieder eine andere Sache. Dafür eignet sich der Besuch eines Seminars, zum Beispiel an unserem Institut. 


Gibt es konkrete Methoden, mit denen man anfangen kann?


Man kann damit beginnen, ein Traumtagebuch zu führen, um den Träumen insgesamt näherzukommen und sich selber besser zu verstehen. Auch die Stärkung der Kognition “Ich will luzid träumen” ist wichtig, denn ich muss mich im Traum daran erinnern können, dass das mein Ziel ist. Der Schlüssel ist auf jeden Fall immer, dass man erkennt, dass man träumt. Wir suchen übrigens für eine neue Studie über luzides Träumen Menschen, die schon einmal luzide geträumt haben – bitte um direkte Kontaktaufnahme unter office@traum.ac.at. Das wäre super!

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