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Der Amadeus Award wird moderner, hat aber noch einen weiten Weg vor sich

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Von: Christian Kisler

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Montage: Conchita Wurst mit einer Amadeus Austrian Music Award Trophäe, die Band Turbobier
Conchita moderiert und hat schon selbst vier Amadeus Austrian Music Awards daheim, Turbobier freuen sich 2022 über ihren zweiten. © Georg Hochmuth/Thomas Ramstorfer/First Look/APA-PictureDesk

Seit dem Jahr 2000 wird mit dem Amadeus Award der größte österreichische Musikpreis vergeben. In ihrer 22-jährigen Geschichte wusste die Trophäe vor allem mit Belanglosigkeit zu glänzen. Meine 2 Cents zum Thema.

Ich bin ja tatsächlich alt genug, um mich noch gut erinnern zu können, als der Amadeus Austrian Music Award ins Leben gerufen worden war. Die Reaktionen auf die Ankündigung, von nun an einen großen österreichischen Musikpreis verleihen zu wollen, waren gelinde gesagt durchwachsen. Eine ausdrücklich österreichische Trophäe in einem Land von der Größe unserer Alpenrepublik zu vergeben, schien ein wenig überzogen. Denn damals, im Jahr 2000, sah die heimische Musiklandschaft noch ein wenig anders aus, nämlich nicht so lebendig wie heute.

Als der Amadeus Award das erst Mal verliehen wurde, war alles anders

Das lag nicht nur daran, dass Künstler:innen nicht auf YouTube, Instagram oder Facebook zurückgreifen konnten, um ein wenig Eigenwerbung zu machen. Die Infrastrukturen waren komplett anders, es gab noch große Plattenfirmen, die tatsächlich Gewicht hatten, die Menschen kauften noch Musik auf CDs oder luden sie in großem Stil auf Sharing-Plattformen wie Napster herunter. Der iPod sollte erst ein Jahr später auf den Markt kommen, und bis er sich durchgesetzt hatte, verstrich auch ein wenig Zeit. Heimische Bands wie Bilderbuch oder Wanda mit einem wie auch immer gearteteten Indie-Hintergrund wären damals nie so groß geworden, die Wiener Stadthalle füllen oder ausverkaufte Arena-Open-Air-Konzerte spielen zu können. Der Kluft zwischen Indie-Kultur und sogenanntem Mainstream war hierzulande noch unüberwindbar, zumindest was heimische Acts anbelangte. Austropop war noch nicht komplett tot, er roch nur ein wenig seltsam.

Vor diesem Hintergrund einen Musikpreis wie den Amadeus Austrian Music Award zu etablieren, der sich auf Verkaufszahlen stützte, bedeutete vor allem eines: in erster Linie Künstler:innen auszuzeichnen, die ohnehin schon in der Hitparade, den Austrian Top 40, vertreten waren. Dementsprechend durften sich bei der ersten Verleihung 2000 Sandra Pires, DJ Ötzi mit seinem „Anton aus Tirol“ und Udo Jürgens über Preise freuen. Immerhin: Der erst kürzlich verstorbene Willi Resetarits nahm stellvertretend für sein Alter Ego Kurt Ostbahn den Award in der Kategorie „Gruppe Pop/Rock national“ entgegen. Warum auch internationale Acts ausgezeichnet wurden, ist nur damit zu erklären, dass so die Verkaufszahlen angekurbelt werden sollten. Weder die Red Hot Chili Peppers noch Britney Spears holten ihre ohnehin nicht sehr ansehnlichen Preise persönlich ab.

Auch am Amadeus Award ist die Zeit nicht spurlos vorübergegangen

Inzwischen sind zwei Jahrzehnte ins Land gezogen, und natürlich hat auch vor dem Amadeus Austrian Music Award der Wandel der Zeit nicht Halt gemacht. Wenigstens gibt es seit 2002 keine internationalen Kategorien, die ohnehin wenig sinnvoll waren, und ebenfalls seit 2002 auch den FM4-Award. Bei Letzterem werden nicht die Verkaufszahlen herangezogen, vielmehr nominiert die Redaktion einige Kandidat:innen, unter denen dann das Publikum die Sieger:innen wählt. Auch die Trophäe wurde mittlerweile umgestaltet, sieht nicht mehr ganz so hässlich aus, sondern eher wie eine aus dem Gleichgewicht geratene Blumenvase.

Prinzipiell nimmt sich das ganze Erscheinungsbild nicht mehr ganz so provinziell aus wie einst, mit Conchita hat man eine charmante und redegewandte Moderatorin, die das Business außerdem kennt. Der große Kritikpunkt bleibt natürlich, dass man den Eindruck nicht loswird, dass der Amadeus seit Jahren im eigenen Saft schmort. Christina Stürmer ist mit elf Auszeichnungen die Spitzenreiterin, gleich danach kommt Porov Stelar mit zehn. Weit weniger häufig, aber dafür für die Kategorie bezeichnend: In „Hard & Heavy“ erhalten Turbobier nach 2016 heuer zum zweiten Mal den Preis. Als ob es da nicht weit mehr gäbe in unserem Land.

Bis vor wenigen Jahren wurde österreichische Musik nur stiefmütterlich behandelt, so gesehen ist der Amadeus Austrian Music Award ein Schritt in die richtige Richtung. Besonders originell ist die Veranstaltung halt nicht, ein bisserl mehr Mut wäre zumindest bei der Auswahl der Live-Gäste wünschenswert. Wenigstens auf den Auftritt von Mira Lu Kovacs darf man sich freuen. Sie ist ausgezeichnet, im wahrsten Sinn des Wortes: mit ihrer damaligen Band Schmieds Puls mit dem FM4-Award, mit der Formation 5K HD mit dem Preis für besten Sound und mit My Ugly Clementine in der Kategorie „Alternative“. Heuer ist sie als Solo-Künstlerin für ihr Album „What Else Can Break“ nominiert. Ich würde ihr wünschen, dass sie sich gegen Ina Regen, Josh., Chris Steger und RAF Camora durchsetzt. Mal gucken, am Freitagabend, dem 29. April, findet die Verleihung statt.

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