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AnnenMayKantereit: Deutscher Pop-Rock mit rauem Klang

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Gestartet als Schülerband, füllt die Band AnnenMayKantereit seit ihrem Debüt „Alles nix konkretes“ große Hallen. Im Jahr 2020 nahm sie ihr drittes Album auf.

Als Schülerband starteten sie auf den Straßen ihrer Heimatstadt Köln. Die Mitglieder der Band AnnenMayKantereit um Sänger Henning May begegneten einander auf dem Schiller-Gymnasium und hatten ihre ersten Auftritte in den Fußgängerzonen der Domstadt. Die raue Reibeisen-Stimme Mays, begleitet von Christopher Annen an der Gitarre und Severin Kantereit am Schlagzeug, war von Beginn an das Markenzeichen der Band.

Bis 2014 gehörte auch der Kontrabassist Lars Lötgering zur Band. Ab dann spielte Malte Huck den E-Bass. Huck wiederum verließ die Band nach Ausbruch der Corona-Pandemie, zunächst für ein Jahr, wie die Musiker bekannt gaben. Der Bandname setzt sich aus den drei Nachnamen der Musiker zusammen, die die ursprüngliche und auch die aktuelle Besetzung darstellen: 

Vor dem großen Durchbruch traten AnnenMayKantereit als Support für Clueso oder die Beatsteaks auf. Spätestens seit ihrem ersten Album „Alles nix konkretes“ sind die drei Singer-Songwriter, die zunächst noch zu viert unterwegs waren, auch außerhalb der deutschen Musikszene ein Begriff.

Pop-Rock aus Köln: Raue Stimme, authentischer Stil

Einfühlsame Balladen, gesungen auf Deutsch, Blues-Töne und temperamentvoller Pop, vorgetragen von einer wütenden Jugend – etwa so beschrieb sich die Band einmal selbst. Ihre akustischen Pop-Rock-Songs spielen die drei Musiker stets selbst und gemeinsam ein. Neben dem prägnanten Gesang von Henning May ist dies das zweite Kennzeichen der Singer-Songwriter-Band. Authentizität ist hier extrem wichtig. Jede Aufnahme entsteht vollständig live – entweder im Studio oder an ausgefallenen Orten, die den passenden Background für die Videos liefern.

Musikvideos werden mit dem unveränderten Originalsound, so wie abgefilmt, auch veröffentlicht. Korrekturen kommen nicht infrage. Die Band zelebriert das gemeinsame Erlebnis des Musik-Machens und erschafft dabei einen eigenen, unverwechselbaren Sound der Sparte „handgemachte Musik“. Dem Publikum begegnet das Trio damit auf Augenhöhe, vertraute Themen werden in blueslastige oder poppige Töne umgesetzt. Im jungen Programm „Puls“ des deutschen Regionalsenders BR wurden AnnenMayKantereit daher einmal als „eine Band wie ein Zuhause“ bezeichnet. Regionalsenders BR wurden AnnenMayKantereit daher einmal als „eine Band wie ein Zuhause“ bezeichnet.

Henning May Christopher Annen und Severin Kantereit von AnnenMayKantereit
AnnenMayKantereit beim globalen Klimastreik von Fridays For Future im September 2020. © Stefan Mueller/Pop-Eye/Imago

In ihren Liedern verarbeiten die Musiker Erfahrungen und Szenen aus dem Alltag, aus dem ihrer eigenen und aus dem Leben ihrer Altersgenossen. Von Einsamkeit und Verlustängsten handeln die Songs, von Freundschaften, Beziehungen und unglücklicher oder glücklicher Liebe. Stilistisch erinnert Sänger Henning May dabei gelegentlich ebenso an Tom Waits wie an anderen Stellen an Sven Regener.

„Wohin du gehst“ – die Band schaffte den Sprung in die Konzerthallen

Bereits ab 2011 machten AnnenMayKantereit in Köln auf der Straße Musik. Was als Hobby von musikbegeisterten Gymnasiasten begann, wurde zwei Jahre später erfolgreich. Überregional wurde die Öffentlichkeit mit ihrem Song „Wohin du gehst“ auf die jungen Musiker aufmerksam: Diesen Titel veröffentlichten sie 2013 auf YouTube. Zwar war dieser Clip nicht der Erste, den die junge Band auf der Video-Plattform hochlud, aber doch der entscheidende, mit dem sie über die Grenzen der Domstadt hinaus bekannt wurden.

Die neue Aufmerksamkeit erweiterte ihre Möglichkeiten: Es folgten Auftritte beim Vorentscheid des Eurovision Song Contests und dem Melt! Festival, die erste eigene EP finanzierten sie über Crowdfunding. „Wird schon irgendwie gehen“ heißt die Platte, darauf auch der Song „Oft gefragt“, der heute zu den bekannteren Titeln der Band gehört. Der Titel „Pocahontas“, wurde 2016 ein Überraschungserfolg und später zum Markenzeichen der Kölner Band. Als Produzent ihres Debüts gewannen sie Moses Schneider, der schon mit Tocotronic, Olli Schulz und den Fehlfarben arbeitete.

Rock am Ring und Nummer eins in den Charts: AMK werden Pop-Rock Stars

Im Jahr 2014 traten AnnenMayKantereit bereits in großen Stadien auf: Als Support begleiteten sie Clueso und die Beatsteaks. Außerdem tourten sie deutschlandweit durch Clubs. Henning May wurde im Folgejahr als Gastsänger von K.I.Z. verpflichtet und arbeitete parallel am zweiten Album, das den Titel „Alles nix konkretes“ trägt. Die Band trat auf dem Rock am Ring-Festival auf, das Album erschien Anfang 2016, gefolgt von Konzertauftritten, der Spitze der deutschen Charts und hoher Medienpräsenz. In Österreich stürmte die Band auf die höchsten Plätze der Pop-Charts.

Mit der Single „Marie“ kündigten AnnenMayKantereit im Spätsommer 2018 ihr nächstes Album an. „Schlagschatten“ erschien im Dezember und eroberte die Charts: In Deutschland auf Platz 2, in Österreich auf Platz 3 und auch in der Schweiz in den Top Ten vertreten, wurde das Album erneut ein Erfolg. Die Tour zum Album war ausverkauft.

Preisgekrönter Pop-Rock aus Köln

Dieser Erfolg zeigte sich nicht nur an den Platten- und Ticketverkäufen. Auszeichnungen mit Musikpreisen wie dem deutschen Echo in der Kategorie Band Pop National und als nationale Newcomer sowie die Nominierung für die 1Live Krone des deutschen Radiosenders als beste Band und bester Live-Act bezeugten das enorme Medien-Echo, das den Aufstieg der Band im deutschsprachigen Raum begleitete. Nach einjähriger Pause starteten AnnenMayKantereit 2019 erneut eine Konzerttournee. Wieder traten sie auf Festivals im deutschsprachigen Raum auf und stellten auf ihren Konzerten den Song „Ozean“ vor, der im September als Single herauskam.

Die massiven Einschnitte der Corona-Pandemie traf die Musikbranche besonders eindrücklich. Ursprünglich plante die Band für dieses Jahr die größte Tour ihrer Geschichte. Doch mit Beginn der Pandemie platzten alle Konzert-Termine, und die Musiker sahen sich – wie all ihre Kollegen – mit einer völlig neuen Situation konfrontiert. Ihre Erfahrungen aus dieser Zeit verarbeitete die Band, die seit 2020 ohne den Bassisten Malte Huck auskommen muss, in einem weiteren Album. Im November 2020 veröffentlichten sie ganz ohne Vorankündigung ihr drittes Studioalbum, das den Titel „12“ trägt. Getrennt voneinander, in unterschiedlichen Studios und Proberäumen, wurden die Titel entwickelt und aufgenommen.

Pop-Rock aus dem Lockdown: das Album „12“

Im Gegensatz zu den Vorgängern haben die Songs auf diesem Album eindeutig politische Botschaften und sind von einem melancholischen, teils düsteren Stil. Zwar wurden Themen wie die Flüchtlingskrise auch zuvor schon einmal gestreift, etwa in dem Titel „Weiße Wand“ vom Album Schlagschatten, doch bis dahin standen eher Songs über Liebe und Zusammenhalt, Freundschaften und das Leben an sich im Vordergrund. Mit dem Album 12 geht es um den Klimawandel, um die Privilegien weißer Männer, um Rassismus und den Schock der weltweiten Pandemie. Als einen der wichtigsten Auslöser für die neue Umgangsweise mit politischen Botschaften nennt Sänger Henning May unter anderem die Anschläge aus rassistischen Motiven, die im westfälischen Hanau im Februar des Jahres 2020 neun Menschen das Leben kosteten.

Passend dazu streamte die Band ein Benefizkonzert für die Seenotrettungsorganisation SOS Méditerranée und trat bei einer Fridays-for-Future-Demonstration auf. Als politische Band wollen sich AnnenMayKantereit dennoch nicht verstanden wissen: Er könne nur über das schreiben, was er fühle, und wozu er Zugang finde, sagte Sänger und Texter Henning May dazu. Die Authentizität der Texte hat ihre Ursache in dieser Haltung – und so fügt sich das Album nahtlos in die Bandgeschichte ein. Die AnnenMayKantereit Tour 2021 führte die Band auf fünf Festivals nach Leipzig, Berlin, Hamburg und Lüneburg. Nach der kreativ genutzten Zwangspause starteten die Kölner erneut auf den großen Bühnen durch.

von freiem Autor

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