1. BuzzFeed.at
  2. Buzz
  3. Popkultur

Barbie kommt mit einem feministischen Dreh ins Kino - das macht mich ratlos

Erstellt:

Von: Christian Kisler

Kommentare

Montage: Margot Robbie, eine Barbie-Puppe
Margot Robbie soll Barbie in einem neuen Film auf feministische Weise verkörpern. © Robyn Beck/AFP/APA-Picture-Desk/photothek/IMAGO/BuzzFeed Austria

Bei Barbie und dem dahinter stehenden Konzern Mattel kommt einem wohl nicht als Erstes Feminismus in den Sinn. Mit Margot Robbie, Ryan Gosling und Greta Gerwig an Bord will man nun die Kinosäle erobern.

Es gibt Spielzeug, das gerade einmal eine Saison lang aktuell ist. Es gibt auch Spielzeug, das zumindest eine ganze Generation im Griff hat. Und es gibt Spielzeug, das die Zeit überdauert und zum Klassiker heranreift. Mit Playmobil oder Lego haben schon deine Eltern gespielt. Oder aber mit Barbie-Puppen, zumindest deine Mutter. Mattel, die Firma hinter der seit 1959 hergestellten Ankleidepuppe im Miniaturformat, hat von Beginn an stets kleine Mädchen angesprochen, Buben sollten davon die Finger lassen.

Kritik gab es schon früh, nicht zuletzt ihrer doch nicht besonders realistischen Körpermaße wegen. Was im Übrigen auch auf jene der ebenfalls von Mattel hergestellten Actionfiguren für Buben zutrifft, He-Man und Co. Dabei war es ihrer Erfinderin ein Anliegen, Barbie als Alternative zu anderen Puppen zu etablieren. Mit diesen sollte nämlich von früh an eine Mutterrolle eingeübt werden, während die Kinder für die ursprünglich nur im Badeanzug verkaufte Barbie eine eigene Persönlichkeit entwickeln sollten. Indem sie ihr Kleider nach ihren Vorstellungen anzogen.

Barbie wurde stets als berufstätige, unverheiratete Frau dargestellt

Von diesem Konzept verabschiedete sich Mattel ja recht bald, ließ sie in bestimmten bekleideten Versionen und von 1977 bis 1992 ausschließlich blond verkaufen. Immerhin: Trotz des ihr zugeschriebenen Konsumwahns wurde Barbie stets als berufstätige, unverheiratete Frau dargestellt - die mit Ken ja doch auch einen männlichen Begleiter zur Seite gestellt bekam.

Ihren popkulturellen Fußabdruck hat Barbie aber bis heute hinterlassen, sei es im Song „Barbie Girl“ von der Eurodance-Truppe Aqua oder als parodistische Darstellung bei den Simpsons, der bei Lisa Simpson heißbegehrten „Malibu Stacy“. Neben einigen eher mittelprächtigen animierten Produktionen fürs Kinderfernsehen hat sich Mattel aber noch nicht an die Verfilmung herangetraut. Bis jetzt.

Barbie soll im Kino Erwachsene ansprechen

Barbie soll nun als Realfilm in die Kinos kommen. Und die Zielgruppe sind nicht etwa die lieben Kleinen, sondern Erwachsene, die als Kinder damit gespielt haben. Das lässt zumindest das Team vermuten, das Mattel angeheuert hat. Die Hauptrollen sollen Margot Robbie und Ryan Gosling übernehmen. Beide haben eine enorme darstellerische Bandbreite, sind mehrfach ausgezeichnet und jeweils zweifach Oscar-nominiert. Und dann „Barbie“? Es kommt noch besser.

Regie soll Greta Gerwig führen, als Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin für Filme wie „Greenberg“, „Frances Ha“, „Lady Bird“ und „Little Women“ bekannt. Das Drehbuch verfasst die mit zwei Oscar-Nominierungen Gesegnete gemeinsam mit Noah Baumbach. Der kommt wie Greta Gerwig aus dem Independentbereich und hat mit ihr unter anderem bei „Greenberg“ und „Frances Ha“ zusammengearbeitet. Sein Film „Marriage Story“ mit Adam Driver und Scarlett Johansson wurde international gefeiert und erhielt gleich sechs Oscar-Nominierungen, unter anderem für Baumbachs Drehbuch.

Mattel will sein Image in Sachen Feminismus aufmöbeln

Eine Crew mit reichlich Credibility also. Mehr noch, der Film soll mit einem feministischen Spin versehen sein, wenn auch die Handlung noch vage bleibt. Was angesichts der daran Beteiligten glaubhaft erscheint, bei den Wörtern „Barbie“ und „Mattel“ weniger. Der Spielzeughersteller will zwar angeblich nicht mehr seiner Produkte verkaufen, wie Filmproduzentin Robbie Brenner beteuert. Gleichzeitig riecht es aber sehr danach, als wolle da jemand seinen nicht unbedingt durch Feminismus glänzendes Image aufmöbeln. Das nennt man „Purple Washing“. Ähnlich wie „Green Washing“, wenn Konzerne, die die Luft verpesten, ein umweltfreundliches Mäntelchen umhängen.

Mattel will ein Universum schaffen - mit Lily Collins, Lena Dunham und Tom Hanks

Die Ambitionen sind aber wesentlich größer. Ähnlich wie Marvel, das vor 15 Jahren noch belächelt wurde, will man ein ganzes Universum schaffen. So sind schon die nächsten Filmprojekte bekannt geworden. „Polly Pocket“, diese kleinen Puppen in Schachteln, sollen unter der Regie von der feministischen Ikone Lena Dunham („Girls“) auf die Leinwand gebracht werden. Hauptrolle: Lily Collins. Mit Tom Hanks soll ein wahrer Superstar wiederum in die Rolle von Major Matt Mason schlüpfen, einer Mattel-Actionfigur aus den 1960er-Jahren. Das Drehbuch soll mit Akiva Goldsman ein alter Hase im Business übernehmen, der schon von „The Client über „The Da Vinci Code“ bis zur Serie „Star Trek: Discovery“ alle Register gezogen hat.

Mattel versucht also, in die Fußstapfen von Marvel zu treten. Wie sich aber im Universum des Spielzeugherstellers ein Gastauftritt von He-Man und Skeletor bei Thomas, der kleinen Lokomotive ausgehen soll, bleibt fraglich. Ebenso, wie glaubwürdig das feministische Engagement sowie das Setzen auf unkonventionelle Regisseur:innen, Drehbuchautor:innen und Schauspieler:innen ist. Vielleicht tut sich ja eine Lücke auf, wenn immer mehr Menschen nur noch genervt von all den Marvel-Held:innen sind.

Auch interessant

Kommentare