1. BuzzFeed.at
  2. Buzz
  3. Popkultur

Kommst du nachher noch online? Warum wir diese 8 Retro-Chat-Plattformen arg vermissen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sophie Marie Unger

Kommentare

Chatverlauf einer Unterhaltung im MSN Messenger.
Wie sehr ich diese unnötigen MNS-Chat-Verläufe vermisse. (Fotomontage) © Twitter

MSN, ICQ, StudiVZ & Co. haben vielen Millennials wohl den Eintritt in die digitale Welt mehr als versüßt. Wir wollen euch ein paar nostalgische Minuten schenken und diese acht Chat-Plattformen noch einmal hochleben lassen.

Hach, wie sehr vermisse ich diese unnötigen Chat-Verläufe. Irgendwie war das ja noch charmant - man begrüßt und verabschiedet sich ordentlich und manchmal auch mit überschwänglichen Anhängen und Abkürzungen. Man spielt irgendwelche zachen Minigames, bearbeitet erste Profilbilder und entdeckt das Flirten für sich. Jede Plattform hat irgendwie sein eigenes Ding gemacht, mir fehlt das.

1. MSN Messenger

Der oben angeführte Chat-Verlauf hat wirklich so stattgefunden, und zwar auf MSN. Da ich meine erste E-Mail-Adresse, die es nun nicht mehr gibt und damals wildemaus56@hotmail.com lautete, bei Hotmail erstellt habe, konnte ich den Messenger-Dienst von Microsoft Network gratis nutzen. Anscheinend gab es da eine Welle an E-Mail-Neueröffnungen, denn plötzlich hatte ich ein richtig großes Netzwerk und eine fette Auswahl an Leuten, mit denen ich mich eigentlich täglich austauschte.

MSN hatte zudem den Gral der Abkürzungen inne. Egal ob lol, muhaha, rofl, *gg*, omg, hdgdl oder bff - sie kamen alle gefühlt 1.000 Mal in jeder Unterhaltungen zum Einsatz. Genauso wie Emojis, die damals ja noch Smileys hießen und zuerst knallgelb waren. Irgendwann konnte man dann ja erste Animationen für bestimmte Wörter hinterlegen und plötzlich war mein gesamter Chat voller unnötiger Glitzer-Animationen. Herrlich!

2. ICQ

Ganz stark war auch ICQ. Ich find, da gab es schon von Beginn an echt geile Funktionen, wie etwa das Übertragen von mp3-Dateien (dauerte zwar Stunden und brach bei den letzten zehn Prozent meistens ab, aber war schon cool). Auch das Statusgame war strong: Ich switchte den teilweise im Sekundentakt, weil ich wollte, dass eine bestimmte Person merkt, dass ich jetzt gerade online bin. Auch die Mini-Games wie „Slide-a-Lama“ oder „Zoopaloola“ waren zwar echt simpel, aber dafür perfekt, um mit seinem Schwarm das erste Mal in Verbindung zu treten. Eigentlich genial.

via GIPHY

Auch die Away-Nachrichten waren legendär: einerseits sollten sie dein komplexes Innenleben widerspiegeln und gleichzeitig nicht zu viel Peinliches offenbaren. Wir waren so deep!

3. StudiVZ

Stalking Modus an: StudiVZ war da ein echter Vorreiter. Man wusste alles über seinen Schwarm, weil so Sachen wie „wer zuletzt die Seite angesehen hat“, ständige Geburtstagserinnerungen und das random Freundschaftsanfrage-verschicken einfach ganz normal waren. Pionierarbeit war aber auch beim sogenannten „Buschfunk“ vorhanden. Jede:r nutzte ihn, um seinen geistigen Durchfall auf 140 Zeichen zu publizieren, ähnlich wie heute auf Twitter eben.

Ganz großes Kino waren auch die Gruppen, denen man ohne Genierer beigetreten ist. Klassiker waren da: „Wir trinken Bier nur an Tagen, die mit ‚g‘ enden. Und mittwochs“, „Warum ist am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig?“ und „Ich komm‘ schon mal zum Vorglühen“. Süß fand ich auch, wie sich anfangs alle gegen Facebook ausgesprochen haben - was soll denn so eine Plattform schon anrichten? Ziemlich viel, wie wir jetzt wissen!

4. Knuddels

Mein persönlicher Favorit war die Chat-Seite knuddels.at. Unter einem sehr einfallslosen Pseudonym konnte man thematisch unterschiedliche Chat-Rooms betreten. Dort konnte man im großen Kollektiv seinen Senf preisgeben oder jemanden „anflüstern“ und somit privat anschreiben. Zudem sammelte man Küsse und Knuddels und konnte je nach Anzahl auch Admin eines Forums werden. Das hat natürlich absolut süchtig gemacht, denn wer Admin war hat sich natürlich super special gefühlt.

Die Chatseite Knuddels mit den diversen Foren, in denen man chatten konnte.
Die Chatseite Knuddels besticht durch ihr herziges Design. © Knuddels

Die wenigsten wussten, dass hinter dem Prinzip jedoch ein echter Gemeinschaftsgedanke steckte, denn um die politischen Aktivitäten von etwaigen Extremist:innen unter den Nutzer:innen so gering wie möglich zu halten, wurde anfangs ein „Anti-Rechts-Team“ gegründet, welchem eben einige dieser Admins, Stammchatter und Ehrenmitglieder angehörten. So sollte rechtes Gedankengut aus dem Chat verbannt werden. Vorläufer der heutigen Moderationsfunktionen sozusagen.

5. Netlog

Zugegeben, Netlog war das dunkle Kapitel meiner Chat-Laufbahn. Zu meiner Online-Zeit war gerade der Emo-Trend super in, wo irgendwie alle komische Ketten mit Plastik-Diamanten oder Muffins trugen. Dazu waren die Haare entweder schwarz oder platinblond gefärbt und auf­toupiert. So hat man sich dann jede Woche auf ein Fotoshooting vor verlassenen Gleisen oder in einen Wald begeben.

Das Ergebnis wurde dann nochmals in Photoshop extrem aufgehellt und voilà ein tolles Profilbild war geboren. Extrem kreativ wurde man dann auch noch bei den Nicknames, die oft auch die Weiten des persönlichen Innenlebens wiedergaben.

6. Skype

Neben der typischen schriftlichen Konversation kam dann auch irgendwann die Kamera ins Spiel. Die Frage „Wollen wir camen?“ gehörte dann bald mal in das Standard-Repertoire eines echten Chatfreaks. Mir persönlich ist „camen“ bis heute nicht ganz Geheuer. Irgendwie fand ich es damals zu weird, dass man sich eigentlich auch draußen treffen konnte und trotzdem vor dem PC hängt.

via GIPHY

Heute hat Skype in Zeiten von Corona und Globalisierung natürlich eine ganz andere Ebene erreicht und ich bin dankbar, Freund:innen und Verwandte auch in großer Entfernung sehen zu können. Skype gehörte übrigens nicht immer Microsoft und verfügte anfangs über ein rotes Logo.

7. SMS.at

Auch kleinere regionale Chat-Pages konnten eine Zeit lang echt überzeugen. SMS.at teaserte zunächst vor allem damit, dass man von der Seite gratis SMS versenden konnte (ja SMS waren früher einmal echt teuer). War man mal auf der Seite, ist man oft auch geblieben. Denn auch hier konnte man ein Profil erstellen, das nicht selten ausartete, weil viele Funktionen selbst programmiert werden mussten.

Die Website von SMS.at im Jahr 2005.
Die Chat-Plattform und Online-Community sms.at war im Jahr 2005 bei vielen Österreicher:innen ein PC-Fixstarter. © SMS.at

Ich kann mich erinnern, dass ich dann irgendwann sogar leichte HTML-Codes erstellt habe, um ein Bild oder eine Animation einzufügen. Irgendwann wurde mir das dann zu kompliziert - naja.

8. Eventshooters

Das Eventportal aus Oberösterreich war einfach legendär, wenn es darum ging, was am Wochenende so passiert ist. Das Hobbyprojekt sollte Feierwütige zusammenbringen und das tat es auch: die Community feierte auch das peinlichste Party-Foto. Über eigene Profile und Pinnwände konnte man gemeinsam über die letzte Nacht lachen (oder weinen). Auch wenn man es heute wahrscheinlich bereut, mit Malle-Kübel in der Hand im Internet entdeckt zu werden, damals gehörte das einfach zum Erwachsenwerden dazu.

Das Portal wurde übrigens aufgrund der DSGVO-Richtlinie geschlossen. Vermutlich besser so, wir werden euch aber trotzdem nie vergessen, wir versprechen es, liebe Chat-Portale.

Auch interessant

Kommentare