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Diese 5 Comic-Superheld:innen haben laut neuer Analyse tatsächlich die reale Welt verbessert

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Von: Sophie Marie Unger

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The art of the brick: DC Super Heroes
Superheld:innen können tatsächlich die Welt verbessern. © Elliott Franks/APA Picturdesk

Normalerweise bekämpfen Superheld:innen ja Schurk:innen in einer fiktiven Welt, nicht reale strukturelle Probleme.

Laut einer neuen Analyse von Comic-Experte Jonas Lübkert hatten einige Superheld:innen des Marvel-Universums und von DC sehr wohl Einfluss auf bestimmte gesellschaftspolitische Bewegungen. Hier sind fünf Figuren, die in gewisser Weise die Welt verbessert haben.

1. Wonder Woman vs. Kalter Krieg

Diana Prince, besser bekannt als Wonder Woman, kämpft seit den 40er-Jahren gegen deutsche Soldaten. In den Comics wird sie in den Zweiten, im späteren Film in den Ersten Weltkrieg versetzt. Als sie den US-Soldaten Steve Trevor vor dem Ertrinken rettet, erfährt sie zum ersten Mal von den chaotischen Zuständen in der (wie es in den Comics heißt) „Welt der Männer“. Wonder Woman beschließt, ihre isolierte Heimat auf der sogenannten Paradiesinsel zu verlassen und einzugreifen.

Der Wonder-Woman-Kosmos bedient sich immer wieder an der griechisch-römischen Mythologie. Damit wird der Krieg personifiziert - sprich: eine einzelne mystische Figur steht für reale Konflikte zwischen Nationen. In den Comics trifft Wonder Woman auf keinen geringeren als den Gott des Kriegs selbst - mal tritt er unter seinem griechischen Namen Ares auf, mal unter dem römischen Mars. Mitte der 1980er-Jahre, kurz vor dem Ende des Kalten Kriegs, bringt sie ihn in „Wonder Woman“ von George Perez und Len Wein beispielsweise davon ab, einen dritten Weltkrieg zwischen den USA und Russland zu provozieren. Das hatte Einfluss auf die realen Ereignisse.

2. Aquaman vs. Umweltverschmutzung

Allein die persönliche Geschichte von Aquaman appelliert an die Akzeptanz aller Menschen und ihren friedlichen Umgang miteinander und der Natur. Denn Arthur Curry, Sohn eines Menschen und der Königin des Unterwasserstaats Atlantis freundet sich mit dem Sohn von Currys Gegenspieler Black Mantis an, der später sogar seine Rolle als Aquaman übernimmt.

In den 1960er-Jahren stand es um den US-amerikanischen Eriesees besonders schlecht. Durch Industrie- und Haushaltsabwässer stieg der Phosphatgehalt im See, wodurch massenhaft Algen wuchsen. Die blockten weitgehend das Sonnenlicht ab, was zum Massensterben von Fischen führte. Die Situation löste eine Umweltbewegung aus – und fand gleichzeitig Eingang in die Comicwelt. In „Aquaman #56“ von 1971 thematisieren Steve Skeates und Jim Aparo den Anteil, den der Mensch an der Umweltkrise hält. Die Bewegung wurde dadurch noch verstärkt.

3.  Captain Carter vs. Sexismus

Für Jahrzehnte spielte Carter ja nur eine Nebenrolle, was schön veranschaulicht, welche Rollen Frauen in den vergangenen Tagen einnahmen. Auch sie war anfangs lediglich „Love Interest“ von Steve Rogers aka Captain America. Bis zur Marvel-Serie „What If“ von 2021 hat sich viel getan: In einem Paralleluniversum wurde aus Captain America Captain Carter - aus Superheld also Superheldin.

Wie Rogers bekämpft Carter im Zweiten Weltkrieg die Nationalsozialisten und muss sich währenddessen immer wieder mit sexistischen Vorurteile ihrer Kollegen herumschlagen. „Frauen sind keine Soldaten“, heißt es an einer Stelle etwa. Die Superheldin demonstriert, wie viel schwerer es Frauen oft allein aufgrund ihres Geschlechts haben – und wie man sich mit Durchsetzungsvermögen und Kompetenz trotzdem behauptet. Seit Ende März 2022 hat Captain Carter eine eigene Comicreihe.

4. Batman vs. Armut

Bruce Wayne aka Batman ist zugegebenermaßen ein sehr ambivalenter Charakter. Obwohl er früh seine Eltern verlor und somit weiß, wie schwer das Leben sein kann, profitierte er von ihrem Millionenerbe. In seiner Heimatstadt, dem fiktiven Gotham City, herrschen Massenarmut und Obdachlosigkeit. Die Comics zeigen Bruce als Philanthropen, der für wohltätige Zwecke spendet und Stiftungen gründet; im jüngsten Film „The Batman“ (2022) deckt er die systematische Korruption in Gotham auf. 

Dass er durch sein Vermögen aber selbst Teil des Systems ist, hinterlässt einen bitteren Beigeschmack, der heutzutage aber allzu oft auch in der realen Welt zu finden ist. Der Comic macht genau das zum Thema, als in „Batman: Reptilian“ von Garth Ennis und Liam Sharp (2021) sein Butler Alfred Pennyworth Bruce vorwirft, nicht genug für die Bewohner:innen von Gotham getan zu haben. Als Bruce auf die Stiftungen hinweist, schmunzelt Alfred spöttisch.

5. Black Panther vs. Rassismus und Kolonialismus

Schon das Setting der Blick-Panther-Geschichten übt Kolonialismuskritik: Wakanda, der afrofuturistische Staat, in dem Black Panther alias T’Challa Udaku aufwächst, widerspricht der rassistischen Annahme, bestimmte Staaten seien aufgrund ihrer Kultur zu Industrie- oder Entwicklungsländern geworden. Gerade weil Wakanda nicht von (angeblich) zivilisierten christlichen Staaten kolonialisiert wurde, lebt seine Bevölkerung in Frieden und kann sich kulturell und technologisch rasant entwickeln.

Auch die Filmadaption „Black Panther“ von 2018 arbeitet sich am Thema Kolonialismus ab. Als T’Challa Udaku am Ende des Filmes entscheidet, Wakanda nicht länger geheim zu halten und der UNO Entwicklungshilfe anzubieten, reagiert man dort gekränkt. „Was hat eine Nation von Bauern der Welt zu bieten?“, sagt einer der UN-Vertreter. Woraufhin im Hintergrund heroische Musik anklingt und die Kamera an sichtlich belustigte Führungskräfte aus Wakanda heranzoomt.

Auch die neue Marvel-Serie Moon Knight möchte auf gesellschaftliche Probleme eingehen und stellt mentale Gesundheit in den Mittelpunkt. BuzzFeed Österreich im Interview mit den Charakteren.

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