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Cryptoland sollte ein Disneyland für Bitcoin-Fans werden, hat aber komplett versagt

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Von: Christian Kisler

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Ein Strand auf den Fidschiinseln, eine Hand, die eine Bitcoin-Münze hält
Auf einer der Fidschiinseln sollte das Bitcoin-Paradies Cryptoland entstehen. © Joko/Danita Delimont/IMAGO/BuzzFeed Austria

Cryptoland sollte der wahr gewordene Traum aller Fans von Bitcoin und anderer Kryptowährungen werden. Eine eigene Südseeinsel, auf der sie in Saus und Braus leben und arbeiten könnten. Daraus wird jetzt wohl doch nichts. Aus der Traum?

Am Anfang war ein animiertes Video. Ein junger Mann landet auf einer Südseeinsel und wird von einer sprechenden Münze in Empfang genommen, die ihm eine ganz besondere Abenteuerwelt zeigt: Cryptoland. Hier kommen sogenannte Krypto-Enthusiast:innen zusammen, also Fans von Bitcoin und anderer Kryptowährungen mit fantasievollen Namen wie Ethereum, Tezos, Litecoin, Dogecoin, Polkadot. Digitale Tauschmittel, deren umweltschädliche Herstellung bereits in Kritik geraten war.

Video zu Cryptoland ein schlechter Scherz?

Es werden miese Wortspiele gemacht, es wird gelacht, am Ende gibt es sogar eine Love-Story. Nach Ansicht des Videos, das aussieht wie ein ganz, ganz billiger Pixar-Klon, stellen sich zwei Fragen: Meinen die das ernst oder ist das ein Scherz, eine schlecht gemachte Satire? Und: Wer gibt mir die verlorenen zehn Minuten Lebenszeit zurück? Andererseits wiederum: Um das zu glauben, muss man das Filmchen wirklich gesehen haben.

Was ist da nun passiert? Im November, etwa zeitgleich zum Auftauchen des Videos, vermeldeten Max Olivier und Helena Lopez, zwei selbst erklärte Krypto-Fans, dass sie in der Südsee ein Eiland erworben hätten, auf dem Gleichgesinnte leben, arbeiten und abhängen, also Spaß haben können sollten. Das fragliche Objekt hieße Nananu-i-cake, sei Teil der Fidschiinseln und beliefe sich auf 12 Millionen Dollar. Der Deal für Cryptoland, dem Disneyland für Krypto-Enthusiast:innen sei gesichert.

Die Cryptoland-Initiator:innen verkaufen Land, das ihnen nicht gehört

Dem australischen Makler zufolge ist dem aber nicht so, Olivier und Lopez hätten die Reservierungszeit auslaufen lassen und den Verkauf platzen lassen. So weit, so peinlich, aber noch nicht weiter schlimm. Schlimmer ist, dass von als NFT angebotenen 60 Grundstücken bereits einige verkauft worden sind. Kostenpunkt: rund 1,2 Millionen Dollar, zu zahlen in der Kryptowährung Ether. Dafür konnte man sich dann „Cryptolander King“ nennen - Queens waren offensichtlich nicht vorgesehen. Immerhin: Angeblich ist mittlerweile eine Hotelkette interessiert, sich an dem Projekt zu beteiligen.

So oder so dürfen sich Olivier und Lopez mit Betrugsvorwürfen auseinandersetzen: Dinge zu verkaufen, die man nicht besitzt, ist nun mal nicht sooo sauber, abgesehen von der mutigen Preisspanne. Auch mit Urheberrechten nehmen es die Cryptoland-Initiatoren:innen nicht allzu ernst. So texteten sie für ihr Video einfach bestehende Songs um, etwa „You‘re the One That I Want“ aus dem Musical „Grease“ oder im Abspann „Wouldn‘t It Be Nice“ von den Beach Boys. Merke: Das Copyright zu beiden Titeln ist noch nicht abgelaufen.

Auch einige Designer:innen beschwerten sich, ihre Werke würden in dem Video, für das wohl das Wort „cringe“ erfunden worden ist, verwendet werden, ohne jegliche Vergütung. Oder überhaupt über deren Verwendung nachgefragt zu haben.

Das Cryptoland-Team geht zum Gegenangriff vor

Nach all den Querelen und Vorwürfen ging das Team von Cryptoland Anfang Jänner zum Gegenangriff über und veröffentlichte via Twitter ein etwas holprig formuliertes Statement. Darin bezeichnen sie sich als „Opfer eines gezielten Angriffs, um ihre Arbeit zu mobben, herabwürdigen und zu verdrehen“. Außerdem „verdammen sie alle falschen Informationen und Anschuldigungen“.

Wer mehr wissen will, ist eingeladen, sie „höflich zu fragen“, sollte sie oder er mehr über das Projekt wissen wollen. Blöderweise gestaltet sich das als ein bisschen schwierig. Die Initiator:innen scheinen abgetaucht zu sein. Sie beantworten seitdem keine Fragen mehr. Auch keine höflichen.

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