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Rassismus im Dschungelcamp, Mobbing im Sommerhaus - im Reality-TV läuft einiges schief

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Von: Christian Kisler

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Montage: Janina Youssefian bei ihrer Abreise ins Dschungelcamp, Linda Nobat als Miss Hessen 2018
Janina Youssefian bei ihrer Abreise ins Dschungelcamp, Linda Nobat als Miss Hessen 2018 © Star-Media/Hartenfelser/IMAGO/BuzzFeed Austria

Janina Youssefian hat in der aktuellen Staffel des Dschungelcamps ihre Mitcamperin Linda Nobat rassistisch beleidigt - und musste gehen. Mobbing ist ebenfalls Bestandteil von Reality-Shows. Das ist auch von den Sendern nicht immer gewünscht.

„Reality Queens auf Safari“. „Promi Big Brother“. „Promi Shopping Queen“. „Adam sucht Eva – Promis im Paradies“. Janina Youssefian hat schon einiges an Erfahrung gesammelt, was Teilnahmen an Reality-Shows betrifft. Trotzdem haben sich nicht wenige beim Einzug ins Dschungelcamp gefragt: Wer ist diese Frau? Jetzt kennen wir die Antwort, nachdem das je nach Quelle 37- oder 39-jährige Model aus „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ rausgekickt worden ist. Warum? Wegen einer offen rassistischen Äußerung gegenüber ihrer Mitcamperin Linda Nobat, ihres Zeichens ehemalige „Bachelor“-Kandidatin und Miss Hessen 2018.

Empörung im Dschungelcamp

Solltest du jetzt neugierig sein, was Janina Youssefian Linda Nobat nach einem Streit voller ohnehin schon untergriffiger Beleidigungen an den Kopf geworfen hat: Ich werde es hier nicht wiedergeben. Nur sinngemäß so viel: Nobat solle sich dorthin scheren, woher sie komme. Uff. Im Jahr 2022 hätte man so etwas auch im deutschen Privatfernsehen nicht erwartet. Immerhin hat RTL prompt reagiert und nicht nur den empörten Kommentar des Mitstreiters Harald Glööckler in Großaufnahme gezeigt: „Irgendwo ist eine Grenze“, gab er zu Protokoll. „Da denk ich mir, geht‘s noch? Unsäglich peinlich.“

Youssefian wurde umgehend nach Hause geschickt, sämtliche Verträge mit RTL wurden gecancelt. Da half auch eine halbherzige Entschuldigung nichts: „Es tut mir leid, wenn das rassistisch rüberkam. Das war nicht so gemeint“. Nobat nahm sie ohnehin nicht an: „Wer etwas Rassistisches sagt, ist auch Rassist.“ Der „Dank“ der Zuseher:innen: Sie nominierten Nobat und Glööckler für die nächsten Dschungelprüfungen.

Keine Reality-Shows mit Janina Youssefian

Was lernen wir daraus? Zwei Dinge. Erstens: Youssefian ist jetzt Gift im deutschen Fernsehen, nicht nur bei den Sendern der RTL-Gruppe, zu denen neben RTL unter anderem auch VOX, ntv, Super RTL, RTLZWEI, Nitro, RTLup und Toggo plus gehören. Ohne jetzt in die Täter:in/Opfer-Umkehr-Falle zu tappen: Nachdem Janina Youssefian im Jahr 2000 eine Affäre mit Dieter Bohlen gehabt hatte, und das angeblich in einem Teppich-Geschäft, wurde sie von den Medien fortan als „Teppichluder“ gehandelt. Keine Entschuldigung für ihre rassistischen Äußerungen geht aber natürlich auch nicht.

Zweitens: RTL hat zwar schnell und umfassend reagiert, das war im Rahmen des Dschungelcamps bereits einmal der Fall. 2008 wurde Rapper DJ Tomekk aus dem Dschungelcamp geworfen, nachdem ein Privatvideo von ihm aufgetaucht war, auf dem er den Hitlergruß gezeigt hatte. Seitdem gab es keine Vorfälle dieser Art. Erstaunlich eigentlich, bei all den Streitereien aufgrund von Hunger, Durst, Schlafmangel und Lagerkoller. Und in Anbetracht der Tatsache, dass ins Dschungelcamp in erster Linie Menschen mit einem gewissen Geltungsdrang ziehen.

Massives Mobbing im „Sommerhaus der Stars“

Allerdings hat RTL nicht immer so souverän reagiert. In der fünften Staffel von „Das Sommerhaus der Stars – Kampf der Promipaare“ kam es 2020 zu massivem Mobbing gegenüber einer Teilnehmerin. „Bachelor“ Andrej Mangold und seine Freundin Jennifer Lange, Gewinnerin der Staffel und seines Herzens, schossen sich auf Eva Benetatou und ihren Verlobten Chris Broy ein. Benetatou war pikanterweise die Zweitplatzierte besagter „Bachelor“-Staffel. Wüste Beschimpfungen gehörten im „Sommerhaus“ dazu, auch das Anstiften anderer teilnehmenden Paare.

Dem Sender war das nicht wirklich recht, wie RTL-Unterhaltungschef Kai Sturm damals in einem Interview einräumte: „Wir haben das Mobbing weder gepusht noch gewollt. (...) Die Eskalation der Aggressivität und das unangenehme negative Gefühl, das in dieser Staffel steckt, hat uns persönlich auch betroffen gemacht.“ Kann man glauben oder nicht. Dass er von „Quotengift für den Sonntagabend“ sprach, könnte allerdings sehr wohl erklären, warum dem Sender das Verhalten der Kandidat:innen nicht ganz so recht war. Warum nicht eingegriffen wurde und angeblich dem Schnitt für die Eskalation entscheidende Szenen zum Opfer gefallen waren, weiß niemand.

Homophobie und Mobbing auch bei „Promis unter Palmen“

Konkurrenzsender Sat.1 wiederum ging mit Situationen der Art auch nicht besser um. „Promis unter Palmen“ lief nicht einmal zwei Staffeln lang. In der ersten Staffel 2020 wurde Unternehmerin Claudia Obert bis zu ihrem freiwilligen Ausscheiden aus der Show in einem Ausmaß gemobbt, dass es nicht mehr feierlich war. Ihr Alter, ihr Aussehen, ihr Alkoholkonsum, ihre allgemeine körperliche Verfassung - über alles wurde gelästert, selbst als die Frau am Boden lag. Warum dort überhaupt Alkohol in Hülle verfügbar war, wenn man weiß, dass unter den Teilnehmer:innen Mensch sind, die damit ein Problem haben, werde ich nie verstehen.

Staffel zwei startete auch nicht besser, als Prinz Marcus von Anhalt Travestie-Künstlerin Katy Bähm homophob beleidigte. Ein Sturm der Entrüstung folgte - nachdem die Folge bereits ausgestrahlt war. Immerhin nahm Sat.1 die Folge von ihren Online-Portalen. Nach der zweiten Folge wurde die Staffel im April 2021 komplett abgebrochen: Teilnehmer Wille Herren, berühmt geworden in der „Lindenstraße“, war 45-jährig verstorben. Sat.1-Senderchef Daniel Rosemann gab im Juni 2021 bekannt, „Promis unter Palmen“ werde nicht mehr fortgesetzt. Dass erst ein Todesfall zum Umdenken führt, ist tragisch. Da lob ich mir das Dschungelcamp. Die Menschenverachtung ist dort noch nicht in diesem Ausmaß eingezogen.

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