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Eminems Kniefall, Buhrufe und Selbstzensur: Der 56. Super Bowl war viel mehr als ein sportliches Spektakel

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Von: Christian Kisler

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Montage: Dr. Dre, 50 Cent, Mary J. Blige, Snoop Dogg und Kendrick Lamar sowie Eminem Halftime-Show des 56. Super Bowl
Dr. Dre, 50 Cent, Mary J. Blige, Snoop Dogg und Kendrick Lamar (nicht im Bild) lieferten eine tolle Halftime-Show beim 56. Super Bowl. Eminem sorgte mit seinem Kniefall für Aufregung. © Mario Anzuoni/Mike Segar/Rreuters/APA-PictureDesk

Der Super Bowl ist eines der größten Sportereignisse der Welt. Nicht nur aufgrund des American-Football-Finalspiels, sondern auch der Showeinlage in der Halbzeit wegen. Für Aufsehen sorgte heuer nicht nur Eminems Kniefall.

Wenn zur Halbzeit des Finales der National Football League, kurz: NFL, 90 bis 140 Millionen US-Amerikaner:innen vor ihren Fernsehapparaten sitzen, dann ist das für die Werbebranche ein Pflichttermin. Die Größten der Größten schalten für diesen Anlass, den Super Bowl, speziell und aufwendig gestaltete Werbespots. Ein derart großes Publikum erreicht man als Werbetreibende:r nicht so bald. Legendär sind freilich auch die aufwendig inszenierten Shows zur Halbzeit des Spiels.

In der Vergangenheit haben diese Halftime-Shows schon Superstars wie Michael Jackson, Madonna, die Rolling Stones oder The Weeknd bestreiten dürfen. Oder Justin Timberlake und Janet Jackson, bei deren Auftritt es zum sogenannten „Nipplegate“ kam: Timberlake riss Jackson „versehentlich“ einen Teil ihres Tops vom Körper, sodass ihre blanke Brust zu sehen war. In den diesbezüglich doch eher prüde eingestellten USA ein Skandal, für den vor allem Janet Jackson gerade stehen musste - obwohl sie an dem Busenblitzer die geringste Schuld hatte.

Die größte Halftime-Show aller Zeiten - wieder einmal

Beim 56. Super Bowl trafen im SoFi Stadium in Inglewood, Kalifornien die Los Angeles Rams auf die Cincinnati Bengals. Den Sieg konnten die Rams mit 23:20 dank eines späten Touchdowns davontragen. Stadionsprecher war kein Geringerer als Dwayne „The Rock“ Johnson“, zur Halftime-Show wurde, und das ist eigentlich unglaublich, das erste Mal, eine waschechte Hip-Hop-Einlage geboten. Wie üblich wurde die größte Show aller Zeiten angekündigt.

Überfällig war eine im Zeichen von Hip-Hop und Rap stehende Halftime-Show schon lange, wie Dr. Dre schon im Vorfeld nicht müde wurde zu betonen. „Das hätte schon vor langer Zeit passieren sollen. Es ist momentan das größte Musik-Genre. Dass es so lange gedauert hat, bis wir anerkannt wurden, ist verrückt. Wir werden eine Show machen, sodass niemand mehr wegschauen kann.“ Wenn man sich anschaut, was Mary J. Blige, Dr. Dre, Snoop Dogg, Eminem und die Überraschungsgäste 50 Cent und Anderson Paak (an den Drums) ablieferten, bin zumindest ich versucht zu sagen: Das kommt tatsächlich nahe ran. Und das, obwohl ich alles andere als ein Hip-Hop-Enthusiast bin.

Eminems Kniefall hat eine besondere Bedeutung

Abseits des sportlichen und musikalischen Spektakels gab es ebenfalls einiges zu beobachten. Am auffälligsten dabei war sicher Eminems Pose am Ende des von ihm zum Besten gegebenen „Lose Yourself“. Er machte einen Kniefall mit einem Bein und stützte dabei den Kopf mit der rechten Hand. Eine bekannte Haltung: Der ehemalige Quarterback des American-Football-Teams San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, initiierte diese Geste 2016, um ein Zeichen gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit zu setzen. Das gefiel weder der NFL noch den etablierten Football-Clubs besonders. Seit 2017 bekommt Kaepernick folgerichtig keinen Fuß mehr in NFL-Türen und ist de facto arbeitslos. Eigentlich ein Skandal.

An Eminems „Zitat“ wird sich die US-amerikanische Öffentlichkeit noch abarbeiten müssen. Auch kursierte die Meldung, die NFL hätte dem Rapper im Vorfeld untersagt, einen Kniefall zu machen und sei überrascht gewesen, als er ihn tatsächlich ausübte. Das scheint nicht ganz zu stimmen. Glücklich ist man darüber beim American-Football-Verband nicht, allerdings wusste man sehr wohl, was Eminem vorhatte. Schließlich wurde der Auftritt ja geprobt. Und eigenen Aussagen zufolge unternahm die NFL auch nichts dagegen.

Kendrick Lamar zensierte sich selbst, Dr. Dre nicht

Eigentümlicher ist schon die Tatsache, dass sich Kendrick Lamar offenbar in Selbstzensur üben musste, Dr. Dre allerdings nicht. In Kendricks Song „Alright“ gibt es die Zeile „We hate po-po“, frei übersetzt: „Wir hassen die Polizei“. Das Wort „po-po“ war während der Ausstrahlung der Super-Bowl-Halftime-Show nicht zu hören. Dabei gibt es gerade dadurch eine mehr als deutliche Verbindung zur „Black Lives Matter“-Bewegung. Dr. Dre wollte sich um keinen Preis mundtot machen lassen und performte im Abschluss-Track „Still D.R.E.“ die Zeile „still not lovin’ police“, was so viel wie bedeutet wie: „ich liebe die Polizei immer noch nicht“. Womöglich ging Dres Textzeile deswegen durch, weil sie weniger ablehnend gegenüber der in den USA im Umgang mit people of color nach wie vor umstrittenen Polizei ist als Kendricks. Um es vorsichtig zu formulieren.

Buh-Rufe für Kanye West beim Super Bowl

Abseits des Geschehens am Spielfeld, sei es das Match zwischen den Rams und den Bengales oder die Halftime-Show-Einlage, gab es auch einen kleinen Zwischenfall. Bei den in den USA üblichen Schwenks ins Publikum war auch Rapper Ye, früher unter seinem bürgerlichen Namen Kanye West bekannt, zu sehen. Komplett vermummt, aber nicht zuletzt durch seine ihn begleitenden Kinder North und Saint leicht zu erkennen. Worauf ein wahrer Reigen an Buh-Rufen auf ihn niederging. Warum? Wohl weil er sich nur Stunden davor in einem Posting auf Instagram wortreich über den neuen Freund seiner Ex-Frau Kim Kardashian, Pete Davidson, ausgelassen hat. Einem spannenden Spiel und einer jetzt schon legendären Halftime-Show tat das aber letztlich keinen Abbruch.

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