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Schon das Halbfinale des Song Contests wird zum Drama, Baby - nicht nur für LUM!X und Pia Maria

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Von: Christian Kisler

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Montage: DJ LUMiX und Pia Maria beim Eurovision Song Contest, das Kalush Orchestra aus der Ukraine bei einem Live-Konzert.
LUM!X und Pia Maria treten für Österreich beim Eurovision Song Contest an, dem Kalush Orchestra aus der Ukraine die größten Chancen auf den Sieg eingeräumt. © Lapresse/Action Press/Luca Bruno/AP/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

So viel ist gewiss: Für LUM!X und Pia Maria wird der Finaleinzug beim Song Contest 2022 ganz knapp. Haushoher Favorit ist ausgerechnet die Ukraine. Mit einem Sieg wäre dem Land aber nicht geholfen.

Ein bisschen off topic, aber so auffällig, dass es an dieser Stelle erwähnt werden muss: In Österreich gab es in den letzten Jahren gerade in der Song-Contest-Woche auffällig viele Rücktritte. 2016 war es Werner Faymann, 2017 Reinhold Mitterlehner, 2018 Matthias Strolz, 2019 Heinz-Christian Strache. 2020 schied zwar Ulrike just in jener Woche aus der Politik aus, in der der Eurovision Song Contest stattfinden hätte sollen, doch der wurde bekanntlich der COVID-19-Pandemie wegen abgesagt. Letztes Jahr gab es keine Rücktritte, heuer mit Elisabeth Köstinger und Margarete Schramböck dafür gleich zwei. So viel zur Abteilung „Unnützes Wissen“.

Weniger unnütz ist hingegen zu wissen, wie es heuer um den österreichischen Beitrag bestellt ist. Mit dem 19 -jährigen DJ LUM!X, bürgerlich Luca Michlmayr, und der 18-jährigen Pia Maria schickt die Alpenrepublik die bis dato jüngsten Teilnehmer:innen ever ins Rennen. Der von den beiden performte Song „Halo“ ist wiederum wohl der schnellste, den man hierzulande je beim Wettsingen eingereicht hat. Das hat ja auch einen Grund, der Titel soll motivieren, das Leben wieder in vollen Zügen zu genießen. Im Interview mit BuzzFeed Austria hat Sängerin Pia Maria zu Protokoll gegeben: „Wir wollen nach den zwei Jahren, in denen wirklich jede:r durch eine schwierige Zeit gegangen ist, die Leute ermutigen: Hey, macht was aus dieser Situation. Jetzt könnt ihr wieder rausgehen, habt Spaß, lebt.“

Laut Wettquoten verfehlen LUM!X und Pia Maria den Einzug ins Finale

Während die Ambitionen groß sind und sich die beiden Noch-Teeanager:innen in der Öffentlichkeit abgebrüht geben, stehen die Chancen, tatsächlich ins Finale zu kommen, eher auf wackligen Beinen. Um Bundespräsident Alexander Van der Bellen vor seiner Wahl in die Hofburg zu zitieren: „Es wird arschknapp“. Denn um an der großen Finalshow am Samstag teilnehmen zu dürfen, müssen sie beim Halbfinale in die Top Ten gelangen. Und da sehen die Buchmacher:innen das Duo derzeit knapp hinter der Schweiz - auf Platz elf. Nachdem mit dem armenischen Beitrag der 17. und letzte des Abends gelaufen sein wird, wird also das große Zittern losgehen.

Der Letzte, der die Halbfinalshow meistern konnte, war Cesar Sampson, er konnte schließlich auch den hervorragenden dritten Platz belegen. Wäre es nur nach den Jury-Wertungen gegangen, hätte er gar gewonnen. Hätte, hätte, Fahrradkette. Paenda und Vincent Bueno scheiterten 2019 beziehungsweise 2021 klar im Halbfinale - einmal gut, aber nicht massenkompatibel, das andere Mal viel zu bieder.

Pia Marias Gesang war bei einigen Pre-Parties ein wenig schief

LUM!X und Pia Maria sind schon eine Weile zur Vorbereitung in Turin. Pia Marias Gesang war bei einigen Pre-Parties ein wenig schief, was auch daran liegen könnte, dass sie noch vor ein paar Wochen mit COVID-19 darnieder lag und sich ihre Stimme davon erholen musste. Nervosität ist auch ein nicht zu unterschätzender Faktor, vor allem für eine 18-Jährige. Abgesehen davon, dass „Halo“ tatsächlich schwer zu singen ist. Und: Zum Mitsingen entschieden zu viel Text hat. Andererseits hat letztes Jahr die italienische Rock-Band Måneskin mit dem Song „Zitti e buoni“, auf Deutsch „Leise und brav“, den Sieg für sich entscheiden können. Der ist ja auch alles andere als zum Mitträllern geeignet.

An der Spitze sehen die Buchmacher:innen die Ukraine

Was die Wettquoten anbelangt, so gibt es eine Überraschung, allerdings ohnehin schon seit Wochen. Spitzenreiter ist nämlich das Kalush Orechestra aus der Ukraine, ausgerechnet dem Land, das seit über zwei Monaten Opfer des von Wladimir Putin losgetretene Angriffskriegs Russlands ist. „Stefania“ ist in der Tat ein interessanter Song, irgendwo zwischen Dub, Hip-Hop und ukrainischer Folklore, inklusive massivem Geflöte und unfassbar schnellem Rap. Dass die Zustimmung, die der Band und dem Titel widerfährt, politisch motiviert ist, liegt auf der Hand. Allein an der Qualität des Songs kann es nicht liegen, wie gesagt, der Track ist gut, aber kein klassisches Song-Contest-Lied, dem man unter normalen Umständen große Chancen auf den Sieg zuschreiben würde.

Eigentlich kann man dem Kalush Orchestra nur wünschen, dass es seinen Auftritt gehörig versemmelt. Denn sollte die Formation tatsächlich den Sieg beim Eurovision Son Contest davon tragen können, wäre ihrem Land, der Ukraine, damit ein Bärendienst erwiesen. Schließlich muss dasjenige Land, das gewonnen hat, im Jahr darauf die Veranstaltung ausrichten. Selbst wenn der Krieg bis dahin, mit welchem Ausgang auch immer, beendet sein sollte, die Infrastruktur wäre komplett zerstört, es wäre nach wie vor alles andere als sicher. Von den Kosten, die ein solches Unterfangen verursacht, ganz zu schweigen. Will man der Ukraine helfen oder ein Zeichen setzen, so gibt es andere Wege. Lieber für ein anderes Land stimmen, das macht dich nicht zu einem schlechteren Menschen.

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