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Falco war Österreichs einziger internationaler Pop-Star, wird heute aber überbewertet

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Von: Christian Kisler

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Montage: Falco bei Auftritten 1986 und 1985
Falco war Mitte der 1980er Jahre einer der größten Popstars seiner Zeit. © Brill/Ullstein Bild/Martin Athenstaedt/EPA/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Falco wäre am 19. Februar 65 geworden, kurz davor, am 6., jährt sich sein Todestag. Sein ehemaliges Label schießt dazu eine weitere Best-of-Compilation raus. Bleibt die Frage: Wie wichtig ist Falco heute noch?

Von nun an ging es bergab, und das wusste Falco selbst ganz genau. Als sein Song „Rock Me Amadeus“ im März 1986 auf Platz 1 der US-amerikanischen Charts landete, feierte sein ganzes Team ausgelassen den Erfolg. Nur Falco saß Zeitzeug:innen zufolge betrübt im Eck und grübelte. Mit dem Erreichen der Spitze der US-Charts war er am Gipfel seines Erfolges, höher konnte er nicht hinaus. Im Gegenteil.

Mit „Vienna Calling“ sowie der damals skandalisierten und bis heute mehr als fragwürdige Entführungsfantasie „Jeanny“ konnte er nur im deutschsprachigen Raum so richtig punkten. Seine Weltkarriere sabotierte Falco schließlich selbst, zu sehr plagte in Heimweh. Eine bevorstehende USA-Tournee sagte er kurzerhand ab. Dabei passte eine Zeile aus „Rock Me Amadeus“ doch so trefflich zu Falco: „Er war Superstar, er war so populär.“

Ein Superstar war Falco nur in Österreich

Ein Superstar war Falco ab Ende der 1980er nur noch in Österreich, sein Pulver hatte er längst verschossen. Spätere Songs wie „Data de Groove“ oder „Titanic“ waren eher Angriffe auf den Gehörsinn und bescherten Falco auch nicht mehr die Erfolge wie einst. Ein umjubeltes Konzert auf der Donauinsel 1993 wurde wegen Regen und Gewitter unterbrochen, fortgesetzt und dann gänzlich abgebrochen.

Unter dem neuen, doch sehr bemühten Pseudonym T>>MA versuchte er sich an Techno-Pop und sorgte mit dem doppelbödigen „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“ zumindest für ein bisschen Aufsehen. 1998 verunglückt Falco bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik tödlich, woraufhin er nach seinem Ableben noch einmal die österreichischen Charts enterte. „In Wien musst erst sterben, damit sie dich hochleben lassen. Aber dann lebst lang.“ Das Zitat stammt zwar von Helmut Qualtinger, wird aber oft fälschlicherweise Falco zugeschrieben. Das trifft es aber auch ganz gut.

Falco wird auf ein Podest gehoben, auf das er nicht gehört

Seitdem wird versucht, Falco auf ein Podest zu heben, auf das er nicht gehört. Sicher, er war bestimmt mehr als „nur“ ein weiterer Austropop-Künstler. Schon allein sein kreativer Umgang mit Sprache, sein Mix aus Deutsch und Englisch, sein gelinde gesagt arrogantes Auftreten und sein an Rap angelehnter Gesang hoben ihn von seinen Mitstreiter:innen ab. Aber selbst sein größter Hit, „Rock Me Amadeus“, kommt nicht an seine frühen Gehversuche an. Ich meine gar nicht seine Zeit, als er noch als Hans Hölzel Bass in unbedeutenden Jazz-Rock-Gruppen spielte. Auch nicht, als er sich schon unter dem Namen Falco beim Rocktheater-Projekte Drahdiwaberl als Bassist verdingte und mit „Ganz Wien“ seinen ersten Hit zum Besten gab.

Interessant sind die frühen Jahre als Solo-Künstler, als er mit „Der Kommissar“ nicht nur in Österreich auf sich aufmerksam machte und als erster weißer Rapper weltweit eine Duftmarke setzte. Auch sein erstes Album „Einzelhaft“ war für seine Zeit, 1982, originell und hat als einziges der sieben zu seinen Lebzeiten veröffentlichten Alben Bestand und ist nicht schlecht gealtert.

Sind Bilderbuch Falcos Erben?

Sein Erscheinungsbild und sein hochnäsiges Auftreten waren ebenfalls einzigartig. Das muss man mögen. Und seine Schnoddrigkeit, seinen Wandel zwischen den Sprachen kann man vielleicht bei Bilderbuch ausmachen. Aber seien wir ehrlich: Auch wenn sie (noch) keinen US-Nummer-1-Hit auf ihrem Konto haben, spielen sie in einer anderen Liga. Abgesehen davon, dass die Band aus Kremsmünster Trends setzt und ihnen nicht wie Falco ab seiner mittleren Phase hinterherhechelt.

Wirklich ärgerlich sind diejenigen, die vordergründig Falcos Erbe wahren wollen und sich als musikalische Nachlassverwalter aufspielen. Seien es der Videoproduzent Rudi Dolezal oder Falcos einstiger Manager Markus Spiegel, die bis heute von den Geschichten aus der guten alten Zeit leben, seitdem aber bedeutend kleinere Brötchen backen.

Die Qualität von Falcos Musik hat stets abgenommen

Dass Falcos musikalisches Erbe weniger Substanz hat, als seine ehemaligen Weggefährten wahrhaben wollen, beweist mit „The Sound of Musik“ ein neuer Sampler, auf dem Falcos „beste“ Songs in chronologischer Reihenfolge versammelt sind. Anlass ist sein 65. Geburtstag am 19. Jänner, wenige Tage davor, am 6. Februar, jährt sich sein Todestag zum 14. Mal. Nach wenigen Titeln kann man jedenfalls getrost abbrechen, die Qualität seiner Musik nimmt umso mehr ab, desto jünger sie ist. 20 Sekunden mehr vom Song „Data de Groove“ braucht zudem niemand. „Der Kommissar“ ist zwar immer noch geil, das ist aber so manch anderer Oldie auch.

Falco selbst war mit fortschreitendem Alter immer schlechter beraten, sein Riecher dafür, was angesagt ist oder sein wird, hat ihn verlassen. Ich sage bestimmt nichts Schlechtes über die Person Falco/Hans Hölzel. Sehr wohl aber über jene, die ihn nicht ruhen lassen wollen und sich an seinen altern Hadern bereichern wollen. Vieles von Falcos Musik ist Schnee von gestern. Und der ist bekanntlich heute schon geschmolzen.

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