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Wegen eines Azteken-Federschmucks schleusten Aktivist:innen gefälschte Audioguides ins Weltmuseum

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Von: Christian Kisler

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Die Federkrone Moctezumas im Weltmusuem Wien
Die Federkrone Moctezumas, auch als Azteken-Federschmuck bekannt, im Weltmusuem Wien ist wieder einmal Gegenstand internationalen Interesses. © Hand Klaus Teicht/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Österreich weigert sich seit gefühlten Ewigkeiten, den im Weltmuseum Wien ausgestellten Azteken-Federschmuck an Mexiko zurückzugeben. Mexikanische Aktivist:innen haben deshalb Audioguides ausgetauscht. Was ist da passiert?

Sie ist in der Tat prächtig. Die Federkrone Moctezumas, auch als Azteken-Federschmuck bekannt, rund 500 Jahre alt und wie der Name vermuten lässt, zusammengesetzt aus bunt schillernden Federn verschiedener Vogelarten. Dazu kommen noch einige Goldplättchen, Lederbänder und einiges mehr. Dass sie tatsächlich Moctezuma II., dem vorletzten Aztekenherrscher, gehörte, ist heute ziemlich unwahrscheinlich, eher ist sie von einem hoch gestellten Priester getragen worden. Gesichert ist, dass sie aus dem Gebiet des heutigen Mexiko stammt, Ende des 16. Jahrhunderts über Umwege in Mitteleuropa landete und im Inventar der Kuriositätensammlung des Erzherzogs Ferdinand von Tirol erstmals beschrieben wurde. Seitdem hat sie den Boden des späteren Österreichs nicht mehr verlassen.

Mexiko fordert die Federkrone Moctezumas in regelmäßigen Abständen zurück

Nicht ganz unverständlich also, dass es zur mexikanischen Kulturpolitik gehört, die Federkrone Moctezumas in regelmäßigen Abständen zurückzufordern. Und genauso oft auf taube Ohren seitens des österreichischen Gegenparts zu stoßen. Zwar ist der Federschmuck nicht mehr original, wurde er doch 1878 nach Schädlingsbefall restauriert. Dennoch ist es heute gang und gäbe, Kulturgüter, aber auch menschliche Überreste zurückzuerstatten.

Zuletzt sind erst Schädel an Hawaii übergeben worden. Der Fall der aztekischen Federkrone ist ein wenig komplizierter. Tatsächlich argumentieren die Stadt Wien und der Staat Österreich damit, dass das wertvolle Artefakt einen Transport nach Mexiko nicht unbeschadet überstehen würde. Zu dem Schluss kamen auch mexikanische Expert:innen. Nicht umsonst wird es im Weltmuseum Wien in einer stoßfesten Vitrine ausgestellt. Und natürlich will man sich ungern davon trennen, ist es doch eine der Hauptattraktionen und ein ziemlicher Publikumsmagnet.

Ins Weltmuseum Wien wurden rund 50 gefälschte Audioguides geschleust

Genau da hat eine Guerilla-Aktion zweier mexikanischer Filmemacher angesetzt. Yosu Arangüena und Sebastian Arrechedera reisten dafür nach Wien und hatten einen ausgetüftelten Plan im Gepäck. Immer wieder besuchten sie und Helfer:innen aller erdenklichen Nationen das Weltmuseum, liehen sich einen Audioguide aus - und gaben beim Ausgang zusätzlich einen von ihnen selbst bespielten zurück. Zugute kam ihnen, dass im Weltmuseum die Menge der Geräte nicht gezählt werden. Selbstverständlich handelte es sich um Modelle des gleichen Herstellers. Schließlich gelang es ihnen, rund 50 Audioguides in das Museum zu schmuggeln. Die Beschreibungen zu sämtlichen Exponaten blieb unverändert, nur jene der Federkrone Moctezumas wurde ausgetauscht.

Auf der gefälschten Aufnahme spricht Xokonoschtletl Gomora, Aktivist, Neoschamane und Anführer einer mexikanischen indigenen Bewegung, der sich den Azteken zugehörig fühlt. Er widmet sich seit Jahrzehnten dem Kampf um die Rückführung kultureller Artefakte, die seinem Empfinden nach seinem Volk geraubt wurden. Was nicht zuletzt im Falle von Moctezumas Federkrone tatsächlich nicht unwahrscheinlich ist. „Willkommen zum Audioguide der Wahrheit. Die Geschichte erzählt von den Erb:innen derjenigen, die unter der europäischen Invasion gelitten haben. Mein Name ist Xokonoschetlet Gomora, ich stamme von den Azteken ab und habe mein Leben dem Ziel gewidmet, die heilige Krone unseres Kaisers Moctezuma in unser Land zurückzubringen“, ist auf Spanisch, Englisch und Deutsch zu hören.

Das Weltmuseum Wien erfuhr von der Aktion aus einer spanischen Zeitung

Die Aktion war insofern ein voller Erfolg, als die Debatte um die Restitution im Weltmuseum Wien ausgestellter Stücke wieder einmal angefacht wird. So wurden auch der SPÖ-Nationalratsabgeordneten Petra Bayr die Aufnahmen vorgespielt, worauf diese einen Entschließungsantrag im Parlament einbrachte. Dabei soll der Nationalrat die Bundesregierung auffordern, „zu überprüfen, ob neue technologische Fortschritte eine Revision des über zehn Jahre alten Gutachtens notwendig und damit einen Transport der Federkrone möglich machen“.

Witziges Detail am Rande: Das Weltmuseum Wien bekam von der Aktion ursprünglich nichts mit, weswegen sich schwer sagen lässt, wie viele Menschen Xokonoschetlet Gomoras Botschaft gehört haben. Das Museum erfuhr davon erst, nachdem die spanische Zeitung „El Confidencial“ in einem Artikel darüber berichtete und von „genialen Mexikanern“, die sich ein in Wiener Museum „hackten“. Das Weltmuseum Wien reagiert relativ gelassen und freut sich über die Diskussion, die in Gang getreten wurde - und über Gratis-Werbung. Denn wer weiß, wie lange die Federkrone Moctezumas noch in Wien zu sehen sein wird. Dann gilt es, noch schnell hin zu pilgern. Die Audioguides sind aber inzwischen wohl wieder ausgetauscht.

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