1. BuzzFeed.at
  2. Buzz
  3. Popkultur

Frequency: Alles über das FM4-Festival

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christian Kisler

Kommentare

Ob Wien, Salzburg oder St. Pölten: Das FM4 Frequency ist seit 20 Jahren DER Klassiker unter den Festivals in Österreich.

Große Aufregung bereits bei der dritten Auflage des FM4 Frequency Festivals. Neben den Indie- und Alternative-Held:innen der damaligen Saison bucht das Veranstalter:innen-Team um Harry Jenner für den 15. August 2003 keine Geringeren als die Metal-Giganten Metallica als Headliner. Quasi ein Sündenfall, unterscheiden sich Indie-Kids von Metal-Fans doch in den frühen Nuller-Jahren nicht nur im Aussehen. Dass direkt davor auf der gleichen Bühne eine Band wie Placebo spielen sollte, die androgynes Auftreten in Alternative-Kreisen erst salonfähig gemacht hat, sorgt nicht unbedingt für Entspannung.

Vielfalt beim FM4 Frequency Festival

Angekündigte Revolutionen finden aber bekanntlich nicht statt, passiert ist auf dem Frequency damals nichts. Gelernt haben Harry Jenner und seine Mitstreiter:innen aber sehr wohl daraus. Nämlich, dass ein Festival dieser Art bei aller Vielfalt aus reinen Geldgründen nicht wahllos Bands buchen kann. Dass man auch anders kann, hat das Festival-Team in den Jahren davor und danach zur Genüge bewiesen.

Besucher:innen vor der Hauptbühne auf dem bis dato letzten Frequency Festival 2019 in St. Pölten.
Besucher:innen vor der Hauptbühne auf dem FM4 Frequency Festival 2019 in St. Pölten. Das Wetter wie so oft eher durchwachsen. © Herbert P. Oczeret/dpa-Bildfunk

Nicht nur Künstler:innen aus dem ohnehin schon sehr weit gefassten Indie- und Alternative-Kosmos haben sich im Laufe der mittlerweile zwei Jahrzehnte auf den Frequency-Bühnen ein Stelldichein gegeben. Vertreter:innen von Hip-Hop, elektronischer Musik und schließlich doch auch der leicht härteren Gangart sollten ebenso im stets größer werdenden Line-up Platz finden. Eben das, was zumindest noch in den Anfangstagen der Veranstaltung als „FM4-Musik“ bezeichnet wird.

Premiere des Frequency Festivals in Wien

Die Anfänge des FM4 Frequency Festivals nehmen sich eher bescheiden aus. Ausgetragen wird es am 8. und 9. Juni 2001 auf dem damaligen Open-Air-Gelände der Wiener Arena, noch mit dem Untertitel „Vienna City Festival“ versehen. Aufgeteilt sind die beiden Tage in einen Gitarren-lastigen und in einen hip-hoppigeren Part. Bei nicht ganz so tollem Wetter geben heute längst nicht mehr aktive Bands wie Blumfeld oder „Eins, Zwo“ ihr Liedgut zum Besten.

Überhaupt das Wetter: Beim Frequency holt man sich je nach Wetterlage entweder einen Sonnenbrand oder waschelnasses Gewand. So gut kann man sich gar nicht darauf vorbereiten, auch nicht auf den unvermeidlichen Kater. Aber das gehört zum wahren Festival-Feeling dazu, genauso wie Übernachten im Zelt, Bier in Plastikbechern zu unverschämten Preisen und das Schmusen mit Fremden. Traditionell findet das Frequency seit 2003 Mitte/Ende August statt, also im ausklingenden Hochsommer.

Salzburg begrüßt das Frequency

Doch halt, war da nicht noch was? Etwas Essenzielles? Aber freilich, die Musik und ihre Präsentation spielen beim FM4 Frequency Festival eine nicht unwesentliche Rolle. Der Auftakt in Wien war dabei nur ein einmaliges Gastspiel in der Bundeshauptstadt. Ab 2002 übersiedelt der Festival-Tross an den Salzburgring, wo bedeutend mehr Platz für Bühne und Zuschauer:innen vorhanden ist. Was größere Bands und mehr Besucher:innen inklusive mehr Campingplätze zur Folge hat.

Dass Salzburg innerhalb Österreichs relativ zentral und nah an der deutschen Grenze liegt und die landschaftlichen Reize auch nicht zu verachten sind, hat zur Auswahl des Standorts sicher beigetragen. Im ersten Jahr pilgern pro Tag etwa 10.000 Menschen zu Bands wie den Ärzten oder Sonic Youth. Im Jahr darauf, dem unrühmlichen Metallica-Jahr, kann die Anzahl verkaufter Tickets bereits verdoppelt werden.

Brückeneinsturz beim Festival

In den folgenden Jahren wird das Festival-Gelände vergrößert, aus der Zeltbühne wird eine befestigte. Kritik wird 2005 laut, als viele Besucher:innen das Gefühl haben, zu viele Personen seien eingelassen worden. Zu allem Überdruss stürzt eine vom Salzburgring wegführende Brücke ein, 30 Menschen werden dabei verletzt, elf müssen ins Spital. Dass nicht mehr passiert und keine Massenpanik ausbricht, ist wohl auch der Tatsache geschuldet, dass Österreichisches Rotes Kreuz, Security und Feuerwehr sofort am Unfallort sind.

Dem Image als gut organisiertes und in seiner Größenordnung in Österreich lange alleine stehendes Festival tut dies keinen Abbruch. Konkurrenz gibt es zu diesem Zeitpunkt bestenfalls in Wiesen mit den Schienen Forestglade und Two Days a Week. Diese bewegen sich aber in kleineren, wesentlich familiäreren Dimensionen. Das FM4 Frequency breitet sich derweil immer weiter aus. Es findet nicht mehr an zwei, sondern an drei Tagen statt und kann mit Größen wie Radiohead, R.E.M., Billie Eilish, The Cure, den Foo Fighters, Gorrilaz oder Kendrick Lamar aufwarten. Gern gesehene Gäste sind die auch durch ihre einander wenig mögenden Fans auffallenden Bands Die Ärzte und Die Toten Hosen.

Frequency Festival immer ausverkauft

Heimischen Überflieger:innen wie Wanda oder Bilderbuch wird auch eine entsprechend große Bühne geboten. Nachwuchsförderung wird auf den kleineren Stages und/oder zu früheren Beginnzeiten ebenfalls betrieben. Bisweilen finden bis zu 65.000 Tickets ihre Abnehmer:innen, ausverkauft ist das Festival sowieso immer. In manchen Jahren gibt man sich besonders größenwahnsinnig und streckt das Frequency auf vier Tage. Karten bekommt man auch dafür irgendwann nur noch über den Schwarzmarkt, weil alle offiziellen wieder weg sind.

Seit 2009 pilgern Frequency-Fans nicht mehr zum Salzburgring, sondern zum Gelände des ehemaligen Nuke-Festivals am VAZ St. Pölten in Niederösterreich. Hier lässt sich vor, zwischen oder nach den Konzerten in der nahe gelegenen Traisen baden, auch nicht schlecht. Schon eher schlecht: 2020 und 2021 musste das FM4 Frequency Festival wie so viele Veranstaltungen aufgrund der COVID-19-Pandemie abgesagt werden. Einen Lichtblick gibt es allerdings: 2022 sollen wieder Musik und Zusammensein gefeiert werden können. Wenn alles gut geht, strömen von 18. bis 20. 2022 August wieder jede Menge Menschen ins VAZ St. Pölten. Bestimmt nicht zum letzten Mal, um dem FM4 Frequency Festival beizuwohnen.

Auch interessant

Kommentare