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Hunderte Radio-Sender spielen „Give Peace a Chance“ gleichzeitig - genau, was du jetzt brauchst

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Von: Christian Kisler

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Montage: Demonstrant:innen halten ein Schild mit der Aufschrift „Give Peace a Chance“ hoch; John Lennon mit Gitarre bei einem Konzert 1969
John Lennons „Give Peace a Chance“ wird auch bei Demonstrationen gegen den Krieg in der Ukraine verwendet. © Filip Radwanski/IMAGO/AFP/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Europaweit haben hunderte Radiosender zur gleichen Zeit den gleichen Song gespielt: „Give Peace a Chance“. Das Lied hast du vielleicht schon x-mal gehört, genau jetzt ist es aber das richtige.

Immer neue beunruhigende, ja schreckliche Nachrichten aus der von Russland angegriffenen Ukraine tauchen in deinem News-Feed auf und schlagen noch auf das robusteste Gemüt. Wem das nicht nahe geht, hat ein Herz aus Stein. Und dann kommt ein eigentlich uralter Song, der naiver kaum sein könnte, und trifft dich genau dort: im Herzen nämlich. „Give Peace a Chance“ war 1969 John Lennons erste Solo-Single, zu einem Zeitpunkt, als er noch Teil der Beatles war. Offiziell wurde der Titel unter dem Namen John Lennon & Yoko Ono with The Plastic Ono Band veröffentlicht. Geschrieben hatte ihn Lennon in einem Hotelzimmer in Montreal, Kanada, als er in den Flitterwochen mit seiner frisch angetrauten Frau Yoko Ono ein sogenanntes Bed-in veranstaltete. Eine Form des gewaltfreien Protests gegen den damals wütenden Vietnam-Krieg, bei dem das Paar Plakate wie auf einer Demonstration hochhielt, dabei die Presse in Pyjamas im Bett empfing.

„Give Peace a Chance“ wurde im Hotelzimmer aufgenommen

Der Titel kam zustande, als Lennon von einem Reporter gefragt wurde, was er damit erreichen wolle. Lennons Antwort: „Just give peace a chance“, also „Gebt dem Frieden eine Chance“. Wie das Lied aufgenommen wurde, direkt im Hotelzimmer, ist heftigste Hippie-Romantik: Am letzten Tag des Bed-ins ließ sich Lennon ein Aufnahmegerät ins Zimmer bringen. Dort wurde der Song unter Beteiligung aller Anwesenden eingespielt, darunter der Autor Allen Ginsberg, Psychologe und LSD-Guru Timothy Leary, Journalist Derek Taylor und Sängerin Petula Clark. John Lennon saß tatsächlich mit seiner Gitarre neben Yoko auf dem Bett und sang, derweil tanzten Mitglieder des kanadischen Radha-Krishna-Tempels durch das Zimmer. Hätte es damals bereits YouTube gegeben, das Video wäre sofort viral gegangen. So dauerte es ein Monat, bis die Single in den Handel gelangte.

Seit über 50 Jahren wird das Lied immer wieder bei Friedensdemonstrationen gesungen. Allein in Washington, D.C. wurde der Song im November 1969 bei einer Kundgebung gegen den Krieg in Vietnam von einer halben Million Menschen angestimmt. Aber nicht nur gegen den Vietnamkrieg, sondern eben aktuell gegen den russischen Überfall auf die Ukraine findet der über 50 Jahre alte Titel Gehör. Hunderte Radiosender in Europa haben am 4. März als Zeichen der Solidarität um 8.45 in der Früh den Song gleichzeitig gespielt. Für Österreich waren alle Stationen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, also Ö1, Ö3, FM4 und die neun ORF-Regionalradios dabei. Daneben haben daran unter anderen auch Sender aus der Ukraine, den Niederlanden, der Schweiz, aus Luxemburg, Belgien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Serbien, Georgien, Island, Spanien, Lettland, Finnland und vielen anderen teilgenommen. Die Initiative ist dabei vom deutschen Sender Radio Eins des RBB ausgegangen.

Von „Give Peace a Chance“ kennen die meisten nur den Refrain

Vom Text ist den meisten wohl nur der Refrain in Erinnerung geblieben, der wird ja auch endlos wiederholt und eignet sich hervorragend für gemeinsamen Singsang. Mehr noch, viele sind jetzt wohl erstaunt: Wie, da gibt es Strophen? Yep, in denen zählt Lennon in einer Art Sprechgesang alle möglichen Dinge auf, über die seiner Meinung nach alle reden, die aber eigentlich wenig bis gar nichts miteinander zu tun haben. Hauptsache, es reimt sich. Im Gedächtnis geblieben ist letztlich die Botschaft des Songs, und die ist bereits im Titel vorhanden: „Give Peace a Chance“. Mehr kann man in Zeiten wie diesen nicht verlangen.

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