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Die Golden Globe Awards 2022 waren still und ohne Stars - nicht ohne Grund

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Von: Christian Kisler

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Der Live-Ticker der Golden-Globes-Verleihung 2022 auf einem Computer-Bildschirm, davor ein Handy, auf dem das ebenfalls zu sehen ist.
Die Verleihung der Golden Globes 2022 konnte nur via Live-Ticker auf Sozialen Netzwerken verfolgt werden. © Chris Delmas/AFP/APA-Picture-Desk

Keine TV-Übertragung, kein Live-Stream, nur ein Ticker auf Twitter und Co. Die Golden Globes 2022 waren anders, sie wurden bereits im Vorfeld heftig kritisiert und boykottiert. Wieso, weshalb, warum?

Der Auftritt war eigenartig. Am 13. Dezember 2021 betrat Helen Hoehne die Bühne des Ballsaals im Beverly Hilton Hotel in Beverly Hills, Kalifornien, USA, um die Nominierten für die Verleihung des 70. Golden Globes bekannt zu geben. Das allein war noch weniger merkwürdig, ist die deutsch-amerikanische Journalistin doch Präsidentin der Hollywood Foreign Press Association, also des Auslandspresseverbands Hollywoods. Der verleiht seit 1944 die Golden Globes, die nach den Oscars zweitwichtigste Auszeichnung der Filmbranche, seit 1956 werden auch TV-Serien und -Filme prämiert.

Snoop Dogg präsentiert die Nominierten für die Golden Globes

Wesentlich denkwürdiger, wer sich zu Hoehne auf die Bühne gesellte: Rapper Snoop Dogg, Schutzpatron aller Kiffer:innen auf diesem Planeten. Insofern seltsam, merk- und denkwürdig, als die Golden Globes im Vorfeld mit einigen Skandalen zu kämpfen hatten. Einer davon: mangelnde Diversität. Wobei von Mangel gar keine Rede sein kann, vielmehr von einem kompletten Fehlen von People of Color in der Jury.

Woraufhin das Gremium eilig von 97 auf 103 Posten aufgestockt wurde und nun sechs schwarze Mitglieder aufweisen kann. Auch der Vorstand wurde ausgetauscht. Demonstrativ Snoop Dogg auf die Bühne zu stellen, war wohl ein bisschen zu viel des Guten. Die Scherben konnten auch so nicht gekittet werden.

Der Diversitätsmangel bei der Golden-Globes-Jury sorgte für helle Aufregung

Nachdem die „Los Angeles Times“ im Februar 2021 den Diversitätsmangel ans Tageslicht gebracht hatte, war die Aufregung in Hollywood groß. Nicht nur das. Allgemein stand der Vorwurf der Bestechlichkeit im Raum. Wenn Journalist:innen Zugang zum Filmset gewährt wird, werden diese als Teil des Gremiums wohl auch gnädiger abstimmen.

Zumal hochpreisige Geschenke wie etwa Hotel-Aufenthalte und Restaurantbesuche an der Tagesordnung standen. Bei jährlichen Bezügen von etwa einer Million Dollar für jedes Mitglied waren und sind Plätze innerhalb der Hollywood Foreign Press Association sehr begehrt. Intransparent ist allerdings, wie man überhaupt in den Genuss kommt, Teil des Verbandes zu werden und über die Golden Globes abzustimmen.

Freunderlwirtschaft im Golden-Globes-Gremium

Einige Mitglieder sind gar keine Journalist:innen, dafür werden namhafte Vertreter:innen dieser Zunft, wie etwa der renommierten Tageszeitungen „The Times“ oder „Le Monde“ abgelehnt. Wiederum leben manche weder in noch stammen sie aus dem Land, das sie repräsentieren. Tatsächlich kann nur beitreten, wer von zwei Mitgliedern vorgeschlagen wird. Riecht nach Freunderlwirtschaft? Ist es auch!

Stars wie Scarlett Johannsson sprachen darüber hinaus von sexistischem Verhalten einzelner Jury-Mitglieder ihr gegenüber. Tom Cruise gab seine bis dahin gewonnen Golden-Globe-Trophäen wieder zurück, drei waren es gewesen. Nahezu die gesamte Riege an Schauspieler:innen, Regisseur:innen, Produzent:innen und was sich sonst so in Hollywoods Filmszene tummelt, verkündete einen Boykott zukünftiger Verleihungen. Dass gerade die COVID-19-Pandemie wütet, hat wohl einigen die Entscheidung erleichtert, fernzubleiben.

Kein roter Teppich, keine Stars bei den Golden Globes

Fand schon die letztjährige Golden-Globes-Zeremonie in abgespeckter Form statt, wurde jetzt noch einmal einen Gang zurückgeschaltet. Es gab keine TV-Übertragung, keinen Live-Stream. Es gab keinen roten Teppich, keine Stars im Ballsaal, nicht einmal per Videobotschaft zugeschaltet.

Lediglich Arnold Schwarzenegger und Jamie Lee Curtis meldeten sich mit voraufgezeichneten Einspielungen zu Wort. Ersterer bedankte sich bei der Hollywood Foreign Press Association, dass diese ihn als erste überhaupt 1977 gewürdigt hatte. Und Letztere hob die karitativen Aktionen des Verbands hervor, die dieser weitgehend im Verborgenen abwickelte. Sollte man zwecks Imagekorrektur vielleicht ein wenig in den Vordergrund stellen.

Wer die Verleihung in irgendeiner Form verfolgen wollte, konnte dies in einem Live-Feed auf Sozialen Netzwerken wie Twitter, Instagram und Facebook tun.

Gewinner:innen der Golden Globes als Gradmesser für die Oscars

Gewinner:innen und Ausgezeichnete gab es natürlich nichtsdestotrotz auch 2022. Und die Entscheidungen der Hollywood Foreign Press Association für die Golden Globes gelten ja immer ein bisschen als Gradmesser für die kommenden Oscars.

Der Neo-Western „The Power of the Dog“ konnte die Preise für bestes Drama, beste Regie - Jane Campion - und den besten Nebendarsteller - Kodi Smit-McPhee - davontragen. Als beste Komödie/Musical wurde das „West Side Story“-Remake von Steven Spielberg ausgezeichnet. Außerdem konnte der Film die Awards für die Haupt- und Nebendarstellerinnen Rachel Zegler und Ariana DeBose für sich beanspruchen, jeweils Komödie/Musical.

Golden Globes für alte Hasen

Alte Hasen wie Will Smith und Nicole Kidman wiederum gewannen die Preise für besten Schauspieler und beste Schauspielerin in einem Drama für ihre Leistungen in „King Richard“ beziehungsweise „Being the Ricardos“. Drei Preise konnte die Serie „Succession“ davontragen: einmal als beste Drama-Serie, einmal für den besten Serien-Hauptdarsteller, Jeremy Strong, und einmal für die beste Serien-Nebendarstellerin, Sarah Snook.

Unter den gefühlt 187 Kategorien seien noch drei herausgepickt: Im Alter von 77 Jahren wurde O Yeong-su für seine Rolle in „Squid Game“ ausgezeichnet, den Golden Globe für den besten Filmsong erhielten Billie Eilish und ihr Bruder Finneas für „No Time to Die“, den Titeltrack für den gleichnamigen James-Bond-Film. Und als bester fremdsprachiger Film wurde letztlich Ryūsuke Hamaguchis Haruki-Murakami-Verfilmung „Drive My Car“ prämiert. Das geht schwer in Ordnung, vielleicht bewegen sich die Hollywood Foreign Press Association und Golden Globes in Zukunft in die richtige Richtung.

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