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„Der Kuss“: Das Belvedere bleibt auf Klimt-NFTs mit Wertverlust sitzen

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Von: Christian Kisler

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Besucher:innen fotografieren Gustavs Klimts Jugendstil-Gemälde „Der Kuss“ im Belvedere
Gustav Klimts „Der Kuss“ ist als NFT kein großer Renner. © Xinhua/Eyevine/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Gustav Klimts „Der Kuss“ ist eines der bekanntesten und wertvollsten Werke der Welt. Als NFT erfreut er sich nicht ganz so großer Beliebtheit, wie das Belvedere erkennen musste.

Es gibt wahrscheinlich keinen Gegenstand, der noch nicht mit einem Abbild von Gustav Klimts Gemälde „Der Kuss“ bedruckt worden ist, legal oder nicht. Das fängt bei Postkarten und Postern an und hört bei Servietten, Tellern, T-Shirts und Tapeten noch lange nicht auf. Mit Klimts bekanntesten Werk, überhaupt eines der bedeutendsten des Jugendstils, lässt sich jedenfalls gut Geld machen, in welcher Form auch immer. Jahr für Jahr pilgern weit mehr als eine Million Menschen ins Belvedere in Wien, um bei der Gelegenheit auch dem „Kuss“ einen Besuch abzustatten. Und im Geschenkeshop ihr Geld zu lassen, um ein mit einem Druck des Gemäldes versehenes Andenken zu erwerben.

Das Belvedere brachte im Februar 10.000 NFT-Schnippsel von Klimts „Kuss“ auf den Markt

„Der Kuss“ ist für das Belvedere, ein Bundesmuseum und damit im Besitz der Republik Österreich, jedenfalls eine wichtige Einnahmequelle. Nicht zuletzt deshalb hat man beschlossen, neue Möglichkeiten zu erschließen, um das goldene Gemälde zu Geld zu machen. NFT, kurz für  „Non-Fungible Token“, also „nicht austauschbare Wertmarke“, war das Zauberwort. Im Februar wurden 10.000 digitale Schnipsel auf den Markt gebracht, alle über eine Blockchain zu haben und selbstverständlich einzigartig. Kostenpunkt pro NFT-Klimt: je 1.850 Euro. Dafür können Besitzer:innen das digitale Teilstück in virtuellen Räumen ausstellen, ausdrucken und weiterverkaufen. Rechte am Original erwerben sie damit nicht.

Eine weitere Goldgrube, sollte man meinen, wo doch schon Krapfen zu NFTs werden und die erste SMS der Welt als NFT versteigert wird. Doch wie heißt es so schön: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Wie sich nun herausgestellt hat, wurden von den 10.000 aufgelegten bisher lediglich 2.415 Stück verkauft, also rund ein Viertel. Wobei manche der digitalen Schnippsel einen massiven Wertverlust erlitten haben. Immerhin hat das Belvedere bisher 4,4 Millionen Euro einnehmen können. Weiterverkauft wurden auf dem sogenannten Sekundärmarkt allerdings lediglich 130 Non-Fungible Tokens, wie gesagt, zum Teil weit unter dem ursprünglichen Verkaufswert.

Der Wiederverkaufswert von Klimts NFT-„Kuss“ ist im Schnitt um 12 Prozent gesunken

Wolfgang Bergmann, der kaufmännische Direktor des Belvedere, beschwichtigt gegenüber der APA: „Solange der Primärmarkt nicht ausverkauft ist, ist eine Preissteigerung auf dem Sekundärmarkt auch nicht zu erwarten.“ Dabei ist der Preis nicht einmal annähernd gleich geblieben, der Wiederverkaufswert ist im Schnitt um 12 Prozent gesunken. Der niedrigste Preis lag laut der Plattform „Open Sea“ bei 954 Euro. Wir erinnern uns: Der Ausgangswert beträgt 1.850 Euro. Ausreißer nach oben gibt es natürlich auch, einzelne NFTs konnten 4.500 Euro erlangen.

Warum der Wert so unterschiedlich ausfällt, erklärt Bergmann so: „Da die Bildausschnitte per Zufallsgenerator an die Käufer:innen gehen, sehen sie naturgemäß sehr unterschiedlich aus. Buntere Teile des Werks mögen manchen Käufer:innen als wertvoller erscheinen als andere Teile.“ Um den Verkauf weiter anzukurbeln, will die Werbetrommel fleißig gerührt werden. So soll in Südkorea und in den USA bei entsprechenden Konferenzen „Der Kuss“ in NFT-Form bekannt gemacht werden. In New York etwa soll das Gemälde auf den hell leuchtenden Billboards des Times Square gezeigt werden. Ob das hilft, den NFT-Verkauf zu steigern? Wir werden sehen.

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