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„Besonders geschmacklos“: Trotz des Ukraine-Kriegs findet in Tirol eine Kriegsinszenierung statt

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Von: Johannes Pressler

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Aufnahme des „Hannibal“-Events in Sölden, zu sehen eine inszenierte Explosion.
Das „Hannibal“-Event in Sölden wird seit 2001 inszeniert. © Alexander Lohmann/Ötztal Tourismus

Seit mehr als 20 Jahren wird die Alpenquerung des Feldherren Hannibal in Tirol pompös inszeniert. Aufgrund des Ukraine-Kriegs ist die Veranstaltung heuer besonders umstritten.

Es ist ein Live-Event, bei dem man schon genau hinsehen muss, ob es sich nicht um echte Kriegsszenen handelt. Mit so viel Aufwand findet in Tirol seit 2001 das „Hannibal“-Event statt. Bei dieser Inszenierung geht es um den karthagischen Heerführer Hannibal, der rund 200 Jahre vor Christus als einer der geschicktesten Kriegsstrategen auf der ganzen Welt galt. Auf dem Rettenbachferner in Sölden wird hierbei mit Hubschraubern, Pistenbullys und noch vielem mehr seine Querung über die Alpen nachgestellt. Besonders heuer wird die Veranstaltung allerdings harsch kritisiert.

Kritik an „Hannibal“-Show nichts Neues, für die Grünen „besonders geschmacklos“

Bereits in der Vergangenheit wurde das „Hannibal“-Event von Naturschützer:innen kritisiert. Grund dafür sei der aufwändige Hochbetrieb mitten im hochalpinen Gelände. Mit dem seit fast 50 Tagen andauernden Aggressionskrieg Russlands auf die Ukraine kommt nun noch ein Punkt hinzu, aufgrund dessen die nachgespielten Kriegsszenen inklusive Explosionen und Kampfszenen einen Schritt zu weit gehen. Kritik kommt hierbei sogar von hochrangigen Politiker:innen.

Die Grünen, seit 2013 gemeinsam mit der ÖVP in der Tiroler Landesregierung, waren noch nie große Fans dieser Veranstaltung, doch im heurigen Jahr sei es für Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe „besonders geschmacklos“, wie sie im ORF-Interview sagt. Dem schließt sich sogar der Bürgermeister des Austragungsorts Sölden an. Ernst Schöpf (ÖVP) finde die aufwändige Kriegsinszenierung grundsätzlich „wunderbar“, doch in Anbetracht der Kriegslage in der Ukraine sei es momentan aus der Sicht des ÖVP-Bürgermeisters „unangebracht“.

Veranstalter verteidigen die Durchführung, Termin steht fest

Finanziert wird das „Hannibal“-Event von Ötztal Tourismus, den dortigen Bergbahnen und interessanterweise vom Engergydrink-Konzern Red Bull. Der Geschäftsführer von Ötztal Tourismus, Oliver Schwarz, verteidigt die Veranstaltung des „Hannibal“-Events. Das Spektakel auf eine Kriegsdarstellung zu reduzieren, würde dem Geschäftsführer zu kurz kommen, sagt er im ORF-Interview. Die Verantwortlichen der Bergbahnen teilen die Meinung von Schwarz, die Verbindung zum Ukraine-Krieg sei „sehr, sehr weit hergeholt“.

Nach jetzigem Stand gibt es also keine Zweifel, dass man die „Hannibal“-Show trotz des Ukraine-Kriegs auch heuer durchziehen wird. Stattfinden soll das Ganze am 22. April. Bereits 2000 Karten wurden für das Event verkauft, insgesamt sollen es bis zu 5000 werden.

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