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Four to the floor: Ikea baut jetzt auch Plattenspieler

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Von: Christian Kisler

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Plattenspieler von Ikea
Ikea verkauft demnächst auch Plattenspieler. © Ikea/BuzzFeed Austria

Vom Teelicht bis zur Küche gibt es bei Ikea alles. Bald wird man auch Plattenspieler kaufen können, dank einer Kooperation mit der Swedish House Mafia.

Wandschränke ungeahnten Ausmaßes, ganze Wohnzimmer und Küchen mit sämtlichen Geräten, aber auch Schlapfen, Kerzen und Köttbullar, diese Fleischbällchen, die ich ehrlich gesagt noch nie gegessen habe. Bei Ikea bekommt man alles, wenn es um das Einrichten deines trauten Heimes geht. Während ich diesen Text tippe, sitze ich etwa an meinem Schreibtisch von Ikea. Allerdings nicht auf einem Bürosessel der schwedischen Möbelhauskette, den gibt es bestimmt. Sondern auf einem Kaffeehaussessel aus den 1950er Jahren. Mein Kreuz wird mich bald dafür verfluchen, das steht fest.

Wie auch immer, kaum jemand hat seine gesamte Wohnung, sein Haus nur mit Ikea-Gegenständen eingerichtet. Das käme auf lange Sicht nicht so billig, denn so günstig, wie sich die Kette gibt, ist sie gar nicht. Immerhin bietet man nicht nur Beistelltische für das erste WG-Zimmer an, sondern auch ganze Photovoltaikanlagen. Und die bezahlt man nicht so mir nichts, dir nichts, mit dem eigenen Taschengeld. Wenigstens muss man diese nicht selbst zusammenbauen.

Gestatten: ein Plattenspieler namens Obegränsad

Nun gibt es eine neue Serie mit dem für Ikea-typischen Namen Obegränsad. Sie besteht im Wesentlichen aus einem Sessel, einem Tisch mit Ständern für Lautsprecher und einer Art Lade für ein MIDI-Keyboard - sowie einem Plattenspieler. Das kommt nicht von ungefähr, stellt Vinyl doch seit Jahren das einzige physische Medium dar, mit dem die Musikindustrie Geld machen kann. Und das mit einem Tonträger, der seinen Höhepunkt in den 1960er, 1970er und 1980er hatte. Alles lang vorbei, hat aber vor allem gegenüber schnöden Files und Playlists einen entschiedenen Vorteil: die Optik. Das Auge isst nicht nur mit, es hört auch mit. Das Artwork, die Gestaltung einer Platte kommt erst dank Vinyl wieder so richtig zur Geltung. Eingefleischte Fans beschwören auch den weniger sterilen, wärmeren, letztlich besseren Klang.

Natürlich gibt es nicht mehr so viele Produktionsstätten wie in den 1980ern. Und wenn nicht nur kleine und bisweilen auch größere Indie-Bands ihre Musik auf Vinyl pressen lassen, sondern auch Musiker:innen wie Adele, Billie Eilish oder Harry Styles, dann wird das ein Problem. Wer allerdings Andreas Gaballier oder Helene Fischer auf Vinyl kaufen soll, entzieht sich völlig meinem Verständnis. Woran es keinesfalls mangelt, sind Abspielgeräte. Marktführer ist mit Pro-Ject tatsächlich ein österreichisches Unternehmen, genauer gesagt aus Mistelbach. Mit seinen minimalistischen, schlanken Plattenspielern setzte man einen modernen Standard. Daran orientiert sich Ikea aber überhaupt nicht. Sein Obegränsad-Turntable kommt um einiges wuchtiger als die Konkurrenz daher. Technische Details gibt es noch keine, außer, dass es offenbar Bluetooth- und USB-Verbindungen geben soll und die Gestaltung allgemein eher minimalistisch ausfällt. Besonderes Merkmal: Der Plattenteller ragt ins Freie.

Die Swedish House Mafia hat am Plattenspieler mitgearbeitet

Für die Gestaltung hat man sich mit der Swedish House Mafia zusammengetan, einem Kollektiv aus den schwedischen DJs Axwell, Steve Angello und Sebastian Ingrosso. Die konnten ihre langjährige Erfahrung einbringen und sorgten dafür, dass das Projekt Obegränsad nicht schon im Anfangsstadium absoff. Ähnliches ist Ikea 2018 nämlich bereits einmal passiert: Damals wurde vollmundig ein Plattenspieler für 2019 angekündigt, kam aber darüber nicht hinaus. Diesmal scheint es etwas zu werden. Immerhin gibt es mit der Swedish House Mafia halbwegs prominente Werbeträger, es kursieren bereits erste Fotos und mit Oktober 2022 wurde ein dermaßen naher Veröffentlichungstermin bekannt gegeben, dass ein Abbruch des Projekts einigermaßen peinlich wäre. Das kann sich ein Unternehmen wie Ikea eigentlich nicht wirklich erlauben.

„Obegränsad“ ist im Übrigen Schwedisch und bedeutet so viel wie „unbegrenzt“. Das soll auch der Zielgruppe der Kollektion entsprechen, „junge Leute mit begrenztem Budget, aber unbegrenzter Kreativität und Leidenschaft für Musik.“ So sieht es zumindest die Presseabteilung. Jedenfalls wäre es nicht der erste Versuch, sich musikalisch zu geben. Schon 1973 hatte man unter anderem im Programm: Verstärker, ganze Stereoanlagen, Pianos - und eben Plattenspieler. Nach fast einem halben Jahrhundert startet Ikea nun also einen neuen Versuch. Man darf gespannt sein, wie der klobige Plattenspieler ankommen wird - und mit wie viel er sich eigentlich zu Buche schlagen wird.

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