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20 Jahre iPod: Musik hören war früher auch anders

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Von: Christian Kisler

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IPods auf einem Glastisch
IPod Nano und IPod Shuffle © MIS/Imago

Die Ankunft des iPods veränderte nachhaltig die Art, wie wir Musik konsumieren. Vor 20 Jahren wurde das weiße Kästchen präsentiert. Doch wie haben wir davor Musik gehört?

Es war auf einmal so einfach: Plötzlich konnte man die ganze eigene Musiksammlung überallhin mitnehmen. Verantwortlich dafür: ein kleines, weißes Kästchen, nicht größer als ein Stapel „Schwarzer Peter“-Karten, und auch nicht viel schwerer. Am 23. Oktober 2001 präsentierte Apple mit dem iPod ein Gerät, mit dem mobil diverse Medien-Formate abgespielt werden konnten.

Dabei war der iPod von Anfang an mehr als „nur“ ein MP3-Player. Neben der erfolgreichsten Form zum Speichern und Wiedergeben von Audiodateien konnte Apples kleine Kiste auch AAC, AIFF, WAV, Apple Lossless, Protected AAC und das Hörbuchformat Audible abspielen.

Konkurrenzloser iPod

Nicht zuletzt wegen seiner intuitiven Bedienung und seines zumindest für Laien bequemen Software iTunes, mit dem die Musikdateien verwaltet und wiedergegeben werden können, wurde der iPod schnell zum Riesenerfolg. Andere Hersteller:innen mochten kostengünstigere, objektiv „bessere“ Geräte mit längerer Lebensdauer und nicht fest verbautem Akku produzieren. Doch gerade dem iPod vorausgehenden Modelle sowie frühe Konkurrenz ließen meist vernünftiges Äußeres sowie verlässliche Software vermissen.

Apple überzeugte zudem mit seinem schlichten, klaren Design. Das allerdings war nicht ganz allein auf dem Mist des damals noch von Steve Jobs geführten Konzerns gewachsen. Produktdesign-Nerds fanden recht schnell heraus, dass der iPod einem von Dieter Rams entworfenem 1960er-Jahre-Transistorradio aus dem Hause Braun verdächtig ähnlich sieht. Weiß, schlank und sogar mit Scrollrad. Man ist versucht, zu sagen: Zwillinge, nach der Geburt getrennt.

Verändertes Musik Hören durch iPod

Abgesehen davon, dass Steve Jobs mit seiner Weitsicht und dem vollen Vertrauen, das er in die Produktidee von Chefingeneur Jon Rubenstein setzte, Apple zum wirtschaftlich weltweit erfolgreichsten Konzern machte: Die Art und Weise, Musik zu hören, hat sich durch den iPod wahrscheinlich in einem ähnlichen Ausmaß verändert wie durch die Einführung des Walkman von Sony 1979, als man der jeweiligen Lieblingsmusik plötzlich überall lauschen konnte.

Zeitintensives Musik Hören mit ganz schön viel Equipment

Wollten Menschen, die früher Musik ihrer Lieblingskünstler:innen hören wollten, mussten sie einen ziemlichen Aufwand betreiben. Mit der Anschaffung eines Tonträgers war es jedenfalls noch nicht getan. Wobei schon für den Kauf einer Schallplatte, einer Kassette oder einer CD reichlich Zeit und Geld investiert werden musste. Nicht überall gab es einen Plattenladen, und nicht alle Fachhändler:innen hatten alles auf Lager.

Hatte man schließlich voller Stolz das gute Stück Musik erworben, stand man vor dem Problem, es abspielen zu können. Plattenspieler, Kassettendeck oder CD-Player benötigten Lautsprecherboxen und Verstärker, die waren teuer. Im Wohnzimmer der Eltern stand dann oft eine toll - und vor allem laut! - klingende Stereoanlage, der Musikgeschmack der Altvorderen war in der Regel aber doch ein anderer als der eigene. Die Nutzung der Anlage kam also nur dann infrage, waren die Eltern außer Haus.

Plattenspieler in jedem Jugendzimmer

Ab den 1950er Jahren und mit der Erfindung des Phänomens „Teenager:in“ gab es immer weniger Kinder- und Jugendzimmer ohne Plattenspieler. Im Wohnzimmer standen zum Musik Hören riesige sogenannte Musiktruhen, die den Platz eines eigenen, großem Möbelstücks einnahmen. Daraus wurden auf dem Höhepunkt der Audiophilie in den 1970ern, also der Liebe zum guten Klang, immer ausgetüfteltere Stereoanlagen. Diejenigen, die schon alles hatten, richteten sich ein eigenes Hörzimmer mit einer Anlage im Wert eines Mittelklasseautos ein.

Musik mag allgegenwärtig sein, wird aber nicht selten zur reinen Berieselung eingesetzt. Neue Songs und Platten hören zu können, war bis in die 1990er Jahre hinein oft mit soviel Aufwand verbunden, dass dem Akt des bloßen Hörens von Musik mitunter etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Dabei hatte die Industrie, die im Vergleich zu ihrer Hochzeit in den 1960ern bis in die frühen 1990er Macht und Größe eingebüßt hat, stets Befürchtungen gehabt, Anteile zu verlieren.

Musik aus dem Radio auf Kassette

Das begann bereits wenige Jahre nach der Einführung der Musikkassette 1963. Bald nämlich wurden nicht nur ganze Sendungen, sondern auch gezielt Lieblingssongs aus dem Radio aufgenommen. 1980 wurde deshalb in Großbritannien wegen der Angst vor Umsatzeinbußen eine Kampagne ins Leben gerufen: „Home Taping Is Killing Music“, also „Mitschneiden mit Kassetten daheim tötet Musik“.

Die Aktion zeigte wenig Wirkung, abgesehen davon hielten sich die Verluste der Musikindustrie zumindest damals noch in Grenzen. Wenige Künstler:innen unterstützten die Kampagne, im Gegenteil, sie sorgte eher für Gespött. Dass etwa 1982 die Europa-Tournee der Rolling Stones vom Kassettenhersteller TDK gesponsert wurde, fügte sich in das eher schiefe Bild.

74 Minuten Musik auf CD

Aufgrund der beschränkten Kapazität der Vinyl-LP dauerten ganze Alben meist nicht länger al 40 Minuten. Mit dem Siegeszug der CD wurde die Länge eines Tonträgers ausgereizt: Wenn man 74 Minuten zur Verfügung hatte, musste man diese selbstverständlich auch befüllen, logisch. Überhaupt war es gang und gäbe, sich ganze Alben der jeweiligen Interpret:innen anzuhören.

Mit dem Aufkommen von leistbaren CD-Brennern und vor allem dem Filesharing, also dem Austausch von Dateien via Internet sah sich das Musik-Business vor die nächste Herausforderung gestellt. Eine Herausforderung, die sie so schnell nicht bewältigen können sollte, Klagen gegen Napster und nur wenig wirksamem Kopierschutz auf CDs zum Trotz. Auch gegenüber ersten MP3-Playern war man nicht nur skeptisch, man wollte sie gerichtlich verbieten lassen. Was in einem finanziellen und PR-technischen Bauchfleck endete.

iPod auf der Überholspur

Steve Jobs war nicht nur von seinem iPod mit einer bis dato nicht dagewesenen 5-Gigabyte-Festplatte für 1.000 Songs überzeugt. Er setzte auch auf die Software iTunes. Mit ihr konnten CDs verwaltet und auf das mobile Endgerät, eben den iPod, übertragen werden. Im wahrsten Sinne des Wortes Musik in den Ohren der Branchen-Vertreter:innen war der Umstand, dass man über den integrierten iTunes-Store einzelne Songs und ganze Alben KAUFEN konnte. Legal.

Das digitale File mauserte sich langsam, aber sicher zur ernsten Konkurrenz, bescherte der CD ein Schicksal, das Jahre bis Jahrzehnte zuvor die Schallplatte und die Musikkassette ereilt hatte: Sie wurde vom Markt verdrängt. Wobei sowohl Vinyl als auch Tapes mittlerweile eine Renaissance im kleinen Rahmen erleben. Die CD eher nicht.

Shuffle-Mode populär durch iPod

Der Shuffle-Mode, also der Zufallsmodus, war keine Apple-Erfindung - das konnte man mit jedem Discman. Durch den iPod wurde er aber erst richtig populär. Quer durch die Musikbibliothek werden willkürlich Songs wiedergegeben, ungeduldige Gemüter spielen lediglich ein paar Sekunden, um sich in Stimmung zu bringen und skippen weiter zum nächsten Stück.

Das sich über Jahrzehnte etablierte Konzept „Album“ ist also so gut wie tot. Im Zeitalter des Streamens kommt das noch mehr zum Tragen, in dem weder heruntergeladen wird noch Tonträger welcher Art auch immer gekauft werden. Das Album mit einer durchgehenden Dramaturgie, wie es in der Mitte 1960er Jahre aufgekommen ist, hat also ausgedient und dient in erster Linie meist als Sammlung neuer Songs.

iPod aus Stadtbild verschwunden

Einen iPod, sei es das Modell „mini“, shuffle“ oder „nano“ sieht man heute kaum noch. Musik und andere Medien abspielen können iPhones und andere Smartphones mittlerweile genauso gut. Zumal ohnehin überall Streaminganbieter:innen wie Spotify oder Deezer versprechen, die ganze der Welt der Musik auf Knopfdruck parat zu haben - ungeachtet vom Speicherplatz des Wiedergabegeräts.

Was aber das Stadtbild seit der ersten Präsentation des iPods vor 20 Jahren nach wie vor prägt: weiße Ohrstöpsel, mittlerweile halt ohne Kabel. Davor hatten Kopfhörer schwarz zu sein. Das hat sich geändert - nicht zu unser aller Nachteil.

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