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Mein Jahresrückblick 2021: Bye-bye Elektro Gönner, zweites Wohnzimmer

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Von: Christian Kisler

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Viele Menschen tanzen in der Bar Elektro Gönner
Volles Haus wird es im Elektro Gönner nie wieder geben. © Elektro Gönner, BuzzFeed Austria

Das Elektro Gönner in Wien-Mariahilf war lange Jahre mein zweites Wohnzimmer. In den letzten Jahren haben wir uns entzweit, traurig war ich trotzdem, dass es 2021 schließen hat müssen.

Clubs kommen und gehen. Das Elektro Gönner, meist einfach nur Gönner, war weder das eine noch das andere und an manchen Abenden und Nächten beides gleichzeitig. Für solche Orte gibt es bei uns ja den schönen Oberbegriff „Lokal“. Das kann vom mit Preisen ausgezeichneten Restaurant bis zum heruntergekommen Beisl wirklich alles sein. Für mich war das Gönner viele, viele Jahre vor allem eines: ein zweites Wohnzimmer.

2021 hat nicht nur das Coronavirus dem Lokal, das einfach den Namen des davor dort ansässigen Elektrofachhändlers behalten hat, endgültig das Genick gebrochen. Für eine Bar, in der das meiste ab elf, halb zwölf am Abend los war und die für gewöhnlich bis sechs in der Früh geöffnet gehabt hat, waren die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie natürlich tödlich. Und als man im Sommer darauf gehofft hat, draußen im Freien mit späteren Sperrstunden wieder Fuß zu fassen, waren bereits Bauarbeiten im Hof im Gange, die die letzte Kundschaft vergrault hat.

Die letzte Party im Elektro Gönner

Am 15. Oktober war endgültig Schicht im Schacht, die letzte Party ist gefeiert worden. Ich bin nicht hingegangen. Zu diesem Zeitpunkt war es schon lange nicht mehr „mein“ Elektro Gönner. Sieben Jahre zuvor, tatsächlich am 15. Oktober 2014, ist es von den Hausherr:innen der beiden Cocktail-Bars If Dogs Run Free und Miranda Bar übernommen worden, beide ebenfalls im 6. und gar nicht einmal schlecht, zugegeben.

Was das Lokal an sich, aber auch das Publikum verändert hat. Teile der Belegschaft, die ich über die Jahre immer besser kennengelernt habe, haben den Hut darauf geworfen. Langjährige Veranstalter:innen hatten plötzlich kein Leiberl mehr. Das war für mich das wahre Ende des Elektro Gönner, nicht die Abschiedssause im Oktober 2021.

Im Elektro Gönner war immer jemand, den ich kannte - und mochte

Ich hab davor ohnehin zehn Jahre lang das in einem Durchhaus zwischen Mariahilfer Straße und Schmalzfofengasse versteckte Elektro Gönner zu meinem zweiten Wohnzimmer gemacht. Ins Leben gerufen ist es im Herbst 2004 von ein paar Grafiker:innen und Architekt:innen worden. Wenn ich dem kleinen, maximal 150 Leute fassenden Etablissement einen Besuch abgestattet habe, war jedenfalls meist irgendjemand da, den ich gekannt - und gemocht! - habe.

Auflegerei hat es fast jeden Tag gegeben, wie es für diese Art Bars/Mini-Clubs ab der Jahrtausendwende zum guten Ton gehört hat. Ich selbst bin auch oft hinter dem DJ-Pult gestanden. Alles war möglich: Entweder volles Haus oder vielleicht eine Hand voll müder Gäste, die an der Bar in ihr Bier geweint haben. Nicht zu vergessen die Kunstinstallationen, die regelmäßig gewechselt haben. Dabei hat alles den Charme des leicht Improvisierten gehabt. Nicht wirklich abgefuckt, aber fast. Kurz: Ein himmlischer Ort.

Austauschbares Gönner ab der Übernahme

Ich hab nicht die geringste Ahnung, wie viele Gespräche ich dort geführt habe, wie viele neue Bekanntschaften ich dort gemacht habe, wie viele Biere ich getrunken hab (Wieselburger in der Flasche), wie viele teils seltsame Platten ich dort aufgelegt habe. Zum Schmusen und so ist man zu diesem Zeitpunkt eher in andere Bars und Clubs gegangen.

Mit der Übernahme 2014 ist das Elektro Gönner austauschbar geworden. Blöd, dass unmittelbar darauf der Morisson Club und nur zwei Jahre später die Transporter Bar für immer geschlossen haben, ebenfalls Orte, an denen ich mich gerne herumgetrieben habe.

Statt Elektro Gönner ein Riesenrestaurant

Dass sich das Gönner und ich quasi auseinander gelebt haben, ändert freilich nichts an der Tatsache, dass mich der Umstand traurig stimmt, dass es jetzt einfach WEG ist. Dort, wo neben dem Gönner noch die Kantine m101 und ein Wollgeschäft angesiedelt waren, hat jetzt ein großes Restaurant eröffnet, die etwas pseudohippe Stadtallee.

Zweites Wohnzimmer hab ich keines mehr, was nicht weiter schlimm ist. Abwechslung bei der Wahl der Bars, Clubs und sonstigen Lokalen ist ja nicht schlecht - wenn diese coronabedingt nicht eh schon wieder geschlossen sind.

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