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6 Kinderserien, von denen sich auch Erwachsene etwas abschauen können

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Von: Sophie Marie Unger

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Bugs Bunny mit Herzchen in den Augen in Space Jam.
Bugs Bunny ist und bleibt ein wichtiger Held unsrer Kindheit. © Warner Bros/APA Picturedesk

Kinderserien müssen nicht immer lehrreich sein. Es reicht oft schon, wenn sie bestimmte Aspekte aufgreifen, die Kindern später einmal wirklich etwas bringen. Das merkt man daran, dass manchmal sogar Erwachsene aufhorchen.

Das kann etwa der Bruch mit typischen Rollenverteilung und Geschlechterklischees oder auch die Vermittlung wichtiger Normen und Werte des gesellschaftlichen Lebens sein. Diese 6 Serien haben diesbezüglich echt gute Arbeit geleistet.

1. Bugs Bunny

Beginnen wir mit einem Klassiker: Bugs Bunny. Der Hase ist smart, quirlig und lässt sich selten etwas gefallen. Kein Wunder, dass er für viele der Kindheitsheld schlechthin ist. Das besonders schöne an der Serie ist, dass die Warner Bros-Kultfigur trotz ihrer Coolness nicht diskriminiert. Im Gegenteil, Bugs Bunny schlüpft in viele verschiedene Rollen und setzt sich früh - wenn vermutlich nicht ganz bewusst - für die LGBTQ+-Community ein. Denn in den 1940er-Jahren galt das Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts in den USA als Verbrechen. Bugs Bunny pfeift förmlich drauf und schlüpft etwa in die Rolle der Meerjungfrau, der Brünhilde vom Nibelungenlied oder legt sich eine Marilyn-Monroe-Frisur zu.

Viele Trans*Personen feiern den Hasen daher umso mehr und freuen sich, endlich ein kindgerechtes Vorbild gefunden zu haben. So schreibt dieser Twitter-User etwa, er habe von Bugs Bunnys genderfluidem Auftreten gelernt, dass es mehr gebe als zwei Geschlechter. Die US-Post ehrte den Hasen zu seinem 80. Geburtstag mit zehn Briefmarken, unter anderem wurde auch die Meerjungfrau abgedruckt.

Anderen Stimmen aus der LGBTQ+-Community finden, dass die Darstellung der Figur zu kurz greift und Trans*Personen in vielen verschiedenen Facetten zu betrachten und abzubilden sind und nicht nur als jene der verkleideten Frau. Man muss aber beachten, dass die Serie in den 40ern entstand und positiv besetzte trans Rollen da so gut wie gar nicht vorhanden waren. Wenn Transidente überhaupt eine Rolle spielten, dann als Witzfigur (stolpernde Männer in Stöckelschuhen) oder Killer (Buffalo Bill in „Schweigen der Lämmer“). Natürlich geht es immer besser.

2. Es war einmal...

Die Kinderserie „Es war einmal...“ mit Themen wie „der Körper“, „der Weltraum“ oder „das Leben“ fällt wirklich unter die Kategorie „lehrreich“. Aber sie ist viel mehr als nur das: Neben der nostalgischen Sympathie überzeugt die Serie klar durch die kindgerechte Wissensvermittlung und ihre geschichtliche Darstellungsform. Die Mischung aus Wissen, Witz und viel Liebe zum Detail macht‘s also aus. Zudem wird nicht mit erhobenen Zeigefinger herumspaziert, sondern auf vertrauenswürdig interessante Figuren wie Maestro (der mit dem weißen Rauschebart) gesetzt.

Dadurch wirken auch schwierige Themen wie die zehn biblischen Plagen des alten Ägyptens nicht so extrem hart. Besonders brisant für uns Kinder war wohl auch die Folge „Ein Mensch entsteht - die Geburt“. Liebevoll und behutsam erfuhren wir, wie das so funktioniert mit der Fortpflanzung, wer sich darüber nochmals bisschen informieren will: Die Serie gibt‘s auf Netflix!

3. Kim Possible

Kim Possible kann nicht nur serientechnisch alles - nein, die Figur hat einfach auch extrem viel für den Feminismus getan. Kim ist eben nicht das süße High-School Mädchen, das ihre Cheerleading-Skills dafür einsetzt, um Burschen zu beeindrucken. Sie zeigt, dass Mädchen in der Lage sind, außerordentliches (physisch aber vor allem auch psychisch) zu leisten. Trotz der fantastischen Abenteuer wird dabei immer wieder eine Verbindung zur Normalität hergestellt. Technische Fähigkeiten, wie etwa das Programmieren einer Website, was ja noch immer oft nur Jungs zugeschrieben wird, erhalten Einzug in Kims Lebenswelt und bestärken Mädls auch im echten Leben in ihrem technischen Interesse.

Die Macher haben es außerdem geschafft, die schwierige Balance zwischen den Geschlechtern aufrechtzuhalten. Ron, Kims bester Freund, ist zwar manchmal ein bisschen unbeholfen - das braucht es aber, um die bis dato noch immer vorhandene unfaire Geschlechterordnung ausgleichend abzubilden. Trotzdem wird er aber nicht als vollkommener Trottel dargestellt und entwickelt sich über die Staffeln hinweg weiter. Das Humor-Element wirkt zudem verbindend und zeigt, dass man sich selbst nicht immer allzu ernst nehmen sollte. Schön zu sehen ist auch, dass die Serie viele Konventionen von James-Bond-Filmen und anderen Filmen dieses Genres hinterfragt und parodiert. Auch distanzierte man sich ganz bewusst von Übersexualisierung und baut äußerlich auf Kims athletische Statur. Oberflächlichkeiten werden generell eher von inneren Werten, wie Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt, verdrängt. Die Serie gibt‘s zum Nachschauen auf Disney+.

4. Chip und Chap - die Ritter des Rechts

Allein der zweite Teil des Titels lässt vermuten: das kann nur etwas G‘scheites sein. Die fünfköpfige Rettungstruppe hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, böswilligen Gestalten wie Mafia-Katzen und verrückten Wissenschaftlern die Leviten zu lesen. Ihre oberste Prämisse: für Recht und Ordnung in der Welt sorgen. Wir Kinder bekommen früh mit, dass auch unsere Lebenswelt nicht frei von Verbrechen ist. Umso wichtiger ist es daher, kindgerecht aufzuzeigen, dass man mit verbrecherischen Taten nicht weit kommt und dass diese Konsequenzen mit sich bringen. Die Serie setzt genau an diesen wichtigen moralisch und rechtlichen Grundpfeilern an, geht darüber aber sogar noch hinaus.

Denn auch Werte wie Freundschaft, Respekt, Mut und Hilfsbereitschaft werden in jeder Folge mittransportiert. Schön zu sehen ist auch, dass es sich um eine kunterbunte Truppe handelt. Mit den Streifenhörnchen, den Mäusen und der Fliege als Protagonist:innen sind es zunächst auch mal Tiere, die nicht unbedingt die Top-Favoritenplätze im Kleinkinder-Ranking einnehmen. Darüber hinaus wird eine Australien emigrierte übergewichtige Maus gleichermaßen respektiert, wie die zwei cleveren Streifenhörnchen und eine stumme Fliege. Besonders lobenswert ist, dass sich Trixie, die Mäuse-Dame als hochintelligent hervortut. Sie ist Konstrukteurin des Luftschiffs und zeigt wieder einmal, dass auch Mädls Technik verstehen.

5. Die Biene Maja

Die Serie Biene Maja wird noch immer mit unermüdlichen Erfolg auf fast allen Kindersendern ausgestrahlt. Gerade für Kleinkinder ist sie ein echter Hingucker und das hat auch seine Gründe. Denn zunächst gibt die Serie einen Einblick in das Leben einer Honigbiene und zeigt, wie das komplexe System dieser Insekten funktioniert. Durch ihre Neugier treibt es Maja dann auch noch weiter hinaus in die Natur und viele neue Lebewesen, deren Beobachtung sich durch unsere Kinderaugen in freier Wildbahn wohl oft noch zu komplex gestaltet, werden plötzlich nachvollziehbar. Allein dieser Aspekt lässt die Serie als Meisterwerk zurück.

Vor dem Hintergrund der Klimakrise und dem damit verbundenen Insektensterben erfüllt die Serie auch noch eine andere Funktion. Sie zeigt, dass unsere Umwelt nur durch den Beitrag dieser ökologisch wichtigen Insekten erhalten werden kann. Und auch wenn dieser Appell von Kindern nicht bewusst als solcher wahrgenommen wird, verankert sich dieser unbewusst und kommt hoffentlich irgendwann klimatechnisch gesehen hilfreich an die Oberfläche.

6. Als die Tiere den Wald verließen

Diese Kinderserie knüpft an Biene Maja an, ist aber eher für die etwas Älteren. Denn hier geht es gesellschaftspolitisch und umweltpolitisch wirklich zur Sache. Wer die Handlung nicht kennt: Der Thalerwald wird von den Menschen und ihren Maschinen zerstört. Die in diesem Wald lebenden Tiere machen sich daraufhin auf eine Reise, um eine neue, passende Heimat zu finden. Viele seriöse und heute extrem relevante Themen wie die Klimakrise, Flucht und Migration werden aufgegriffen. Schonungslos geht man dabei auf die Gefahren ein und so hält auch der Tod einiger Tiere während der Flucht und der Kampf mit einheimischen Tieren Einzug in die Serien. Der schöne Aspekt wird bereits in der ersten Staffel rübergebracht, denn die Tiere schwören sich, als Gruppe immer zusammenzuhalten. Dass auch das nicht immer klappt und sich Grüppchen und Meinungsmacher:innen bilden, spiegelt einmal mehr unsere Realität wider.

Und dann gibt‘s halt auch noch Kinderserien, die das Ganze wieder zunichte machen.

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