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Mein Jahresrückblick 2021: So viele verpasste Konzerte

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Von: Christian Kisler

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Konzertbesucher:innen mit Maske in Spanien
Ein Konzert in der ersten Reihe bleibt bis auf Weiteres eine Wunschvorstellung. © ZUMA Wire/Imago/BuzzFeed Austria

Konzerte in Bars, Clubs, Hallen oder sonst wo im Jahr 2021? Eher Mangelware. Und wenn das so weiter geht, wird das im Folgejahr 2022 nicht anders sein. Ein Blick zurück.

Irgendwann habe ich den Überblick verloren. Welche Band hat nun schon wieder abgesagt? Welche Künstler:innen mussten ihren Auftritt „auf unbestimmte Zeit“ verschieben? Ich weiß es nicht mehr, ich will es eigentlich auch nicht mehr wissen. Denn was vorbei ist, ist vorbei, hat schon Falco orakelt.

COVID-19, das Coronavirus, hat auf alle Lebensbereiche Einfluss. Auf die Gesundheit, auf die Versorgung, auf Politik, auf Veranstaltungen, auf den Arbeitsmarkt, auf zwischenmenschliche Beziehungen. Wobei ohnehin, wenn schon nicht alles, dann schon vieles miteinander verflochten ist.

Nach dem für die meisten 2020 schon ein Horrorjahr war, hab ich mich Anfang 2021 zu der irrigen Annahme verstiegen, dass alles besser werden würde. „Werch ein Illtum“, könnte ich an dieser Stelle Ernst Jandl zitieren - und tu es auch. Die erste Hälfte war schon mal ein persönliches Desaster, auf das ich hier nicht eingehen möchte.

Politische und andere Katastrophen im Jahr 2021

Allgemein: Politisch will ich gar nicht einmal anfangen, wo überall der Schuh gedrückt hat. Von all den sogenannten Querdenker:innen ganz zu schweigen, die zum Teil mitverantwortlich sind, dass wir jetzt als Gesellschaft sind, wo wir sind. Darüber möchte ich mich an dieser Stelle nicht weiter aufregen, das mache ich sonst eh genug.

Unabhängig von COVID-19 waren vermehrt durch den Klimawandel ausgelöste Katastrophen auch 2021 ein Thema, an dem man nicht vorbeikam und das nicht nur mich beschäftigt hat. Die abartige Anzahl der Femizide nicht zu vergessen.

Verschieben von Konzerten ist trauriger Alltag geworden

Um zum Beginn dieses Texts zurückzukommen: Selbstverständlich gibt es weltpolitische dringlichere Anliegen, auch 2021 war das der Fall. Aber was für mich mit dem am 12. März 2020 abgesagten Konzert der Band DIIV angefangen hat (war eines der ersten, das dem damaligen ersten Lockdown zum Opfer gefallen ist), hat sich 2021 lustig fortgesetzt. Die in Wien ansässige Allstar-Band My Ugly Clementine etwa hat ihre aktuelle Tour zum gefühlt 22. Mal verschieben müssen. Trauriger Alltag mittlerweile.

Vor allem Künstler:innen aus den USA und Großbritannien haben ihre Tourneen reihenweise abgesagt. Entweder, weil sie aufgrund des Infektionsgeschehens in Europa oder aber jenes in ihren Herkunftsländern dazu gezwungen waren. Nicht selten war bereits ein Bandmitglied erkrankt, wobei auf die Art der Erkrankung meist nicht näher eingegangen worden ist. Man kann sich aber seinen Teil dazu denken. Bei den Brit:innen sind aufgrund des Brexits zusätzliche Schwierigkeiten beim Buchen einer Tour dazu dazugekommen. Angesichts einer Pandemie aber eh schon wurscht.

Drei Konzerte in einem Jahr - so wenig wie noch nie

Tatsächlich war ich 2021 als jemand, der sich sonst die Ohren alle ein, zwei Wochen zudröhnen hat lassen, auf gerade einmal drei Konzerten. Besonders deprimierend bei einer lokalen Band in der Arena, was weder an den Musikern noch an deren Darbietung gelegen ist. Alles bestuhlt, mit FFP2-Maske und voll aufgedrehter Entlüftungsanlage. Wo normalerweise gut 900 Menschen dicht an dicht schwitzen und brav Aerosole ohne potenziell tödliche Viren austauschen können, sind vielleicht 40 Menschen gesessen und haben artig mit ihren Füßen gewippt.

Das bringt mich zu einem der Gründe, warum mir Konzerte so wichtig sind. Freilich geht es mir dabei auch um die Musik. Genauso wichtig aber ist die soziale Komponente. Du bist ja nicht allein in einem Club oder einer Halle, deswegen scheitern meines Erachtens auch Online-Konzerte. Im Idealfall ist es gut gefüllt, sodass die Musiker:innen und Veranstalter:innen zufrieden sind, du aber noch immer was vom Geschehen auf der Bühne mitbekommst. Du trinkst Bier, schwitzt, bewegst deinen Körper, du fachsimpelst mit anderen Enthusiast:innen und regst dich natürlich über andere auf, die ebenfalls quatschen.

Irgendjemanden triffst du immer auf einem Konzert

Nicht selten gehst du auf ein Konzert ohne Begleitung, weil du davon ausgehen kannst, dort eh jemanden zu treffen, den du kennst. Funktioniert natürlich besser bei kleinen Shows und eher nicht in der Stadthalle oder im Stadion. Das ist aber eh nicht so meins. Im November und Dezember hätte ich mir gerne zwei Bands angeschaut, beide im Fluc. Sind aber nichts geworden, du kannst dir denken, warum.

Die einen, Aloa Input aus München haben ohne Angabe von Gründen abgesagt. War aber eh auch Lockdown, wäre so oder so nichts geworden. Die anderen, die ungooglebaren, aber umso fantastischeren International Music aus Essen in Deutschland wollen das ausgefallene Konzert im Februar 2022 nachholen, immerhin. Nur mal so ein Zitat von Letzteren: „Weinen will ich nicht, das befeuchtet mein Gesicht zu sehr“. Großartig. Ob das allerdings tatsächlich stattfindet, glaube ich erst, wenn ich dort bin. Tickets besorge ich mir folgerichtig erst SEHR kurzfristig.

Das Verschieben von Konzerten auf den Sanktnimmerleinstag ist mittlerweile Mode geworden, Karten zurückzugeben schwierig bis unmöglich. Also behält man sie in der Hoffnung, dass die jeweilige Veranstaltung doch noch irgendwann nachgeholt wird. Ich habe meinen Eltern beispielsweise vor mittlerweile zwei Jahren, als im Dezember 2019, zu Weihnachten Tickets für ein Beatles-Musical geschenkt.

Wenn du nicht über den Ersatztermin des Konzerts benachrichtigt wirst

Bis heute hat das niemand aus unserer Familie gesehen, weil bereits zweimal verschoben. Ich hätte das in der Zwischenzeit vergessen, hätte ich nicht zufällig ein Plakat mit neuem Datum im April 2022 gesehen. Eine Benachrichtigung seitens der Veranstalter:innen wäre schon sehr nett gewesen. Bin gespannt, ob das prinzipiell was wird.

Trauriger macht mich, dass ich ein ganz besonderes Konzert aufgrund von Corona und Lockdown nicht gesehen habe. Nämlich das von der Band meines Vaters, in der sich fünf Männer über 70 durch die größten Hits der 50er bis in die 1980er covern. Ein großer Spaß, ganz unironisch. Auch da heißt es hoffen und bangen, dass bald einmal ein Auftritt des Quintetts wieder über die Bühne geht.

Kommt 2022 das Ende der Pandemie?

Zu letztem Silvester bin ich mit der Hoffnung, das nächste Jahr könne ja nur besser werden, nicht besonders gut gefahren. Ich bin trotzdem wieder ein wenig zweckoptimistisch, Omikron hin, Omikron her. Immerhin hat ja auch Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, vorsichtig in Aussicht gestellt, 2022 könnte das Jahr sein, in dem die Pandemie zu Ende ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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