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Wiener Bäckereikette verlost zum Faschingsdienstag Krapfen als NFTs

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Von: Christian Kisler

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Montage: Besucher:innen vor einer Tafel, auf der erklärt wird, was NFTs sind; ein Krapfen in Pixel-Form.
Die Wiener Bäckereikette Ströck hat zum Faschingsdienstag einen Krapfen in NFT-Form verlost. © Jason Redmond/AFP/APA-PictureDesk/Ströck/CryptoWiener/BuzzFeed Austria

Vor zwei Jahren startete eine Wiener Bäckerei eine Petition für ein Krapfen-Emoji. Zum Faschingsdienstag wird die nachweislich beste Süßspeise der Welt als NFT verlost. Clever Marketing!

Aus Gründen, auf die ich hier nicht näher eingehen werde, sollte ich eigentlich die Finger davon lassen. Aber gerade zur Faschingszeit, die am 11. 11. um 11.11 Uhr beginnt und am Faschingsdienstag aufhört, einen Tag vor Aschermittwoch und damit sechs Wochen vor Ostern, sind sie allgegenwärtig: Krapfen. Die kleinen, klassisch mit Marillenmarmelade gefüllten Süßspeisen aus Germteig gibt es nicht das ganze Jahr über, dafür sind sie dann umso schmackhafter. Selbstverständlich sind auch die Exemplare mit Vanillecreme-, Nougat- oder Powidl-Füllung vor mir nicht sicher, ich esse sie für mein Leben gern.

Damit bin ich nicht alleine. Laut Statistik Austria, Stand 2019, werden in Österreich jedes Jahr 112 Millionen Krapfen verzehrt. Und das ist bei einer Bevölkerung von knapp neun Millionen Einwohner:innen nicht gerade wenig. Das wissen auch die heimischen Bäckereien. Interessanterweise belegt aber bei Blindverkostungen selten ein Krapfen aus einem dieser Handwerksbetriebe oder einer der mittlerweile unzähligen Ketten den ersten Platz. Sondern Jahr für Jahr die Kreation aus dem Supermarkt, mehr noch: vom Diskonter. Außen leicht knusprig, innen fluffig zart, die Marmelade fruchtig, aber doch ein bisschen säuerlich - so soll er sein, der perfekte Krapfen.

Der Krapfen sollte zum Emoji werden

Heuer wurde der Bann gebrochen, die Bäckereikette Ströck konnte endlich den besten Krapfen verbuchen, zumindest für Wien. Vor zwei Jahren hatte man allerdings anderweitig aufhorchen lassen, als deren Chef, immerhin in der fünften Generation Bäcker, einen ganz besonderen Antrag stellte. Der Krapfen sollte als Emoji vom Unicode Konsortium in Kalifornien, USA, offiziell bestätigt werden. Und ja, es stimmt: Gibt man etwa bei WhatsApp bei der Suche nach Emojis das Wort „Krapfen“ ein, wird was angezeigt? Ein schnöder Donut! Auch köstlich, aber selbstverständlich kein Vergleich. Das Team um Philipp Ströck, um den Mann beim Namen zu nennen, entwickelte sogar ein schmuck anzuschauendes Krapfen-Emoji, aber vergebens: Das Unicode Konsortium lehnte den Antrag ab, da half auch keine Petition.

Krapfen und die Welt des Digitalen, das hat Ströck aber nicht losgelassen. Zum Faschingsdienstag 2022 wurden 30 Krapfen als NFT verlost, designt von den sogenannten Cryptoartists CryptoWiener. Die 30 Gewinner:innen haben sich dabei nicht nur um ein limitiertes digitales Kunstwerk freuen dürfen, sondern darüber, dass ihnen lebenslang jeden Faschingsdienstag eine Fünferstange Krapfen ins Haus geliefert wurde. Aber halt, was ist ein NFT noch einmal? NFT ist zunächst einmal die Abkürzung für „Non-Fungible Token“, auf Deutsch „nicht austauschbare Wertmarke“.

Der NFT-Krapfen war ein gelungener Marketinggag

NFTS entsprechen Gütern wie eben Kunstwerken wie dem digitalen Pixel-Krapfen, Musikstücken oder bestimmten Gegenständen in Computerspielen, nur eben in digitaler Form. Unentbehrlich ist dafür die Blockchain, auf der auch sämtliche Kryptowährungen wie Bitcoin beruhen. Dabei werden einzelne Infoblöcke, die jeweils Daten über das Objekt enthalten, wie bei einer Kette aneinander gereiht. Alles sehr technisch, aber auch sehr sicher. Wie das im Detail funktioniert, erfährst du hier. Dabei sind NFTs nicht nur eine Modeerscheinung oder der letzte Schrei in der Kunstbranche. Sie können durchaus auch zu mehr Diversität beitragen.

All das war Ströck wahrscheinlich weniger wichtig, behaupte ich einmal. Was man ihm aber nicht absprechen kann, dass ihm wieder ein gelungener Marketinggag gelungen ist. Ob das ein Verkaufsargument für seine Krapfen ist? Schwer zu sagen, zumindest will Ströck seine Kund:innnen mit seinem Vorteilsclub an sich binden, ein wenig gar bemüht „The Fluffy Krapfen Club“ genannt. Wichtig ist, dass seine Krapfen schmecken. Ich jedenfalls hab jetzt großen Bock, mir einen zu holen. Werbung wirkt also doch.

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