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Der Wiener Kultursommer setzt einen Geflüchteten-Schwerpunkt und das ist wichtig

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Von: Christian Kisler

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Menschen sitzen und stehen auf einer Wiese vor einer Bühne in Wien
Der Kultursommer geht das dritte Mal im öffentlichen Raum Wiens über die Bühne. ©  Nikolaus Ostermann/stadt wien marketing/BuzzFeed Austria

600 Acts mit 2.000 Mitwirkenden aus 10 Sparten an 40 Spielorte, ein Schwerpunkt für Geflüchtete: So präsentiert sich der Wiener Kultursommer in seiner dritten Auflage. Los geht es am 1. Juli im Prater.

Über die COVID-19-Pandemie lässt sich kaum etwas Gutes sagen, politisch nicht, gesellschaftlich nicht, wirtschaftlich nicht, kulturell nicht, gesundheitlich schon gar nicht. Impfungen erreichen viel zu wenige Menschen, die Teststrategie haut auch nur so lala hin. Eine Ausnahmestellung nimmt immer wieder Wien ein, für eine Großstadt halten sich die Infektionszahlen in Grenzen, auch weil die Regeln für die jeweils geltenden Maßnahmen hier meist strenger ausgelegt werden. Allerdings muss man den Menschen auch etwas bieten. Schon nach dem ersten Lockdown 2020 kam in der Donaumetropole die Idee für ein niederschwelliges, kostenloses Unterhaltungsprogramm im Freien auf, quer über die Stadt verteilt: der Kultursommer.

Da der öffentliche Raum nicht zuletzt der Pandemie und immer höher steigender Temperaturen wegen von immer mehr Menschen genutzt wird, hat die Stadtregierung die Gelegenheit ergriffen, ebendort etwas auf die Beine zu stellen. Das Festival wird als barrierefreier, kultureller Nahversorger verstanden, dabei richtet man sich Anrainer:innen und Passant:innen genauso wie an Musik- oder Theater-Fans, die extra zum jeweiligen Event anreisen. Von 1. Juli bis 14. August soll im Rahmen des Kultursommers ein breites Spektrum geboten werden, sei es Musik, Theater, Tanz, Literatur, Performance oder Kabarett.

Wer tatsächlich vor Publikum auftreten wird, ist noch offen, nachdem die letzten Bewerbungen eingegangen sind, wird aussortiert. In Summe sollen rund 600 Acts mit 2.000 Teilnehmer:innen an 40 Standorten auftreten. Fix ist auch das Eröffnungskonzert auf der Kaiserwiese im Prater am 1. Juli, ein Klassik-Open-Air mit den Wiener Symphonikern. Quasi rechtzeitig zu Schulschluss und Ferienbeginn.

Diese zehn Standorte für den Kultursommer sind bereits fix

Für Geflüchtete gibt es einen Schwerpunkt beim Kultursommer

Außerdem soll es in 25 „Häusern zum Leben“ ein spezielles Programm für Pensionist:innen geben, muss auch sein. Neu heuer und unter dem Eindruck des verheerenden Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine ist ein Schwerpunkt auf das Thema Flucht. Schon bisher gibt es einige Kooperationen, die nun weiterentwickelt werden sollen. Zugangsbarrieren für Künstler:innen und Besucher:innen mit Fluchterfahrung sollen abgebaut werden. Wert gelegt wird auch auf Mehrsprachigkeit, Netzwerkarbeit und die Zusammenarbeit mit erfahrenen Organisationen, die haupt- und ehrenamtlich in diesem Bereich arbeiten.

Einbezogen werden junge Initiativen, aber auch welche, die bereits in diesem Gebiet erfahren und eingearbeitet sind, etwa „Start with a Friend Austria“. Dabei werden aufgrund von gemeinsamen Interessen Freundschaften zwischen Menschen mit und ohne Fluchterfahrung gestiftet. Oder die „Queer Base“, die Geflüchtete aus der LGBTQIA+-Community unterstützt. All das soll rund ums Bühnenprogramm eingebettet werden.

Allgemein habe man mit dem Kultursommer ein neues Publikum gewinnen können, Menschen mit geringem Einkommen oder die sich nie in ein Theater oder auf ein Konzert zu gehen getrauten hätten - oder es sich nicht leisten konnten oder wollten. Nicht jede:r hat das Geld für ein Ticket für ein Festival wie das Nova-Rock-Festival übrig. „Ich glaube, da ist uns etwas gelungen, was wir so nicht angedacht hatten“, meinte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler bei der Präsentation. Wie heißt es so schön: Unverhofft kommt oft.

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