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Das Nova Rock ohne COVID-19-Maßnahmen ist keine gute Idee

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Von: Christian Kisler

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Jubelnde Besucher:innen beim Nova-Rock Festival 2019
Das Nova Rock Festival 2022 wird ohne COVID-19-Maßnahmen über die Bühne gehen. ©  Herbert P. Oczeret/APA-Picture-Desk/BuzzFeed Austria

Nach zwei Jahren coronabedingter Pause findet das Nova Rock Festival im Burgenland heuer wieder statt - ohne Einschränkungen. Ist das klug? Meine 2Cents dazu.

Okay, das Donauinselfest ist doch bedeutend größer als das Nova Rock Festival, ansonsten mit bis zu 225.000 Besucher:innen das größte seiner Art in Österreich. Mit fast drei Millionen Besucher:innen an drei Tagen ist jedenfalls das Donaufestival nicht nur das größte Musikfestival österreichweit, auch nicht europaweit, sondern gar weltweit. Einen großen Vorteil hat es allerdings gegenüber anderen Open-Air-Events wie eben beispielsweise dem Nova Rock: Es findet bei freiem Eintritt statt. Und das funktioniert eben auch nur, weil als Veranstalter:innen die SPÖ Wien, das Pro Event Team für Wien und der Verein Wiener Kulturservice in Erscheinung treten. Kein privates Unternehmen könnte das stemmen.

Die COVID-19-Pandemie machte einen Strich durch die Rechnung

Dafür nimmt man den Schutz der Besucher:innen ernst, sehr ernst sogar. 2020 fand es der COVID-19-Pandemie wegen nicht auf der namensgebenden Donauinsel statt. Stattdessen fuhr 40 Tage lang ein Doppeldeckerbus mit Bühne durch ganz Wien, 240 kurze Pop-up-Konzerte waren die Folge. Dazu zwei Abschlusskonzerte mit gerade einmal 1.250 zugelassenen Personen an den letzten beiden Tagen. Und vergangenes Jahr gab es zwar ein Donauinselfest wie gewohnt, nur deutlich kleiner und mit strengen Corona-Maßnahmen. Wie es heuer ausfallen wird, ist noch nicht bekannt. Denkbar ist, dass Wien wie während der gesamten Pandemie einen strengeren Kurs als die Bundesregierung fahren wird.

Diese hat ja ganz offensichtlich alle Hoffnung fahren lassen, dem COVID-19-Virus etwas entgegensetzen zu können. Clubs haben wieder geöffnet, ganz ohne Masken und außer in Wien - wo sonst - auch ohne sonstige Kontrollen. Als hätte es nie eine Pandemie gegeben. Dass die Infektionszahlen ein Rekordniveau erreicht haben, darf niemanden wundern. Auch nicht, dass die Impfpflicht ausgesetzt wurde, ein Instrument zur Bekämpfung von Corona, das ganz offensichtlich sehr viele nicht ernst genommen haben - und im Moment Expert:innen zufolge ohnehin zahnlos ist.

Keine Masken und Tests, dafür Bier beim Nova Rock

Trotzdem ergibt es ein schiefes Bild, wenn angekündigt wird, dass eben jenes größtes, kommerzielles Musik-Festival Österreichs, das Nova Rock, Anfang Juni stattfinden wird - ohne Masken, ohne sonstige Kontrollen zu Test- oder Impf-Status und ohne Konsumationsverbot. Hunderttausende Menschen, die erfahrungsgemäß schon am Nachmittag mehr als einen leichten Schwips haben, zusammenzubringen ist vielleicht nicht sooo schlau. Auch wenn das Infektionsgeschehen an der Schwelle von Frühling zu Sommer sehr gering sein soll, schreit das förmlich nach der einen oder andern Corona-Cluster-Bildung.

Dabei hat Veranstalter Ewald Tatar in den letzten zwei Jahren umsichtig gehandelt, sind die letzten beiden Ausgaben des Nova Rock doch ganz abgesagt worden. Letztes Jahr gab es mit dem Nova Rock Encore eine abgespeckte Variante im Herbst, sowohl was Besucher:innenanzahl als auch was das Line-up anbelangt. Zu Unrecht wurde es im Vorfeld als Superspreaderfestival in Verruf gebracht. Ohne negativen PCR-Test kam niemand auf das Gelände, es gab Alkoholverbot, und unterm Strich gab es danach genau eine (!) Person, die COVID-19-positiv war. Im eigenen Interesse ist Sicherheit an erster Stelle gestanden. Umso leichtsinniger erscheint Tatars Handeln jetzt.

Das Nova Rock wirkt als hätte man eine Zeitreise in die Vergangenheit gemacht

Er ist ja wirklich ein Guter: Mit „We Stand with Ukraine“ hat er in aller Kürze ein mittlerweile ausverkauftes Benefizkonzert im Happel-Stadion auf die Beine gestellt, das eine Woche vor dem artverwandten „YesWeCare“-Konzert am Heldenplatz über die Bühne gehen wird. Und die Nova-Rock-Halle in Nickelsdorf ist als Anlaufstelle für Gefüchtete aus der Ukraine bereitgestellt worden. Abgesehen davon wirkt das Nova-Rock-Line-up Jahr für Jahr so, als hätte man eine Zeitreise in die Vergangenheit gemacht. So oder so ähnlich hätte es auch schon vor 15, 20 oder gar 30 Jahren aussehen können. Ganz ehrlich, mit wenigen Ausnahmen wie Seiler und Speer, Turbobier und den 2021er-Song-Contest-Gewinner:innen Måneskin hätte das auch damals niemanden gewundert. Auftreten werden unter anderem Muse, die Foo Fighters, Rise Against, Korn, Deichkind, The Offspring, Billy Talent, Bush, Bad Religion und Mando Diao. Die reinste Retro-Veranstaltung, ich bitte dich. Aber: Ich muss ja nicht hingehen.

Wiewohl ich ja Festivals dieser Art überhaupt wenig abgewinnen kann. Der Gedanke, möglicherweise in einem windschiefen Zelt bei Wind und Wetter campieren zu müssen, erfüllt mich nicht gerade mit Sehnsucht. Auch nicht, mit mehr oder weniger volltrunkenen Gestalten in einer ewigen Schlange vor den Mobil-Klos des Grauens ausharren zu müssen, von vom schlechten Open-Air-Sound beeinträchtigter Musik ganz zu schweigen. Aber auch hier gilt: Ich muss ja nicht hingehen. Darum geht es mir auch nicht. Meine Sorge besteht darin, dass es dann doch vielleicht nicht ganz so sicher ablaufen könnte, wenn man alle COVID-19-Maßnahmen bei einem derart großen Publikum außer Acht lässt. Vor und nach dem Nova Rock werden wir ja sehen, ob es Anfang Juni tatsächlich keine Bedenken mehr geben kann. Ich muss ja nicht hingehen.

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