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Rapperin Nura: Eine der wenigen weiblichen Stars des deutschsprachigen Raps

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Nura und Juju performen als SXTN am Hurricane Festival in Scheessel in Deutschland.
Die Rapperin Nura und ihr bewegter Lebenslauf. © Peter Detje/APA Picturedesk

Nura ist nicht nur Musikerin, sondern setzt sich auch für die Rechte von Frauen ein. Ihr persönlicher Kampf gilt der Gleichberechtigung.

Die Sängerin und Rapperin macht mit provokativen Texten auf sich aufmerksam. Ihre Liedzeilen erinnern an Bushido, Aggro Berlin und andere Berliner Rap-Stars.

Nura: Ihre Kindheit und ihre Flucht

Rapperin Nura wurde am 24. Dezember 1988 unter dem bürgerlichen Namen Nura Habib Omer in Kuwait-Stadt in Kuwait geboren. Als der Golfkrieg ausbrach, floh die damals dreijährige Nura mit ihrer Mutter und ihren drei Geschwistern nach Deutschland. Dort wartete bereits ihre Großmutter auf sie. In Deutschland kam die fünfköpfige Familie zunächst in einem Flüchtlingsheim unter. Weil die Mutter nicht gut Deutsch sprach, wirkten die Geschwister bei bürokratischen Angelegenheiten oder Behördengängen meist unterstützend. Die Zeit im Flüchtlingsheim verbindet die Sängerin heute mit positiven Erinnerungen.

Ihr eritreischer Vater blieb in Kuwait zurück. Zu ihrem Vater hatte Nura nach eigenen Angaben anschließend keinen Kontakt mehr. Zum 18. Geburtstag ihres Bruders flog die Familie zur Pilgerfahrt nach Mekka, bei der auch der Vater erstmalig wieder anwesend war. Den Kontakt konnten sie dennoch nicht aufrechterhalten.

Die Rapperin Nura: ihre Jugend ist von Rebellion geprägt

Die Sängerin lebte in ihrer Jugend in Oberhausen und Wuppertal. Doch vor allem In Wuppertal fühlte sich Nura gefangen und begann zu rebellieren. In der Schule fand sie sich zunehmend in der Rolle einer Außenseiterin wieder, besuchte nur widerwillig den Unterricht. Sie kam mit Drogen in Berührung und wollte sich gegen die religiöse Mutter durchsetzen, die der Rapperin strikte Regeln und Verbote auferlegen wollte. Nura aber strebte ihren eigenen, westlich geprägten Lebensstil an und brach mit ihrer Mutter. Ihre weitere Jugend verbrachte sie anschließend in einer Wohngruppe für Jugendliche.

Mit Musik war sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Berührung gekommen. Nura entschied sich schließlich für einen Neuanfang und zog mit 18 Jahren nach Berlin. Sie begann eine Ausbildung zur Sozialassistentin, brach diese aber nach kurzer Zeit zweimal ab und arbeitete fortan in Cafés, im Restaurant, an der Bar und als Türsteherin. In Berlin kam sie erstmalig mit Musik in Berührung. Sie schloss sich der Band „The Toten Crackhuren Im Kofferraum“ als Tänzerin an.

Rapperin Nura: ihre musikalischen Anfänge mit SXTN

2010 lernte die Sängerin Judith Wessendorf, bekannt unter dem Namen Juju, in einer Bar kennen. Weil Nura nach eigenen Angaben bei „The Toten Crackhuren Im Kofferraum“ nicht mehr zufrieden war, lag es nahe, mit Judith Wessendorf eine Band zu gründen. Obwohl sich die beiden Freundinnen zu diesem Zeitpunkt bereits einige Jahre kannten, gründeten sie ihre Hip-Hop-Band SXTN aber erst im Jahr 2014.

Ende November 2015 erschien die erste Single des Duos unter dem Titel „Deine Mutter“. Die beiden nehmen in ihren Texten kein Blatt vor den Mund. Mit Zeilen wie „Ich ficke deine Mutter ohne Schwanz“ oder „Fick dich, du Hurensohn, fick dich, du Hurentochter, fick dich, du Spast“ provozierte und polarisierte SXTN. Ihre Bekanntheit wuchs zunehmend, vor allem Mädchen konnten sich mit den Inhalten identifizieren, die sich oft mit weiblichem Empowerment befassten.

Nach der Veröffentlichung ihres Albums im Jahr 2017 bespielte SXTN zahlreiche Festivals. Im Anschluss an die erfolgreiche Tour begannen beide, an Solo-Projekten zu arbeiten. Auch heute noch sind die Texte der Rapperin provokant.

Die Sängerin und Rapperin Nura: erfolgreich als Solokünstlerin

Nura kollaborierte mit verschiedenen Künstlern, darunter AchtVier, Sam, Fruchtmax und Bausa. Im November 2018 gaben Nura und Juju die Trennung ihres Duos SXTN bekannt. Ab diesem Zeitpunkt trat die Rapperin nur noch als Solokünstlerin auf. Mit dem im Frühjahr 2018 erschienenen Song „babebabe“, den sie gemeinsam mit dem Hip-Hop-Duo SAM aufnahm, konnte sie erstmals eine Chartplatzierung erzielen. Im Sommer 2019 trat die Sängerin vermehrt auf Festivals wie Summerjam, Open Air Frauenfeld oder Happiness Festival auf.

Mit dem Rapper Trettmann veröffentlichte sie im Oktober 2018 die Single „Chaya“ und stieg auf Platz 33 der Charts ein. Ihr Debütalbum als Solokünstlerin erschien am 29. März 2019 mit dem Titel „Habibi“. Hier rappt die Künstlerin nicht nur, sondern singt auch. Mit dem Song „babe“ zollte Nura dem verstorbenen Bandmitglied von SAM, Samson Wieland, Tribut. Die Sängerin sampelte dabei SAMs Lied „Dashiki“. Ihr Album „Habibi“ platzierte sich auf Platz 37 der österreichischen Album-Charts. Am 20. August 2021 erschien ihr zweites Album „Auf der Suche“.

Die Rapperin Nura: ihre politischen Positionen

Selbst nachdem die Sängerin rund dreißig Jahre in Deutschland lebte, besaß sie weder einen deutschen Pass noch eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Sie musste daher stets in regelmäßigen Abständen zum Ausländeramt, um ihre Aufenthaltserlaubnis verlängern zu lassen. Reisen waren ihr lediglich innerhalb Europas erlaubt, wegen ihres eritreischen Passes erhielt sie eigenen Angaben zufolge nie Visa für andere Länder. Eine Abschiebung nach Eritrea war aber aufgrund der dortigen politischen Umstände nicht möglich. Ihre eigene Fluchterfahrung prägte ihre Ansichten. Die Rapperin spricht sich deshalb für die Aufnahme von Geflüchteten aus.

Die Rapperin engagiert sich außerdem in der LGBTQ-Szene und setzt sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus ein. Obwohl sie Hasskommentare und Drohungen aus der rechten Szene erhält, zeigt sie sich auf Demonstrationen. 2018 trat Nura auf einem Solidaritätskonzert auf, das sich gegen die rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz positionierte.

Nura in Film und Fernsehen

2015 trat Nura in einer Nebenrolle im Film „Der Nachtmahr“ auf, 2018 war sie in Detlev Bucks Film „Asphaltgorillas“ zu sehen. In der TV-Serie „jerks“ spielte die Sängerin eine Gastrolle. Eine kleine Rolle übernahm sie außerdem in der Netflix-Produktion „Asphalt Burning“.

2021 nahm sie als erste Rapperin an der VOX-Show „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ teil. Sie repräsentierte dort die Hip-Hop-Szene. Während der Aufzeichnung der Show fiel Moderatorin Stefanie Heinzmann der schlechte Zustand der Sängerin auf. Sie verließ daraufhin die Show.

In der Netflix-Show „Life is a Joke“ wurde Nura von Comedian Oliver Polak interviewt. Sie besuchten gemeinsam die Lieblingsorte der Rapperin in Berlin und sprachen über Nuras Leben. Die neue Amazon-Serie „Die Discounter“ von Christian Ulmen ist das aktuelle Serien-Projekt der Rapperin derzeit. Die Serie startet am 17. Dezember 2021 bei Prime Video.

Die Sängerin und Rapperin Nura ganz privat

Im Alter von 31 Jahren veröffentlichte die Sängerin ihre Autobiografie. Unter dem Titel „Weißt du, was ich meine? Vom Asylheim in die Charts“ schrieb sie in Anlehnung an ihren bekanntesten Songtitel über ihre Flucht aus Kuwait nach Deutschland und das Leben der Familie im Flüchtlingsheim. In dem Buch erzählt sie von ihrer Kindheit und Jugend im Spannungsfeld zwischen mütterlichen Erwartungshaltungen, kultureller Prägung und ihren eigenen Bedürfnissen.

Mit Samson Wieland verband die Rapperin eine enge Freundschaft. Der überraschende Tod des Rappers und Songwriters folgte zeitlich kurz auf die Trennung von SXTN. In einem emotionalen Post auf Instagram wandte sich die Sängerin an den engen Freund und Gefährten.

Ob Nura einen Freund hat, hat sie nie verraten, obwohl die Frage häufig auftaucht. Das Verhältnis zu ihrer Mutter verbesserte sich. Mit ihrem Bruder Ramadan wohnt Nura in einer gemeinsamen Wohnung; er ist ihr „Daily Manager“.

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