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Die Chats zwischen Kurz und Schmid quälen dich jetzt auch als Oper

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Von: Christian Kisler

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Montage: Sebastian Kurz, Thomas Schmid
Die Chats zwischen Sebastian Kurz und Thomas Schmid sind jetzt auch zur Oper geworden. © Alex Halada/Florian Schroetter/EXPA/APA-PictureDesk

Es gibt kein Entrinnen: Alt-Kanzler Sebastian Kurz ist aber immer noch allgegenwärtig. Jetzt ist aus den Chats mit Thomas Schmid sogar eine Oper geworden.

Sagen wir, wie es ist: Oper ist nicht mein Metier. Auch nicht Operette oder Musical, prinzipiell ist mir jede Art von Singspiel ein Gräuel. Ausnahmen bestätigen freilich die Regel, so würde ich mir durchaus „Der Prätorianer. Oder die Zärtlichkeit des Thomas S. – Ein Machtspiel in vier Chatprotokollen“ anschauen. Noch nie gehört, obwohl du sonst von „Turandot“, „Don Giovanni“ und „La Nozze di Figaro“ nicht genug kriegen kannst? Keine Sorge, „Der Prätorianer“ wird keine ernste Konkurrenz für „Carmen“ oder den „Ring des Nibelungen“ werden. Die Oper ist dennoch eine Erwähnung und, so du mobil oder ohnehin im Salzburger Tennengau beheimatet bis, einen Besuch wert.

Sebastian Kurz wird man nicht los

Ebenso wenig wie Oper kann ich Sebastian Kurz und seinem Gefolge, Thomas Schmid etwa, etwas abgewinnen, konnte ich noch nie. Immerhin verabschiedet sich eine dieser Gestalten nach der anderen aus der Regierung, nicht nur der Alt-Kanzler selbst, zuletzt etwa Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger. Ein schöner Tag. Aber auch wenn Kurz über die Kronen Zeitung wissen ließ, dass er definitiv nicht in die Politik zurückkehren wird, so wird man den Kerl einfach nicht los.

Denn hier schließt sich der Kreis, hier findet eines zum anderen, worst of both worlds sozusagen. „Der Prätorianer. Oder die Zärtlichkeit des Thomas S.“ ist nicht weniger als die Oper gewordene Vertonung der Chat-Protokolle des Sebastian Kurz. Jener Chats unter anderem mit Thomas Schmid, in denen grausige Intrigen ruchbar wurden, Postenschacher in großem Stil betrieben und dreckige Geschäftige mit der Tageszeitung „Österreich“ ausbaldowert worden sind.

Die Chat-Protokolle wurden zur Lesung, dann zur Oper

Genug Stoff also, um ein Stück zu tragen, auch wenn es innerlich immer noch schmerzt und fassungslos macht. Schließlich wurden die Chat-Protokolle auch schon im Wiener Burgtheater in einer Lesung von sechs Schauspieler:innen vorgetragen, was die Ungeheuerlichkeit, die freche Selbstverständlichkeit und das menschenverachtende Ausmaß des Ganzen vor Augen führt.

Davon haben sich auch die Initiatoren Johannes B. Czernin, Peter Godulla und Patrick Sellier inspirieren lassen, die mit ihrem Unternehmen CGS vornehmlich Start-ups unterstützend begleiten. Einer von ihnen, Patrick Sellier, lebt seit zehn Jahren in St. Koloman bei Hallein, eben im Salzburger Tennengau. Dort betreibt er ein Gasthaus und ein Hotel und hatte nach einem Besuch der Lesung im Burgtheater die glorreiche Idee, das alles als Oper auf die Bühne zu bringen. In St. Koloman, Einwohner:innen: 1.800. Auf dem Dorfplatz. Und als Livestream.

So kommt es jetzt also auch tatsächlich, das Libretto, also das Buch, hat Selliers Kompagnon Johannes B. Czernin verfasst, der praktischerweise auch ausgebildeter Tenor ist und die Rolle des Erzählers einnimmt. Die Musik hat der Komponist Tristan Schulze verfasst, herausgekommen ist letztlich eine Oper für Sopran, Alt und Tenor, Streichtrio und Akkordeon, mit Puppenspiel auf Wanderbühne. Sebastian K. wird von Laura Rieger, Thomas S. von Anita Giovanna Rosati gesungen. Ein Schelm, wer Böses bei der Besetzung denkt.

Die Chat-Oper wird wohl ein einmaliges Erlebnis bleiben

Das alles klingt wie eine Drohung, entbehrt aber, zugegeben, nicht eines gewissen Unterhaltungswerts. Wäre der Ursprung dessen nicht so ärgerlich und eigentlich traurig, könnte man ja tatsächlich herzhaft und ausdauernd darüber lachen. Am 18. Juni um 17 Uhr ist es schließlich so weit, dann hat „Der Prätorianer. Oder die Zärtlichkeit des Thomas S.“ Premiere. Bei der wird man es dann wohl auch belassen, es gibt ja eh den Livestream. Trotzdem bezweifle ich, dass mich das Stück auf meine alten Tage noch zum Opern-Liebhaber bekehren wird.

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