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Die Serie „Pam & Tommy“ macht Spaß - Pamela Anderson kommt dabei aber zu kurz

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Von: Christian Kisler

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Pamela Anderson und Tommy Lee 1995
Pamela Anderson und Tommy Lee als junges Paar 1995 © Andrew Winning/EPA/APA-PictureDesk

Die Serie „Pam & Tommy“ über die Beziehung von Pamela Anderson und Tommy Lee und ihr gestohlenes Sex-Video ist ein großer Spaß und ein Sittenbild der 1990er. Allerdings mit einem bitteren Beigeschmack. Das liegt nicht nur an der eigentlich tragischen Handlung.

Nie, ich wiederhole, niemals sollst du dich mit den Handwerker:innen in deinem trauten Heim anlegen. Und sie im Streit gar unbezahlt feuern. Das kann ganz, ganz üble Konsequenzen haben, selbst wenn du ein ehemaliger Superstar bist und gerade eine der berühmtesten Frauen der Welt geehelicht hast.

Der Name des Superstars, dessen Glanz schön langsam verbleicht, ist Tommy Lee, Schlagzeuger der in den 1980er Jahren vor allem in den USA immens erfolgreichen Glam-Metal-Band Mötley Crüe. Deren kollektiv verfasste Autobiografie „The Dirt“ gehört zum Lustigsten, was man an Büchern über Musiker:innen lesen kann und ist eine einzige Chronik des Größenwahns, der Ausschweifung, des Rauschs und des tiefen, tiefen Falls. Die gleichnamige Verfilmung ist leider eine einzige Katastrophe und die 108 Minuten Lebenszeit kaum wert. Vor allem, wenn man so wie ich deren Musik ohnehin nichts abgewinnen kann.

Pamela Anderson war dank „Baywatch“ bekannter als Tommy Lee

Tommy Lees Ehefrau von 1995 bis 1998 war die vor allem in den 1990er Jahren weitaus bekanntere Pamela Anderson. Nachdem sie sich schon einen gewissen Namen als Playmate machen konnte, erlangte sie in der Rettungsschwimmer:innenserie „Baywatch“ an der Seite von David Hasselhoff Weltruhm. Dass die Kanadierin sich bereits früh vegan ernährt, darüber hinaus Fürsprecherin für Tierrechte und aktives Mitglied der Tierrechtsorganisation PETA ist, erfährt die Öffentlichkeit erst später.

Was in den Nullerjahren Brad Pitt und Angelina Jolie waren oder von mir aus heute Heidi Klum und Tom Kaulitz sind, waren in den mittleren 1990ern jedenfalls Pamela Anderson und Tommy Lee. Die Boulevardpresse und ihre Leser:innen liebten das Paar. Dabei würde man das, was die beiden führten, wohl eine toxische Beziehung voll häuslicher Gewalt nennen.

Ein Video zeigt Pamela Anderson und Tommy Lee beim Sex

Die achtteilige Serie „Pam & Tommy“ zeichnet mit Lily James und Sebastian Stan in den Hauptrollen die Geschichte der Beziehung der beiden nach. Mit einem besonderen Schwerpunkt: einem selbst aufgenommenen Video, das die beiden beim Herumtollen zeigt - und beim Sex. Nicht weiter schlimm, sollte man meinen, die beiden können tun und lassen, was sie wollen. Doch hier kommt der von Tommy Lee gefeuerte Handwerker ins Spiel, ein gewisser Rand Gauthier, dargestellt von einem nicht wiederzuerkennenden Seth Rogen: ohne Brille, ohne Vollbart, dafür mit Vokuhila. Gauthier beschließt also, sich an Tommy Lee zu rächen, bricht bei diesem ein und stiehlt dessen Safe. Darin enthalten: das „Sex-Tape“, einer der geflügelten Begriffe dieser Zeit.

Und damit setzt sich etwas in Gange, was die Welt bis dahin nicht kannte: die weltweite Verbreitung mittels einer neuen Technologie, dem Internet, so neu wie SMS. Das sollte alsbald für Spott und Häme sorgen, nicht nur in den Klatschspalten, auch in „seriösen“ Late-Night-Shows. Tommy Lee nimmt daran weniger Anstoß, bei ihm scheint ein gewisser Stolz über Scham die Überhand zu gewinnen. Allerdings hält der gute Mann auch Zwiesprache mit seinem Penis. Macht auch nicht jeder.

Pamela Andersons Sichtweise kommt zu kurz

Pamela Anderson leidet unter der Situation sehr. Sie beharrt darauf, ein Recht auf Privatsphäre zu haben, auch wenn sie in der Vergangenheit schon als Playmate nackt zu sehen war. Hier kippt „Pam & Tommy“ vom Komischen ins Dramatische, was es auch ist. Sie fühlt sich nicht ernst genommen, gegen „das Internet“, das allgegenwärtig ist, kommt sie nicht an, ihr Film „Barb Wire“ floppt zudem nicht nur kolossal, er wird auch gnadenlos verrissen. Handwerker Gauthier tut sie leid, er wollte sich ja nur an Tommy Lee rächen. Na ja, Einbruch hätte ja auch gereicht, er hätte das Video nicht an einen Pornoproduzenten verkaufen müssen, in einer wie immer fabelhaften Darstellung von Nick Offerman.

Dass Pamelas Sichtweise zu kurz kommt, liegt wohl auch daran, dass „Pam & Tommy“ unter der kundigen Regie von Craig Gillespie („I, Tonya“, „Cruella“) auf Tommy Lees Autobiografie „Tommyland“ basiert. Und auf einem Artikel im US-Musik-Magazin „Rolling Stone“, der die Geschehnisse von der Warte Rand Gauthiers aus schildert. In die Produktion eingebunden waren übrigens weder Pamela Anderson noch Tommy Lee. Anderson hat angekündigt, die Serie zu boykottieren, Lee freut sich schon darauf, sie zu sehen. Auf sein Urteil kann man gespannt sein.

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