1. BuzzFeed.at
  2. Buzz
  3. Popkultur

Club-Opening: Ist es okay, am Wochenende feiern zu gehen?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sophie Marie Unger

Kommentare

Barkeeperin Mina und ein voller Club
Das erste Club-Wochenende seit Langem steht bevor: Wir haben Nachtgastronom:innen (Mina im Bild) gefragt, was ihnen so durch den Kopf geht. © Mina Zarok/Unsplash/BuzzFeed

In den vergangenen Wochen ist viel passiert. Losgelöstes Feiern am Wochenende fällt vielen vielleicht nicht ganz so leicht. Oder ist es sogar mal ganz gut, alles loszulassen? Wir haben mit Personen aus der Nachtszene gesprochen und um ihre Einschätzung gebeten.

Die Clubs sperren auf und eigentlich sollte die Freude darüber groß sein. Doch die Last auf unseren Schultern ist aufgrund der Lage in der Ukraine nicht gerade leichter geworden. Und auch die Folgen der Pandemie sind noch immer deutlich zu spüren. Wie soll man sich jetzt verhalten? Wie sehen Personen aus der Nachtgastronomie das bevorstehenden Wochenende? Wir haben nachgefragt.

Mina, 30, Barkeeperin

Obwohl Mina seit 10 Jahren in der Nachtgastro tätig ist, hat sie solch eine Situation noch nie erlebt. In den vergangenen zwei Jahren war sie im On-Off-Modus und musste oft ihren Arbeitsplatz wechseln. Viele Kolleg:innen und auch sie selbst erkrankten am Coronavirus. Das alles war sehr fordernd. Sie selbst hat noch einiges aufzuarbeiten und versteht, wenn man keine Lust auf großes Feiern hat.

Mina, die Cocktails in einer Bar macht.
Mina, Barkeeperin in Wien und Niederösterreich © Mina Zarok

Es ist ja Gott sei Dank jedem selbst überlassen, ob er am Wochenende feiert oder nicht. Ich arbeite in der Branche und ich bin es gewohnt zu Lächeln, auch wenn es gerade nicht so einfach ist. Aber ich verstehe auch alle Menschen, die gerade nicht so in the mood sind. Ich selbst merke, dass da noch Vieles ist, das ich aufarbeiten muss. Ich mache das vor allem mit Meditation und langen Spaziergängen, aber es gibt sicher auch Personen, die sich lieber unter Menschen begeben und gerne auch mit Fremden über die ganze Situation sprechen.

Mina

Nico, 27 Jahre, Veranstalter

Nico veranstaltet kleinere Events in einigen Wiener Bars und sieht dem kommenden Wochenende positiv entgegen. Obwohl die Ereignisse der vergangenen Wochen alles andere als motivierend waren und keinesfalls beschönigt werden sollten, kommt die Club-Öffnung seiner Meinung nach gerade recht.

Wir alle haben uns das so verdient. Die Corona-Pandemie war vor allem für junge Menschen extrem belastend und da muss es einfach auch einmal die Möglichkeit geben, alle Sorgen hinter sich zu lassen. Ich denke, dass die Öffnung sogar wieder neuen Antrieb gibt. Wenn man jetzt den Ukraine-Konflikt hernimmt, könnte das motivierend für neue Hilfsprojekte sein. Vielleicht trifft man ja Menschen, mit denen man was organisieren kann.

Nico

Anna, 24 Jahre, Hostess

Anna ist Hostess und liebt ihren Job. Sie freut sich richtig darauf, sich endlich wieder mit anderen Leuten auszutauschen und das Nachtleben zu genießen. In den vergangenen Monaten hatte sie vor allem psychisch zu kämpfen. Sie hat gelernt, dass es auch mal okay ist, auf sich und seine Bedürfnisse zu achten.

Gerade die junge Generation - und da zähl ich mich schon auch noch dazu - ist psychisch ausgelaugt. Und das soll jetzt nicht egoistisch klingen, aber es ist auch okay, sich mal um sich selbst zu kümmern, sich abzulenken und einfach mal Spaß zu haben. Wie soll man anderen helfen, wenn man selbst gerade einen Tiefpunkt nach dem anderen erlebt? Wir sind schon so überlastet mit Social Media und anderen Infos, dass wir gar nicht mehr wissen, wo wir anfangen sollen. Deshalb finde ich, sollten wir rausgehen und Kraft tanken, neue Lebensenergie finden, bevor wir versuchen, anstehenden Konflikte zu lösen.

Anna

Roland, 34,  Facility-Manager

Roland arbeitet in mehreren Restaurants und Bars und kümmert sich dort um Sicherheitsmaßnahmen. Er kommt für gewöhnlich mit vielen Leuten zusammen und weiß, dass das Opening für viele mehr bedeutet, als Spaß zu haben.

Man muss schon auch bedenken, dass viele Existenzen davon abhängig sind. Das ist ja dann kein Spaß mehr, wenn man jahrelang nicht in seinem Gebiet arbeiten kann. Deshalb ist es gut und wichtig, dass wir die Clubs wieder aufsperren. Wir müssen lernen, mit Krisen zu leben und da macht es keinen Unterschied, wo man sich gerade aufhält. Wichtig ist, dass wir es schaffen, Stabilität zu generieren, um eben mit jenen Konflikten fertig zu werden.

Roland

Tobias, von mica - music austria

Tobias von mica - music austria (Träger des ehemaligen Pilotprojekts Vienna Club Commission) sieht in der Wiedereröffnung der Clubs ebenfalls eine große Chance. Aus der Vergangenheit weiß er, dass sich vor allem die Wiener Clubszene als extrem solidarisch hervorgetan hat.

Tobias Kovar, Mitglied von von mica – music austria
Tobias Kovar, Mitglied von von mica – music austria (ehemaliger Träger des Vienna Club Commission Pilotprojekts) © Tobias Kovar

Auch wenn die Öffnung am kommenden Samstag für viele Wiener Clubs überraschend früh kommt, überwiegt natürlich die Freude darüber, endlich wieder feiern zu können. Gleichzeitig herrscht Bestürzung über diesen für alle überraschenden und offensichtlich unnötigen Krieg. Am Ausgehverhalten der Wiener:innen wird das vermutlich dennoch nichts ändern. Nach Monaten im Privaten wollen die Menschen endlich wieder unter Leute, tanzen, und Musik in angemessener Lautstärke hören. Wie schon zuletzt während der Flüchtlingskrise 2015 zeichnet sich jedoch ab, dass viele Akteur:innen der Wiener Clubszene den Wunsch hegen, einen Beitrag in dieser schwierigen Zeit zu leisten. Neben Solidaritätsbekundungen und Spendenaufrufen auf offiziellen Seiten von Veranstalter:innen und Clubs wurden schon erste Charity Events angekündigt. Ein guter Teil der Wiener Szene begreift sich selbst als politisch. So ist davon auszugehen, dass weitere folgen werden.

Tobias

Wenn du noch nicht weißt, wohin mit dir am Wochenende, dann klick dich doch durch unser Quiz.

Auch interessant

Kommentare