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„Sie denken, dass sie mich persönlich kennen“: Ein Youtuber erklärt parasoziale Beziehungen

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Von: Helena Dimmel

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Stan Fukase World of Xtra
Stan Fukase kommuniziert jeden Tag mit hunderttausenden Fans über Social Media. © Stan Fukase

Influencer Stan Fukase erzählt im Interview, wie Fans im Alltag auf ihn reagieren.

Kennst du das? Du folgst ein:er Influencer:in auf Social Media, fieberst im Alltag bei den persönlichen Ups und Downs mit, die er oder sie auf Instagram postet und hast ein bisschen das Gefühl, du würdest sie oder ihn wirklich kennen? Congrats, du hast eine „parasoziale Beziehung“. Der Begriff, der ursprünglich aus der Medienpsychologie stammt, beschreibt das Phänomen, dass wir eine emotionale Beziehung zu Personen des öffentlichen Lebens aufbauen, fast schon, als ob sie unsere Freund:innen wären – während diese Personen aber keine Ahnung haben, wer wir sind.

Wie aber fühlen sich parasoziale Beziehungen für Influencer:innen selbst an? BuzzFeed Austria hat darüber mit Stan Fukase gesprochen. Der 24-Jährige TikTok-Star lebt in Tokyo und dokumentiert als offen schwuler Mann seinen Alltag auf Social Media für über 500.000 Follower:innen.

Du arbeitest als Influencer, der sein tägliches Leben zeigt. Dein Publikum besteht zumeist aus Gen Zs, die bis zu 16 Stunden am Tag vor dem Handy verbringen. Verschwimmen da die Grenzen zwischen online und offline?

Viele Leute denken, dass Social-Media-Influencer selbst süchtig nach ihren Handys sind, aber ich und andere befreundete Youtuber:innen versuchen, privat so wenig wie möglich auf das Smartphone zu schauen. Irgendwie muss man die Balance zwischen dem Social-Media-Leben und dem Privatleben ja finden. Manchmal verschwimmen die Grenzen zwischen online und offline auf jeden Fall. „Was darf ich im Internet zeigen? Jeder weiß, wer ich bin“, denke ich mir oft.

Gibt es einen Unterschied zwischen deiner Online-Persönlichkeit und deiner Offline-Persönlichkeit?

Nicht wirklich. Aber was ich im Internet zeige, ist hauptsächlich die Schokoladenseite meines Lebens. Ich verhalte mich nicht unbedingt anders, aber ich bin ein Entertainer im Internet – die schlechten, langweiligen, traurigen Dinge werde ich also eher nicht zeigen. Ich möchte, dass die Leute da draußen verstehen, dass auch das Influencer-Dasein ein normaler Job ist. Manche Leute denken, dass ich ein perfekter Mensch bin, aber natürlich mache ich genauso schlimme Dinge durch. Ich teile diesen mentalen Struggle dann natürlich auch ein wenig online, um ihn zu normalisieren.

Erkennen dich Follower:innen manchmal? Fühlen sie sich so, als würden sie dich persönlich kennen?

Ja, auf jeden Fall. Parasoziale Beziehungen sind für viele tatsächlich real. Follower:innen denken, sie kennen mich persönlich, nur weil sie meine Videos ansehen. Einmal kam ein Follower auf mich zu und sagte aus dem Nichts: „Hey Schlampe, du siehst heute so gut aus!“ Das war ein bisschen beängstigend, er kennt mich und ich habe keine Ahnung, wer er ist. In letzter Zeit bin ich besser darin geworden, mit diesen Situationen umzugehen. Leute, die im Alltag auf mich zukommen, haben in der Regel gute Absichten und freuen sich einfach, mich zu sehen. Letzten Endes kann ich wegen ihrer Views ja auch machen, was ich mache, also ich schätze ihre Aufmerksamkeit total.

Ob als Drag Queen oder offen schwuler Mann, Fukase setzt sich stark für die LGBTQIA+ Community ein. BuzzFeed Austria hat er erzählt, was ihn bewegt: „Die Art, wie ich lebe, ist an sich schon ein Protest“

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