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VW-Bulli, Super-8-Filme und Auftritte mit Clueso: PRESSYES erzählt von seinem neuen Album

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Von: Christian Kisler

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Der Musiker PRESSYES
Der Musiker PRESSYES hat mit „Breeze In Breeze Out“ sein zweites Album veröffentlicht. © Tiemo Frantal/Patricia Narbón

PRESSYES macht Musik für den perfekten Sommer: ein bisschen schwül und hitzig, mit „Good Vibrations“ im Sinne der Beach Boys. Für sein zweites Album „Breeze In Breeze Out“ stand uns der Sänger und Musiker Rede und Antwort.

Hört man auch nur einen Song von PRESSYES, fühlt man sich automatisch an die späten 1960er Jahre erinnert, die einen Umweg in die Jetztzeit genommen haben. Angestaubt klingt hier gar nichts, im Gegenteil. Auch nicht nach dem oberösterreichischen Steyr, woher der seit Ewigkeiten in Wien lebende Sänger und Musiker René Mühlberger ursprünglich stammt, der Mann hinter PRESSYES. Vielmehr nach Kalifornien, nach nahem Osten und Anatolien. Und nach Sommer, heiß und wahlweise trocken oder schwül. Auch wenn alles mit Equipment, das vor 1980 hergestellt wurde, aufgenommen wurde, klingt hier alles frisch. Im Gegensatz zur hervorragenden Indie-Band Velojet, in der Mühlberger als Sänger, Gitarrist und Songwriter wirkte, überwiegt hier nicht die Melancholie. Der psychedelische Pop glitzert und funkelt, ist tanzbar und federnd leicht, er lässt die Sonne aufgehen. Nicht zu vergessen seine glockenhelle Stimme.

Nach seinem Debüt als PRESSYES, „On the Run“, nominiert für den Amadeus Award, erscheint nun sein zweites Album „Breeze In Breeze Out“. Am 15. Mai wird es in der Wiener Sargfabrik live präsentiert, eine Tour folgt im Herbst. Im Interview mit BuzzFeed Austria sprach der Sänger, Musiker und Produzent über seine Songs, über die Bedeutung seines alten VW-Busses, über seine auf acht- und 16-Millimeter-Film selbst gedrehten Videos und seine Auftritte mit dem deutschen Popstar Clueso. Und natürlich über Musik.

PRESSYES im Interview mit BuzzFeed Austria

René, für alle, die dich nicht kennen sollten: Wer oder was ist eigentlich PRESSYES? Eine Band oder ein Solo-Projekt?

PRESSYES ist mein musikalisches Soloprojekt, mein musikalisches Outlet, in dem ich als Musiker alles spielen und aufnehmen kann. Es ist quasi ein Spaßprojekt, bei dem ich mich kreativ ausleben kann, ohne dass irgendwelche Grenzen gibt. Immer, wenn mir etwas einfällt, spiel ich etwas ein. Ich bin ja Musiker und Produzent, eigentlich Gitarrist bei als Produzent bei mehreren Bands tätig. Ich hab ein eigenes Studio, und PRESSYES ist meine eigene Spielwiese. Ich lerne dadurch auch viele Sachen, die ich bei anderen Produktionen anwenden kann. Live stelle ich das dann mit Band auf die Bühne. Mit fünfköpfiger Besetzung wird das dann eins zu eins umgesetzt. Dazu kommen endlose Jams (lacht).

Ich habe das Video mit der Live-Version von der Single „Purpose“ gesehen, das war super, mit einem an Pink Floyd erinnernden, etwas ausufernden Schluss.

Da haben wir das erste Mal zusammen gespielt. Die Band ist jetzt neu für das zweite Album zusammengestellt worden. Ich hab mit Ryan Thomas Carpenter einen sehr guten Keyboarder, der Analog-Synths spielt, dazu Clara Gottsauner Wolf an den Congas und zweiter Stimme, Gü Paulitsch an den Drums und meine langjährige Partnerin Marlene Lacherstorfer am Bass. Das ist für mich eine relativ große Band, ich spiel das erste Mal zu fünft. Die sind alle überqualifiziert für das, was ich selbst in meinem Studio einspielen kann. (lacht) Ich kann zwar jedes Instrument spielen, bin aber kein studierter Keyboarder wie etwa Ryan. Zuerst kommen immer die Songs, dann kommen Jams, bei denen sich die Musiker:innen austoben können. Damit beides dabei ist: Man kriegt, was auf dem Album ist, aber ich kann die Band dazu nutzen, mehr als nur diese easy melodies zu spielen, dann werden sie gefordert.

Das erste Album „On the Run“ ist vor ziemlich genau vier Jahren erschienen. Was ist in der Zwischenzeit passiert?

Ich habe mein Studio aufgebaut, bin mehr in die Produzententätigkeit übergegangen, hab Bands wie Cari Cari, Bilderbuch und 15 andere, die jetzt nicht so namhaft sind, betreut, etwa Ian Fisher oder Sophie Lindinger. Ich hab untertags mit Bands gearbeitet, und wenn am Abend das Drumset noch gestanden ist, hab ich selbst noch ein wenig mit mir gejamt und das aufgenommen. Die zweite Platte ist ein bisschen nebenbei passiert, weil viele andere Sachen zu tun waren, die mir Spaß gemacht haben. Ich bin immer auf der Suche nach einem Sound, der ein bisschen retro ist. Ich jage da immer einer gewissen Stimmung nach. PRESSYES hat einen sommerlichen Vibe, der ein bisschen die Beach Boys und “Good Vibrations” erinnert. Es muss ein bisschen schwül und hitzig klingen.

Auch die neuen Songs klingen wieder so luftig und leicht.

PRESSYES ist ja mein eigenes Motivationsprohekt, daher auch der Name. Ein Selbstmotivator zum Ja-Sagen. PRESSYES ist wie eine Meditation für mich. Das mach ich nur, wenn ich das Gefühl habe, jetzt gönne ich mir das. Dann schalte ich den Synthesizer ein und mach etwas und das versetzt mich in eine Stimmung wie Urlaub. Das such ich auch gezielt. Deswegen hab ich bei PRESSYES von Anfang an gesagt, ich will an etwas Positivem arbeiten. Ich möchte meine schönsten Erinnerungen, meine Roadtrips, meine Sommerurlaube, meine Auslandsaufenthalte, all das möchte ich da hineintun, damit ich es wie ein Tagebuch auf Platte oder auf CD, Spotify oder YouTube vor mir habe. Dann kann ich mir das anhören und anschauen und bin in der Stimmung drin. Das funktioniert wunderbar. Und das coolste ist, dass es für andere Leute auch funktioniert. Mein Keyboarder Ryan etwa ist aus den USA, er sagt immer: ”It’s so L.A, it’s so California.” Das freut mich am meisten, wenn das auch andere Leute so sehen. Bei Konzerten wird im Gegensatz zu meiner vorigen Band (Velojet) keine Depression oder Melancholie verarbeitet, da wird in den Urlaub gefahren. Und das ist voll schön.

Alle Videos sind auf 16 Millimeter-Film gedreht, das Album ist auf Vintage-Equipment aufgenommen worden, ihr seid mit einem alten VW-Bus namens Zeus unterwegs und vor der Tür steht ein alter Fiat 500. Woher kommt die Begeisterung für alles Alte?

Ich habe festgestellt, dass die Sachen nicht nur cool ausschauen und cool klingen, sondern dass diese Geräte in puncto Bedienbarkeit eine gewisse Einfachheit und Klarheit haben. Da gibt es Knöpfe, die haben genau eine Funktion, und die kann man schnell erlernen. Und das bleibt auch so. Ich mag das, wenn ich mich in ein Gerät einlernen kann und das dann die nächsten 40 Jahre bedienen kann. Ich brauch kein Update in meinem Leben, ich lade mir nicht die neueste Software runter, ich update mein Leben nicht mehr, soweit sich das vermeiden lässt. Das ist der Grund, warum ich lieber mit den alten Geräten arbeite: einmal einlernen und dann bleibt das so. Auf der ganzen Platte ist nichts digital, das sind alles analoge Geräte, alles vor 1980 gebaut. Nur am Schluss wird am Computer geschnitten, das ist leichter als mit Band. Eigentlich geh ich den ganzen mühsamen Prozessen, soweit es geht, aus dem Weg. Aber tatsächlich hasse ich die digitale Welt, weil sie sehr stressig ist.

Du bist trotzdem auf Instagram und Facebook sehr aktiv. Ist das für dich ein digitaler Spagat?

Das geht ja noch, da kann ich meine analogen Videos posten. Ich hab aber noch nie einen Filter oder Effekt benutzt. Instagram finde ich eigentlich schön, weil es eine visuelle Plattform ist. Ich bin ein visueller Mensch, alles sehr bunt, sehr farbenfroh, sehr psychedelisch. Und das geht auf Instagram eigentlich ganz gut.

Im Video zu „Atlantic Ocean Spray“ ist ein junges Anhalter-Pärchen aus Frankreich zu sehen. Wie seid ihr zu denen gestoßen?

Wir sind mit unserem VW-Bus Baujahr 1975 nach Kroatien gefahren. Bei der Abfahrt zu Fähre sind die beiden gestanden. Zunächst sind wir an ihnen vorbeigefahren. Dann hab ich gesagt: “Das ist schon scheiße, wir fahren in unserem Hippie-Bus und nehmen die Hippies nicht mit. Wer macht es denn sonst?” Die sind dagestanden mit einer Schachtel Tomaten und Melonen, riesigen Backpacker-Rucksäcken und total sonnengegerbt. Wie man halt so ausschaut, wenn man seit drei Monaten durch Europa trampt. Wir haben dann drei, vier Tage mit ihnen am Strand verbracht, wurden bekocht und haben schließlich drei Rollen Film mit der Super-8-Kamera verschossen. Letztlich hat das Video keine 200 Euro gekostet, ist superunscharf, weil ich da noch nicht gewusst habe, wie man die Kamera bedient. Es hat genau den Vibe, der zum Song passt. Wir sind noch in Kontakt, sie sind noch immer unterwegs. Sie haben die Pandemie durchgetrampt.

Welche Rolle spielt dein VW-Bus für PRESSYES?

Eine große. Weil das Fertigmachen und Konzepte passieren dort. Daheim und im Studio spiel ich alles ein. Im Urlaub hör ich meine Musik das erste Mal an. Und wenn wir dann in Sardinien oder so sind, hab ich erstmals Zeit, zu schauen, was ich da eigentlich aufgenommen habe. Mit einem zeitlichen Abstand hört man das auch ganz anders. Die Videos drehen wir ja meistens aus dem Bus heraus. Wir fahren herum, und wenn etwas gut aussieht, dann fahren wir herum und filmen.

Auf dem Album sind auch einige orientalische Einflüsse zu hören, dafür weniger Hip-Hop.

Super, dass du das rausgehört hast. Und ja, stimmt, Hip-Hop war beim ersten Album mehr Thema. Damals hab ich viel Hip-Hop gehört, ich wollte raus aus der Indie-Musik. Für das zweite Album war Hip-Hop dann nicht so pandemiekonform, war nicht mein Pandemie-Vibe. Das Orientalische kommt daher, dass ich mich so nach den Orten und Stimmungen gesehnt hab, die ich beim Reisen aufgefangen hab. Sri-Lanka, Marokko, da hört man an jeder Ecke coole Instrumente. Alles, was bei PRESSYES vorkommt, ist eine Reise woanders hin.

Was bedeutet der Titel “Breeze In Breeze Out” für dich?

Das ist natürlich ein Wortspiel. Da ist das Meditative drin, also “breathe in, breathe out”, die summer breeze, also die Sommerbrise. Die Meditation ist wichtig für mich, weil ich gleichzeitig mit dem Projekt PRESSYES vor vier, fünf Jahren damit angefangen habe. Um positiv zu leben. Das mache ich bis heute regelmäßig. Bei der Musik versuche ich in einen ähnlichen Zustand zu gelangen, in dem alles ruhig und entspannt ist. Ich glaub auch, dass ich immer relaxter werde, dass das zweite Album auch entspannter ist als das erste. Im besten Fall lade ich die Leute auch zum Entschleunigen ein, bei Konzerten, beim Anhören der Platte.

Marlene und du, ihr seid ja jetzt zu dritt. Welchen Einfluss hat das auf deine Musik, auf dein Leben?

Der Song „It‘s Never Gonne Be Like It Was Before“ beschäftigt sich mit der Geburt meiner Tochter. Diesen Entschluss zu fassen: Wir wollen das, wir ziehen das jetzt durch. Aber wie wird das jetzt alles werden in dieser stressigen Zeit? Jetzt kommt die digitale Welt wieder viel mehr auf mich zu, weil ich mich für mein Kind viel mehr damit auseinandersetzen muss. Das wird ja dann die ganze Zeit am Smartphone sitzen (lacht). Wir haben die kleine Mona jetzt schon bei Auftritten mit, das funktioniert. Marlene hat während der Schwangerschaft lange noch Konzerte gespielt, und das Baby bekommt angeblich den Bass schon im Bauch mit. Das soll eine beruhigende Wirkung haben. Ich sing auch immer, wenn ich sie im Arm halte.

Du bist auch als Gitarrist für Clueso unterwegs. Was hast du davon mitgenommen?

Es fließt immer alles ein, was man macht, ob man Bands produziert oder auf Tour in Deutschland ist. Von Clueso hab ich weniger Musikalisches mitgenommen, eher die positiven Vibes bei Konzerten. Wie erholt und motiviert die Zuschauer:innen danach nach Hause gehen können. Wie gut sich das anfühlt, wenn man als Frontman den ganzen Saal zum Singen bringt und alle mit einem Lächeln im Gesicht heimgehen. Da habe ich erst erkannt wie geil das ist, nicht nur für dich selbst, sondern für alle. Dass es befreiend sein und Spaß machen kann, Konzerte zu spielen. Das habe ich zwischenzeitlich wieder vergessen.

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