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Bei „Pumuckl“ wird geraucht und gesoffen, trotzdem muss die Serie nicht gecancelt werden

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Von: Christian Kisler

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Pumuckl und der von Gustl Bayrhammer dargestellte Scheinermeister Eder.
Der Pumuckl und der von Gustl Bayrhammer dargestellte Schreinermeister Eder. ©  dpa Picture Alliance/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Pumuckl wird 60 und hat vor allem als TV-Figur Generationen von Kindern beeinflusst. Als kleiner Bub fand natürlich auch ich ihn super, heute gibt es allerdings einige Dinge zu bemäkeln. Meine 2Cents dazu.

„Pumuckl neckt, Pumuckl versteckt und niemand was meckt.“ Gut, das ist, was die Rechtschreibung anbelangt, etwas eigenwillig, aber das ist alleine der Name Pumuckl ja auch. Hauptsache, es reimt sich. Außerdem spricht hier ein kindlicher Kobold, mit feuerrotem Haar, gelbem Longsleeve und grüner Hose. Ein Look, der zum Gschnas auch immer wieder gerne gesehen wird. Aber nicht nur dort. Eine Schulkollegin von mir war Punk und kleidete sich eine Zeit lang, irgendwann in der Oberstufe, genau so: gelbes Shirt, grüne Jeans, knallrot gefärbte in alle Richtungen verwurschtelte Haare. Und nein, das war eben kein Faschingskostüm. Erstaunte Blicke seitens des Lehrpersonals, aber auch ihrer Mitschüler:innen waren ihr gewiss.

Meine Verbindung mit dem „Kobold mit dem roten Haar“ reicht allerdings noch weiter zurück. Wenn ich als kleiner Bub Schabernack trieb, dann nannte mich meine Mutter bisweilen „Chrimuckl“ - ein Kofferwort aus meinem Vornamen und, richtig, Pumuckl. Und wie konnte man als Kind den kleinen, etwa zehn Zentimeter großen Kerl nicht mögen? Immer Unfug im Sinn, für alle Welt außer dem Schreinermeister Eder unsichtbar, dennoch verletzlich und eine treue Seele. Dass es da ein paar Ungereimtheiten geben könnte, fiel mir als kleiner Stöpsel natürlich nicht auf.

„Meister Eder und sein Pumuckl“ gab es zunächst als Hörspiel

Ich weiß heute nicht mehr, ob das meine liebste Serie war, das waren wohl eher die „Fraggles“, aber natürlich schaute ich sie gern und besaß sogar eines der zehn Bücher und eine kleine Pumucklfigur. Dass „Meister Eder und sein Pumuckl“ 1962 das erste Mal als Hörspiel ausgestrahlt wurde und somit jetzt 60 wird, wusste ich natürlich nicht. Die erste Staffel von „Meister Eder und sein Pumuckl“ mit Gustl Bayrhammer als Schreinermeister Eder wurde 1982, also 20 Jahre später ausgestrahlt, bis zur zweiten Staffel sollte es wieder sechs Jahre dauern. Dann war‘s das mit der Originalserie, wiewohl es bis in die Nullerjahre Filme, Serien und sogar Musicals geben sollte.

Pumuckl hatte zwei Mütter

„Eltern“ hatte Pumuckl gleich mehrere. Ersonnen hatte ihn für die erwähnte Hörspielreihe Ellis Kaut, nachdem sie bereits für die Serie „Geschichten vom Kater Musch“ verantwortlich zeichnete. Ab der allerersten Folge „Spuk in der Werkstatt“ wurde Pumuckl von Hans Clarin gesprochen, der dem kleinen Kobold auch in der TV-Serie seine krächzende Stimme lieh. Und der dritte Elternteil und damit die zweite Mutter im Bunde war Barbara von Johnson, die schließlich Pumuckls bis heute gültiges Aussehen für das erste Buch zeichnete. Das erschien drei Jahre nach der ersten Hörspielfolge. All diese Zutaten ergeben einen nicht nur in Bayern, sondern auch in Österreich beliebten Charakter.

Wenn du dir die alte Serie aus den 1980ern heute mit Nichten, Neffen, den Kindern deiner Freund:innen oder einfach nur aus Nostalgie anschaust, dann wird dir aber auffallen, dass zumindest die Originalserie nicht mehr ganz zeitgemäß ist. Nein, keine Bange, Kinder werden nicht misshandelt. Im Gegenteil: Da die Vorlagen aus den frühen 1960er stammen, wurden sie zum Teil deutlich abgeändert, auch aus pädagogischen Gründen, zumindest nach den in den 1980ern geltenden Maßstäben. Regisseur Ulrich König strich etwa alle Szenen, in denen Pumuckl im Original etwa zur Strafe eingesperrt wurde. Dennoch: Der Umgang mit Alkohol und Zigaretten ist dann doch arg sorglos.

Pumuckl ist nicht nur einmal beschwipst

Nicht nur einmal ist der Kobold beschwipst von Kirschlikör oder nippt von Meister Eders Bier. Der grantige Handwerker spricht dem Gerstensaft ohnehin ziemlich zu. Keine Folge, in der nicht statt Wasser, Fruchtsaft oder Softdrink Bier an der Werkbank getrunken wird. Oder er genehmigt sich das eine oder andere Schnapserl beim Wirten ums Eck‘ und lässt Pumuckl alleine zurück.

An einer Zigarette muss Pumuckl erst ziehen, um festzustellen, dass ihm davon schlecht wird. Ich meine, der Kerl ist gerade einmal zehn Zentimeter groß! Und obwohl Pumuckl zwar kein Kind ist, wird er bisweilen wie eines dargestellt und ist für die kleinen Zuseher:innen selbstverständlich Vorbild und Identifikationsfigur. Mehr Anarchie im Kinderzimmer, von mir aus. Aber nicht unbedingt mit Nikotin und Alkohol. Vom pädagogisch doch sehr zweifelhaften Ansatz, Kinder erst alles probieren zu lassen, um zu merken, dass es ihnen nicht guttut, sind wir doch schon ziemlich weit entfernt.

Nein, „Pumuckl“ muss nicht gecancelt werden

Man muss „Meister Eder und sein Pumuckl“ nicht canceln, ganz und gar nicht. Sieht man sich die Serie mit Kindern an, muss man ihnen eben erklären, was da gerade passiert und dass das nicht nachahmenswert ist. Das mag mühsam sein, man muss sich die Zeit nehmen und kann nicht derweil Erdäpfel schälen gehen. Dafür gibt es Harmlosigkeiten wie „Paw Patrol“, die immer nach dem gleichen Schema ablaufen. Das kann man der alten Serie nicht nachsagen. Ellis Kaut selbst hat in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk eingeräumt, dass sie manches heute anders schreiben würde. Doch der Pumuckl bleibt unberechenbar, wie das Leben im Großen und Ganzen auch.

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