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„Romanticise your Life”: Der TikTok-Trend für einen schöneren Alltag

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Von: Helena Dimmel

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TikTok Trend Video Romanticise your Life auf Youtube und eine Frau auf einer Klippe
Der TikTok-Trend zum „im Moment leben“ begeistert viele Gen Zs, sorgt aber auch für Kritik. © YouTube/ Imago / YAY Images

„Romanticise your life“ („Romantisiere dein Leben“) versüßt der Gen Z den Alltag und verhilft zu mehr Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein.

„Romantisier’ die Sommersprosse auf deiner linken Arschbacke, oder dass du gerade bei Sonnenuntergang Tanken fährst. Mach aus jedem Moment eine gute Erinnerung. Fühl dich wie etwas Besonderes, weil du etwas Besonderes bist. Ich habe keinen Bock mehr auf diese Attitude, dass wir uns alle gegenseitig attackieren und sagen, dass unser Leben Niemanden interessiert“, schreibt User:in „uhrair“ in einem Twitter Post. 

Um was geht‘s in dem TikTok-Trend konkret?

Der TikTok-Trend „Romanticise your life“ steht dafür, im Moment zu leben, das Leben zu genießen und sich selbst wichtig zu nehmen. Anhänger:innen des Trends argumentieren, dass das „Romantisieren“ von mondänen Alltagsaktivitäten, indem man sie in Szene setzt oder mit besonderem Wert versieht, langfristig zu einer Steigerung der Lebensqualität führt. Der eigene Alltag soll in den Vordergrund gerückt und zelebriert werden.

Das Social Media Phänomen dient seit Beginn der Corona-Pandemie 2020 gerade Gen Zs, aber auch Millennials als Lebensmotto: So setzt es den Fokus zurück auf die schönen Dinge, den Genuss und die Unbeschwertheit, die vielen jungen Erwachsenen pandemiebedingt verwehrt wurde. Zwischen Social Distancing und der Schließung von Clubs, Bars und anderen Freizeiteinrichtungen liefert die Werthaltung ein wichtiges Instrument zur Selbstbestimmung für die junge Online-Community. 

Ein Trend, der das Rad nicht neu erfindet

Dabei ist „Romanticise your life“ kein neues Phänomen. In „How to become the main character of your life“-Tutorials (zu Deutsch: “Wie man der Hauptcharakter seines eigenen Lebens wird”) auf YouTube & Co findet sich eine Vielzahl von Anleitungen zum besseren Leben, die denen der klassischen Selbsthilfe-Literatur ähneln: Kerzen anzünden, gute Musik auflegen, Gesichtsmasken auftragen oder einfach mal durchschnaufen. „Die Main Character Energy“ (Hauptcharakter-Energie) gilt es zu bündeln, um im täglichen Leben der Hauptcharakter zu werden - ausgehend von der Philosophie, dass jede:r einzelne der/die Protagnost:in im Film seines/ihres Lebens ist. 

Form vor Funktion?

Wie alle Internet-Trends hat aber auch „Romanticise your life“ seine Tücken: So entspricht die auf Social Media in kleine Videoclips verpackte Repräsentation der Romantisierung im wesentlichen genau den Szenerien, die wir schon aus „Clean Girl“ und „That Girl“ kennen: weichzeichnenende Filter, ästhetisch in Szene gesetzte Matcha Lattes und aufblitzende Sixpacks auf der Yogamatte. Ob diese Darstellungen die Zuseher:innen motivieren oder erst recht dazu führen, dass der eigene wesentlich weniger ästhetische Alltag als minderwertig wahrgenommen wird, gilt es zu hinterfragen. Kritiker:innen werfen dem Trend jedenfalls vor, eurozentrisch und unrealistisch zu sein, beziehungsweise die von außen sichtbare Form über das tatsächliche Well-Being zu stellen.

Dass die #MainCharacterEnergy durchaus auch satirisch betrachtet werden kann, zeigt zudem die folgende Video-Compilation zur #MainCharacterChallenge:

Die #MainCharacterChallenge auf TikTok besteht im wesentlichen daraus, dass Menschen dramatische Erzählungen, stimmungsvolle Musik und nachdenkliche Blicke zu ansonsten normalen, alltäglichen Vlogs hinzufügen. “Das Leben ist ein Film und du bist die Hauptrolle. Geh ein Risiko ein! Nutze den Tag! Und bespiele all die anderen kitschigen Klischees, die Protagonist:innen in Coming-of-Age-Filmen sonst noch so predigen”, heißt es in der Beschreibung. 

Manche TikTok Trends sind nicht nur fragwürdig, sondern können wirklich gefährlich werden, wie etwa dieser Femizid-Trend.

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