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Museen geben Schädel und sonstige Gebeine zurück - auch in Österreich

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Von: Christian Kisler

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Montage: Zeremonie zur Rückgabe zweier Schädel an Vertreter:innen aus Hawaii; ein Schädel aus der Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien
Zwei Schädel wurden den Hui Iwi Kuamo’o aus Hawaii bei einer feierlichen Zermonie zurückgegeben. © Krisztian Juhasz/Naturhistorisches Museum/Matthias Röder/dpa/APA-PictureDesk

Nach der Restitution von Kunstwerken sollen gesammelte Schädel und andere Gebeine an die entsprechenden Länder zurückgegeben werden. Herangezogen wurden sie oft, um krude Rassentheorien aufzustellen. Jetzt hat das Naturhistorische Museum in Wien welche an Hawaii überreicht.

Und wieder ein Wort gelernt: Repatriierung. Ursprünglich hatte es zwei Bedeutungen. Zum einen bezeichnet man so im Zweiten Weltkrieg die Rückführung der in alle Himmelsrichtungen verstreuten Menschen in ihr jeweiliges Heimatland. Zum anderen versteht man darunter die Rückholung von kranken oder verletzten Personen aus dem Ausland. Mittlerweile benennt man so auch die Rückgabe von Schädeln und anderen menschlichen Überresten an die - oft indigenen - Völker, denen sie zu Kolonialzeiten geraubt wurden. Heute würde man von Grabschändung sprechen, im 17., 18., 19. Jahrhundert noch sahen sich die Entdecker:innen denen von ihnen gerade entdeckten Kulturen haushoch überlegen. Seien es die Maori in Neuseeland oder die Hui Iwi Kuamo’o auf Hawaii. Und so entnahmen sie einfach Schädel und andere verblichene menschliche Gebeine aus Grabstätten und brachten sie als Forschungsgegenstand nach Europa. Dort dienten sie nicht selten als Grundlage kruder Theorien für wie auch immer geartete „menschliche Rassen“. Was ja mittlerweile hinlänglich widerlegt wurde.

Bei der Rückgabe von in der Nazi-Zeit geraubter Kunst hat sich Österreich nicht mit Ruhm bekleckert

Restitutionen, also die Rückgabe von während des Nationalsozialismus enteigneten und geraubten Wertgegenständen, darunter viele Kunstwerke, findet seit einigen Jahrzehnten statt und wird bis heute aufgearbeitet. Wobei sich Österreich sich dabei nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert hat, nahmen die Dinge diesbezüglich doch erst 50 Jahre nach Kriegsende an Fahrt auf. Österreich hat sich ja bis weit in die 1980er als erstes Opfer von Hitler-Deutschland dargestellt. Der damalige Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) war 1991 der erste offizielle Vertreter des Landes mit dem A, der die von Österreicher:innen begangenen Verbrechen tatsächlich eingestand und dafür um Entschuldigung bat. Aber das weißt du ja hoffentlich (noch) aus dem Geschichtsunterricht.

Zurück zu den Überresten: Am 14. Februar übergab das Naturhistorische Museum (NHM) in einer feierlichen Zeremonie unter im Beisein von Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) zwei Schädel an Vertreter:innen der hawaiianischen indigenen Volksgruppe Hui Iwi Kuamo’o. Im 19. Jahrhundert landeten sie über Umwege in der anthropologischen Sammlung des NHM, nachdem sie zuvor im Zuge einer Plünderung von Grabstätten auf der Hawaii-Insel O‘ahu entwendet worden waren. Eine Veranstaltung mit Seltenheitswert. Dass das heutige Weltmuseum in Wien einen tätowierten Maori-Schädel an Vertreter aus Neuseeland zurückerstattete, liegt nämlich jetzt auch schon sieben Jahre zurück. Aufzuarbeiten gibt es angesichts der rund 3.000 menschlichen Überreste internationaler Herkunft, alleine in der Abteilung für Anthropologie des NHM, einiges. Immerhin: Ein diesbezügliches Forschungsprojekt ist der zuständigen Kuratorin Sabine Eggers zufolge im Gange.

Wie geht man mit der Sammlung von menschlichen Überresten um?

Objekte aus kolonialer Zeit finden sich nicht nur im Besitz des NHM, sondern auch anderer österreichischer Bundesmuseen. Wie man damit umzugehen hat, ist folgerichtig für alle Sammlungen ein Thema. Erst Ende Jänner wurde bekannt, dass dafür ein internationales und interdisziplinäres Gremium eingerichtet wurde, dessen Aufgabe es ist, Richtlinien für Österreich zu erarbeiten. Eilig hat man es damit allerdings ganz augenscheinlich nicht: Ergebnisse und Empfehlungen sollen im Frühjahr 2023, also erst in über einem Jahr, vorgelegt werden.

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