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Ein Schrottriese „marschiert“ in Wien als Mahnmal gegen Elektroschrott

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Von: Christian Kisler

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Der Schrottriese namens „Wertgigant“ am Wiener Schwarzenbergplatz
Der Schrottriese am Wiener Schwarzenbergplatz will auf die Unmengen Elektroschrott hinweisen, die wir täglich produzieren. © Eva Manhart/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Ein Schrottriese ist am Wiener Schwarzenbergplatz angekommen. Dort „marschiert“ er als Mahnmal gegen Elektroschrott vor dem sowjetischen Heldendenkmal.

Er ist sechs Meter groß und eine Tonne schwer. Der „Wertgigant“ getaufte Schrottriese wurde vom deutschen Künstler HA Schult geschaffen und besteht aus jener Menge an Elektroschrott, die in Österreich alle 20 Minuten produziert wird. Eine ganze Menge also. Der mittlerweile 83-jährige Schult selbst beschäftigt sich schon lange mit dem Thema Umwelt. Bekannt wurde er folgerichtig mit Skulpturen aus Müll, den sogenannten Trash People.

In dieser Tradition sieht er auch seinen Schrottriesen. Dieser ist nach Stationen in Deutschland und Linz in Wien angekommen und ist vor dem Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz quasi im Schritt eingefroren. Als Gegengewicht wird er von den russischen Soldaten am dortigen sowjetischen Heldendenkmal angestarrt.

Der Künstler arbeitet mit seinem Werk gegen Ausbeutung und Zerstörung der Umwelt

HA Schult zeigt sich über den Karriereweg seiner Skulptur zufrieden, wie er bei der Präsentation des „Wertgiganten“ in Wien zu Protokoll gab: „Er ist einer der populäreren Deutschen im Augenblick. Ein Botschafter für die Umwelt und gegen die Unkultur des Wegwerfens.“

Seit den 1960er Jahren engagiert sich der Künstler mit seinem Werk gegen die Ausbeutung und Zerstörung der Umwelt, allerdings damals noch recht allein auf weiter Flur. Daraufhin reagiert er mit einem Schulterzucken: „Bereits damals wussten die Politiker:innen: Wenn sie die Wahrheit sagen, werden sie nicht gewählt. Das war schon immer so. Aber nun hat die Wahrheit die Politiker:innen eingeholt.“

Der Schrottriese-Künstler ist beunruhigt

Was ihn beunruhigt, sind allerdings die aktuellen Entwicklungen, die er im Kampf für eine lebenswerte Umwelt sieht, allen voran den Krieg in der Ukraine. „Wir sehen gerade, dass auch die Kiddies mittlerweile den Mund halten, weil dieser Krieg uns von allem anderen ablenkt. Und die, die früher mit dem Thema Umwelt Wählerstimmen gefangen haben, rufen plötzlich nur mehr nach Panzern“, redet sich Schult in Rage gegen die deutschen Grünen. Widersprechen kann man ihm aber hinsichtlich des Engagements junger Menschen, angesichts der Klimakrise, siehe Fridays for Future oder Extinction Rebellion. Das fehlende Klimaschutzgesetz wiederum ist ein Schlag ins Gesicht der Jugend.

So oder so zieht HA Schulte für sich selbst Konsequenzen: „Wir müssen sehr laut kollektiv gegen das angehen, was wir derzeit an Dummheit machen.“ Umsonst ist der „Wertgigant“ nicht, er wird vom Geräteversicherer Wertgarantie finanziert. Dieser will damit die Zahlen einer von ihm beauftragten Studie anschaulich dargestellt wissen. Denn laut dieser Studie ergab die Befragung von 5.213 Verbraucher:innen, dass allein die österreichischen Haushalte im Jahr rund 27.500 Tonnen Elektroschrott produzieren. Da ist noch Luft nach oben. Oder nach unten.

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