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ServusTV: Alles, was ihr über de Privatsender wissen müsst

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Außenaufnahme des Green Towers, Sitz von ServusTV, und ein Logo von ServusTV
Hauptsitz von ServusTV nach Gerüchten, dass der Sender eingestellt werden soll. © Franz Neumayer/APA Picturedesk

Der Privatsender ServusTV begann seine Erfolgsgeschichte als Piratensender. Wie es dazu kam und wie der Sender heute aufgebaut ist, erfährt ihr hier.

Der Privatsender ServusTV zeigt viele Eigenproduktionen, welche vor allem die Genres Kultur, Kunst, Wirtschaft, Sport, Unterhaltung und Wissenschaft beinhalten.

ServusTV: Geschichte und Gründer

Die Geschichte von ServusTV begann im Jahr 1995 als lokaler Fernsehsender in Salzburg. Ferdinand Wegscheider und Christian Jörgner waren die beiden Gründer von Salzburg TV. Ferdinand Wegscheider hatte zuvor über mehrere Jahre hinweg für den ORF als Redakteur gearbeitet und den staatlichen Rundfunk als „zu eng“ für sich empfunden. Somit konnte er von Anfang an seine berufliche Erfahrung und Expertise in den neuen Privatsender mit einbringen, empfangbar war Salzburg TV zu diesem Zeitpunkt allerdings nur über Kabel.

Im Jahr 2000 wurde es Wegscheider erneut „zu eng“. Als Konsequenz installierte er am 25. Oktober seinen eigenen Privatsender, der von nun an auch über Antenne empfangen werden konnte. Wegscheider nutzte die Tatsache, dass bis dato keine gesetzliche Grundlage für privates terrestrisches Fernsehen existiert hatte. Ganze fünf Tage lang betrieb er seinen Piratensender, bevor ihn die Funküberwachung abschaltete, plombierte und beschlagnahmte. Daraufhin trat Wegscheider aus Protest zwei Wochen lang in Hungerstreik.

Das Jahr 2001 brachte dann die gesetzliche Grundlage für privates Antennenfernsehen, mit dem Jahr 2002 ging Salzburg TV ganz offiziell und ganz legal auf Sendung. Und so sollte Ferdinand Wegscheider als Pionier in die Geschichte des Privatfernsehens eingehen, der bereits sechs Jahre vor der Legalisierung des Privatfernsehens seinen eigenen Privatsender gegründet hatte.

Der Fernsehsender ServusTV und die Übernahme durch Red Bull

Wirtschaftlicher Erfolg war dem ersten Privatsender Österreichs nicht beschert. Um eine drohende Insolvenz abzuwenden, ging im Jahr 2004 ein Anteil von 95 Prozent an die Wirtschaftskammer, den Raiffeisenverband und die Spängler-Bank. Am 1. Jänner 2007 erwarb die Red Bull Media House GmbH diesen Anteil und änderte im Oktober den Namen des Privatsenders von Salzburg TV in ServusTV. Sowohl Ferdinand Wegscheider als auch Christian Jörgner verließen den Fernsehsender nach starken Differenzen im Frühjahr des darauffolgenden Jahres. Danach hielt Red Bull 100 Prozent der Geschäftsanteile.

2014 kehrte Wegscheider als Ressortleiter für Information und Aktuelles zurück, ab 2016 war er als Intendant für das Unternehmen tätig. Nach der Übernahme durch Red Bull ging ServusTV erstmals am 1. Oktober 2009 auf Sendung. Zielsetzung war, dem Zuschauer „niveauvolle Unterhaltung mit starker regionaler Schlagseite“ zu bieten. Die Themen „Heimat“ und „Alpenraum“ sollten in Form von Dokumentationen, Reportagen, Gesprächsrunden und Naturfilmen in den Vordergrund rücken.

Auch wenn der Fernsehsender viel Lob und Zuspruch erhielt, blieben die Zuschauerzahlen zumeist hinter den Erwartungen zurück. In den Jahren von 2012 bis 2015 schwankte der Zuschaueranteil gerade einmal zwischen einem und zwei Prozent. Zudem hatte ServusTV mit einer hohen Mitarbeiterfluktuation zu kämpfen.

Wie kann man ServusTV empfangen?

Das Vollprogramm von ServusTV ist in Österreich über alle Kabelnetzbetreiber verfügbar, zudem ist der Empfang in den urbanen Regionen auch digital-terrestrisch via DVB-T2-Empfangsgerät möglich. Wer ServusTV per Satellit empfangen möchte, sollte beachten, dass der Fernsehsender sein Programm seit 1. März 2016 österreichweit nur in verschlüsselter Form anbietet. Begründung: Die MotoGP-Rechte wurden nur für Österreich erworben. Um das Angebot des Privatsenders über Satellit nutzen zu können, benötigen Zuschauer eine ORF-Satelliten-Karte, eine Sky-Smartcard oder HD Austria.

Verschiedene Anbieter wie die Citycom Telekommunikation, Multimedia One, Planet Digital oder Telekom Austria bieten ServusTV ebenfalls über IPTV. Auf der Webseite des Privatsenders ist das Programm per Livestream verfügbar, noch bequemer ist die Nutzung per TV-Stick oder Streaming-Box. Verschiedene TV-Streaming-Apps wie Zattoo, Android TV, Samsung Tizen und Amazon Fire TV bieten ebenfalls die Möglichkeit, ServusTV zu empfangen.

Der Fernsehsender ServusTV und sein Programm

Bekannt ist der Privatsender ServusTV insbesondere für seine anspruchsvolleren Formate
wie „Talk im Hangar 7“, bei dem sich nationale und internationale Experten zum aktuellen Diskurs über Themen der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Gesellschaft treffen. 2014 erhielt der Privatsender den Robert-Hochner-Preis für eine politische Berichterstattung über Asylunterkünfte.

Der Fernsehsender bietet seinen Zuschauern eine breite Programmvielfalt, die von Magazinen und Nachrichten über Dokumentationen und Porträts bis hin zu Unterhaltung und Kultur reicht. Zu den beliebten TV-Formaten des Senders zählen:

Über das aktuelle Programm informierten Tageszeitungen, TV Zeitschriften sowie der ServusTV-Teletext. Wer ServusTV via Satellit oder Kabel empfängt, kann aktuelle Informationen dem Electronic Program Guide (EPG) entnehmen. Zudem bietet der Privatsender seinen Zuschauern die Möglichkeit, verpasste Sendungen in der Mediathek zu streamen.

ServusTV und seine sportliche Ausrichtung

Im Juni 2021 erreichte ServusTV mit 4,2 Prozent eine bis dato noch nie dagewesene Einschaltquote. Der Privatsender selbst erklärte diesen Zuwachs an Marktanteilen mit dem Senden von „zahlreichen Sportangeboten wie Formel 1, MotoGP oder dem Champions-League-Qualifikationsspiel des FC Salzburg“. Das Konzept, neben Dokumentationen und Magazinen auf Live-Übertragungen von Fußball, Motorsport und Eishockey zu setzen, hatte sich als erfolgreich erweisen. Bereits 2010 wurde Servus TV Programmpartner der Österreichischen Eishockey-Liga. Im Rahmen der Sendung „Servus Hockey Night“ bietet der Fernsehsender alle wichtigen News aus der Eishockey-Welt.

Auch im Motorsport begeistert der Fernsehsender in der Zielgruppe ab zwölf Jahren. 2021 konnte sich ServusTV in einer Partnerschaft mit dem ORF die Übertragungsrechte für die Formel 1 für weitere drei Jahre sichern. Vereinbart wurde, dass beide Sender jeweils eine Hälfte der Saison zeigen, das Highlight ‒ der Große Preis von Österreich ‒ wird von beiden Fernsehsendern ausgestrahlt. Neben der Formel 1 bietet ServusTV Live-Übertragungen der Rennen in der MotoGP und der Superbike-Saison. Die Sendung „Servus Sport aktuell“ präsentiert interessierten Zuschauern aktuelle Nachrichten aus der Welt des Sports. „Sport und Talk aus dem Hangar-7“ ergänzt Nachrichten zu verschiedensten Sportarten um gemeinsame Diskussionen mit Prominenten und Experten.

Der Fernsehsender ServusTV in der Kritik

Im Mai 2016 geriet Red Bull Media House in die Schlagzeilen, nachdem die Gründung eines Betriebsrates ins Gespräch gekommen war. Miteigentümer Dietrich Mateschitz erachtete einen solchen als „nicht gerade dienlich“ und drohte kurzerhand damit, alle Mitarbeiter:innen zu entlassen und den Sendebetrieb „aus wirtschaftlichen Gründen“ einzustellen. Nachdem sich daraufhin nahezu alle Mitarbeiter:innen schriftlich gegen einen Betriebsrat ausgesprochen und um einen Weiterführung des Senders gebeten hatten, lenkte der milliardenschwereChef ein und sah von einer Einstellung des Fernsehsenders ab.

ServusTV Mitbegründer Ferdinand Wegscheider äußerte sich in seinem nicht unumstrittenen Wochenrückblick „Der Wegscheider“ gern kritisch zum aktuellen Zeitgeschehen. Er selbst geriet in die Kritik, als er im Jahr 2020 während der Coronapandemie den Privatsender dazu nutzte, Corona zu verharmlosen und die Anti-Corona-Maßnahmen mit satirischem Spott in Lächerliche zu ziehen. So bezeichnete er unter anderem die Impfstoffe gegen Covid-19 als „Genspritzen der Impflobby, die an Menschen als Versuchskaninchen verabreicht werden, obwohl diese unzureichend getestet sind“.

Zuvor war Wegscheider bereits durch rechtspopulistische Äußerungen aufgefallen. Zu einer Diskussionsrunde zum Thema „Radikale Jugend: Wie gefährlich sind unsere Muslime?“ hatte der Privatsender den politischen Aktivisten Martin Sellner eingeladen, woraufhin drei der insgesamt fünf geladenen Gäste ihre Teilnahme mit der Begründung absagten, dass sie Rassismus und Islamfeindlichkeit keine Plattform bieten wollten.

Von Gabi Knapp

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