1. BuzzFeed.at
  2. Buzz
  3. Popkultur

Sissi, Sisi, Elisabeth: Die neue Serie über unsere Lieblingskaiserin ist zu sexy, die alte war viel zu süß

Erstellt:

Von: Christian Kisler

Kommentare

Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph und Romy Schneider als Elisabeth in „Sissi“ und Jannik Schümann Kaiser Franz Joseph und Dominique Devenport als Elisbeth
Karlheinz Böhm und Romy Schneider in „Sissi“ oder Jannik Schümann und Dominique Devenport in „Sisi“? © United Archives/ORF/Beta Film/RTL/Lukas Šalna/BuzzFeed Austria

Das Leben von Elisabeth, Kaiserin von Österreich-Ungarn, ist verfilmt worden, wieder einmal. Währen Romy Schneider in den 1950er Jahren „Sissi“ süß-kitschig in der gleichnamigen Heimatfilm-Trilogie anlegte, wird ihr Leben in der neuen Serie „Sisi“ bedeutend deftiger geschildert.

Nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges sehnte sich die österreichische Bevölkerung nach nichts mehr als einer heilen Welt. Nach einer Welt, in der unverdorbene Liebe, prächtige Landschaftsaufnahmen sowie tunlichst schöne, gepflegte und gesunde Menschen die Regel und nicht die Ausnahme sind. Die Welt ist streng in Gut und Böse aufgeteilt, Klischees werden nicht hinterfragt, sondern sind ausdrücklich erwünscht. Willkommen im Heimatfilm, einem Genre, das es außer in Österreich lediglich in Deutschland und der deutschsprachigen Schweiz gibt.

Wenn es nicht saftige Almen und geheimnisvolle Wälder sein durften, sondern die große Stadt, dann nicht die Trümmerhaufen, an denen die Menschen jeden Tag vorbeigehen mussten. Sondern Prunkbauten aus vergangenen Tagen, als Österreich noch ein Weltreich war und eigentlich Österreich-Ungarn hieß. Statt Förster, Jäger, Arzt, Pfarrer oder Bürgermeister diente kein Geringerer als der Kaiser als männliche Autoritätsperson, perfekt ausgeleuchtet, kostümiert und natürlich schön bunt in Farbe.

„Sissi“ als Trilogie mehr Fluch als Segen für Romy Schneider

Ich rede von einer Filmtrilogie, die zwischen 1955 und 1957 das erste Mal in den österreichischen und deutschen Kinos gelaufen ist und mit 20 bis 30 Millionen Zuschauer:innen in den Lichtspieltheatern zu den erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum zählen. Die Streifen „Sissi“, „Sissi – Die junge Kaiserin“ und „Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin“ machten die zu Beginn der Reihe gerade einmal 17-jährige Romy Schneider zum Star und stellten sich in weiterer Folge mehr als Fluch, denn als Segen heraus. „Das pappt mein Leben lang wie Grießbrei an mir“, soll sie später einmal gesagt haben, als sie sich längst als ernstzunehmende Schauspielerin in vorwiegend französischen Filmen etablieren hatte können.

Dabei haben die „Sissi“-Filme mit einem Biopic soviel zu tun wie „Der König der Löwen“ mit einer Doku über das Leben wilder Tiere in der afrikanischen Savanne. Sagen wir einmal so: Das Leben von Elisabeth wurde mit sehr viel künstlerischer Freiheit verfilmt. Das fängt schon damit an, dass weder Elisabeth sich selbst, noch ihr Umfeld sie jemals „Sissi“ genannt hatten. Sie war entweder „Sisi“, „Lisi“ oder eben „Elisabeth“.

Zuckerschock durch „Sissi“-Filme

Die drei Machwerke jedenfalls sind jedes für sich wahre Bonbonorgien, bunt und prächtig ausgemalt, weswegen ich nie auch nur mehr als zehn Minuten am Stück ausgehalten habe. Ich wäre sonst einem üblen Zuckerschock erlegen. Allein Romy Schneiders Kleinmädchenstimme und -gehabe haben immer wieder das Zeug, mich zur Aufgabe zu zwingen. Neben „Vom Winde verweht“ gehören die „Sissi“-Filme zu den Lieblingsstreifen meiner Mutter. Bei aller Liebe, da komm ich nicht mit.

Karlheinz Böhm als liebestoller Kaiser Franz Joseph wirkt neben seiner Filmpartnerin stocksteif - worin er dem Original womöglich recht nahekommt. Ähnlich wie seine Filmpartnerin Romy Schneider versuchte er später sein Image des imperialen Süßholzrasplers abzulegen. Er gab bereits 1959 in der britischen Produktion „Augen der Angst“ einen psychopathischen Frauenmörder, der den Augenblick des Todes mit einer Filmkamera festhält. Eigentlich visionär, bedenkt man, was heutzutage so alles gefilmt wird. Löste aber einen kleinen Skandal aus, was letztlich Böhms Karriere zumindest vorübergehend zum Stillstand brachte.

Kaiser Franz Joseph: Gefangener der „Försterchristel“

Kaiser Franz Joseph wurde dafür 1962 von Peter Weck im ebenfalls legendär harmlosen und was die Handlung anbelangt unfassbar an den Haaren herbeigezogenen Heimatfilm „Die Försterchristel“ dargestellt: Adeliger Herrscher wird im Wald beim vermeintlichen Wildern von resoluter Försterstochter nicht also solcher erkannt und kurzerhand dingfest gemacht - ein Missverständnis, das diesem gefällt und er auch nicht aufzuklären gedenkt. Einigermaßen weird.

Spätere Adaptionen des „Stoffs“, der eigentlich ja nicht weniger als das Leben eines im Großen und Ganzen unglücklichen Menschen zur Vorlage hat: „Sisi und der Kaiserkuß“ aus dem Jahr 1991 mit Sonja Kirchberger, einer der größeren finanziellen Flops der jüngeren deutschen Filmgeschichte. Die blutige Kurzfilmfantasie „Sisi auf Schloß Gödöllö“ von 1994. Nicht zu vergessen das Musical „Elisabeth“, bei dem ein personifizierter Tod eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Und als ob ein Musical nicht genug wäre, gibt es mit „Sissi - das Musical“ ein weiteres Singspiel aus dem Reich der Fantasie.

Parodie auf „Sissi“ und „Sisi“ als Film und Serie

Die animierte Parodie „Lissi und der wilde Kaiser“ von Michael „Bully“ Herbig kann man lustig finden, muss man aber nicht unbedingt. Xaver Schwarzenberg verfilmte Elisabeths Leben 2009 in einem TV-Zweiteiler unter dem Titel „Sisi“ - zumindest der war historisch korrekt, was man von der Handlung nicht unbedingt sagen kann. Und nun gibt es ganz genauso benannt - „Sisi“ nämlich - eine sechsteilige Serie, die sowohl im ORF als auch auf RTL ausgestrahlt worden ist.

Die Wogen gehen bei den Zuschauer:innen hoch, ist doch vom „Hurenkaiser“ die Rede, und auch sonst ist Sex ein nicht unbedeutender Bestandteil der Serie. Der Adel trieb es in der Serie, die sich wie alle bisherigen Verfilmungen viele erzählerische Freiheiten erlaubt, augenscheinlich ziemlich bunt. Eine zweite Staffel ist bereits in Auftrag gegeben, denn wie wir längst wissen: Sex sells.

Elisabeth als Vorbild für Hollywood-Diven

Dabei ist die Geschichte nüchtern betrachtet nicht ganz unproblematisch, handelt es sich bei Elisabeth um ein 16-jähriges Mädchen, das quasi zwangsverheiratet wurde, das auch noch mit einem schweren Neurotiker. Ein Mädchen, das bald kokainabhängig wurde, weil das damals ein gängiges und wohlgemerkt legales Mittel gegen Kopfschmerzen war. Kein Wunder, Elisabeth hungerte, um ihre Wespentaille zu halten, war stolz auf ihr meterlanges Haar und ließ schließlich die letzten fünf Jahrzehnte ihres Lebens kein Bild mehr von sich machen. Ein Beispiel, dem Hollywood-Diven wie Greta Garbo und Hedy Lamarr Folge leisten sollten.

Wer sich mehr oder weniger gut unterhalten lassen will und auf geschichtliche Spitzfindigkeiten keinen Wert legt, kann sich das alles zu Gemüte führen. Einen Gewinner aus all dem gibt es jedenfalls schon seit den alten „Sissi“-Filmen mit Romy Schneider: den österreichischen Tourismus. Der wirbt nämlich nach wie vor mit Elisabeth, Sisi oder Sissi und den von ihr bewohnten Gebäuden, und das höchst erfolgreich. History sells.

Auch interessant

Kommentare