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Eine Skulptur aus einer Million 1-Cent-Münzen vor dem Stephansdom ist das richtige Symbol in dieser Zeit

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Von: Christian Kisler

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Montage: der Wiener Stephansdom mit einer blaugelben Fahne mit dem Aufdruck „Stop War“, das Kunstwerk „Raising Hands“ vor dem Stephansdom
Der Stephansdom zeigt Flagge gegen den Krieg, davor wurde nun mit „Raising Hands“ aus einer Million 1-Cent-Münzen aufgestellt. Von links nach rechts: Dompfarrer Toni Faber, Bürgermeister Michael Ludwig, Künstlerin Julia Bugram, Bezirksvorsteher Markus Figl © Hans Ringhofer/APA-Picturedesk/Henning Klingen/Kathpress/BuzzFeed Austria

Vor dem Stephansdom in der Wiener City steht neuerdings eine beeindruckende Skulptur. „Raising Hands“ besteht aus einer Million 1-Cent-Stücken und ist ein Symbol der Hoffnung. Das können wir momentan dringend brauchen.

Auf das richtige Timing kommt es an. Das ist leicht dahin gesagt, weil in der Regel gar nicht so einfach. Manchmal aber kommt eines zum anderen, die Dinge fügen sich, ohne dass man gedrängt hat. Das ist auch bei einer dieser Tage am Stephansplatz präsentierten Skulptur am Stephansplatz so. Zwei überdimensionierte einander gebenden Hände aus nicht weniger als einer Million 1-Cent-Münzen sind gerade jetzt, in Zeiten der Klimakrise, der COVID-19-Pandemie und des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine das richtige Zeichen. Ein Zeichen des Friedens und der Hoffnung, wie es in Österreich bereits einige gibt.

3.800 Menschen haben an der Skulptur „Raising Hands“ mitgearbeitet

Dass das Kunstwerk „Raising Hands“ genau jetzt präsentiert worden ist, ist natürlich dem Zufall geschuldet, kommt aber zum richtigen Zeitpunkt. Den Anfang hat das Projekt bereits 2019 genommen, noch vor der Pandemie, und zwar mit einer von der WU Wien unterstützten Crowdfunding-Kampagne, die 27.001 Euro einbrachte. Dabei weist die Skulptur abgesehen von ihrem Symbolwert gleich mehrere Besonderheiten auf.

Initiiert wurde „Raising Hands“ zwar von der Künstlerin Julia Bugram, alleine hat sie das Werk aber nicht geschaffen. Vielmehr ist es ein partizipativ gestaltetes Kunstprojekt, wurde also gemeinschaftlich verwirklicht. 3.800 Menschen waren schließlich an der Entstehung der Skulptur beteiligt, die eine Million 1-Cent-Münzen musste händisch mit einem speziellen Kleber angebracht werden.

Allein die Münzen der Skulptur bringen 2,3 Tonnen auf die Waage

Der materielle Wert der Münzen beläuft sich dabei auf 10.000 Euro, sie allein wiegen 2,3 Tonnen. Zählt man die Trägerkonstruktion und das Podest dazu, sind wir bei einem Gewicht von drei bis vier Tonnen. Das trägt so schnell niemand davon, und ganz ehrlich, 1-Cent-Münzen sind ja auch eines der unbequemsten und unbeliebtesten Zahlungsmittel. Bis zumindest Mitte Juni nennt das Kunstwerk ein Eck der rechten Fassadenseite des Stephansdoms sein Zuhause. Danach soll es einen dauerhaften Ausstellungsort bekommen, laut Künstlerin Julia Bugram zeigt der neunte Wiener Gemeindebezirk Interesse. Dass die Kirche Flagge gegen den Krieg zeigt, sieht man schon an der blaugelben Fahne an einem der Gerüste mit der Aufschrift „Stop War“, also „Beendet den Krieg“.

Bei der Präsentation sprach Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) davon, die Skulptur „Raising Hands“ hätte „das Potenzial, ein zusätzliches Wahrzeichen der Stadt zu werden“. Bugram selbst erklärte, sie solle „solidarisches Handeln sichtbar machen“ und ein „Hoffnungszeichen für Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung“ setzen. Ludwig ergänzte: „Gerade jetzt kann Kunst uns Optimismus und Hoffnung vermitteln.“ Außerdem habe Kunst im öffentlichen Raum in Wien eine lange Tradition.

Hoffnung, Solidarität und ein wertschätzendes Miteinander benötigen wir jetzt am meisten

Wenn der Aufstellungsort für Aufregung sorgen würde, so begrüße er das, so Ludwig: Wenn es zu Diskussionen aufgrund des prominenten Aufstellungsplatzes kommen sollte, sei das nur gut: „Wenn es keine kontroversiellen Diskussionen über Kunst gibt, besteht die Gefahr, dass Kunst flach wird.“ Der Wiener Dompfarrer Toni Faber, quasi der Hausherr des Stephansdoms, würdigte die Skulptur als „gelungenes Beispiel, wie Kunst Hoffnung spenden und Menschen verbinden kann.“ Hoffnung, Solidarität und ein respektvolles, wertschätzendes Miteinander ist das, was wir alle derzeit am nötigsten haben.

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