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Ein Spider-Man als Musicaldarsteller? Andrew Garfield könnte mit seiner Engelsstimme sogar einen Oscar gewinnen

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Von: Sophie Marie Unger

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Andrew Garfield als Spider-Man in „Spider-Man 3D“ und als Hauptdarsteller von „Tick Tick Boom“.
Spider-Man-Star Andrew Garfield kann wirklich singen. Ob‘s für den Oscar reicht? (Fotomontage) © Interfoto/APA Picturedesk/BuzzFeed

Ein singender Spider-Man und eine dramatische Autobiografie bestückt mit deepen Botschaften haben Netflix dazu veranlasst, das Musical „Tick, Tick…Boom!“ ins Rennen um die Oscars zu schicken. Was wir dazu sagen, erfährst du hier.

Das Spider-Man-Game ist mit dem aktuellen Streifen „No Way Home“ grad wirklich strong. Er ist der zweitbeste US-Kinostart überhaupt und führte schon zu regelrechten Standig Ovations. Anyway, für Menschen (wie mich), die abgesehen von den schorfen Schauspieler:innen eher weniger auf Marvel, dafür aber mehr auf realitätsgetreue Geschichten stehen, ist vielleicht das neue Musical „Tick, Tick…Boom!“ ein guter Tipp. Der Film ist auch für Spider-Man-Freaks absolut sehenswert, denn Ex-Spider-Man Andrew Garfield spielt die Hauptrolle und das sogar so gut, dass er als Oscar-Anwärter hervortritt.

Hat der Hamilton-Autor mit dem neuen Netflix Streifen Oscar-Chancen?

Das autobiografische Musical „Tick, Tick…Boom!“ stammt aus der Feder von Lin-Manuel Miranda. Seinen Durchbruch feierte der geniale Kopf sicherlich mit dem Musical „Hamilton“, das seit sechs Jahren am Broadway in New York rauf und runter läuft. Schritt für Schritt wagte sich der Autor ans Filmbusiness heran. Obwohl er früher schon als Schauspieler in „How I met your Mother“ und „Modern Family“ zu sehen war, machte er sich zunächst mit der Musik für Disneys „Moana“ einen Namen. Mit „Tick, Tick…Boom!“ nimmt er erstmals auf dem Regiestuhl Platz und lässt sich auf Netflix ein.

Die Streaming-Plattform entschied sich sogar dafür, das Musical ins Rennen um die Oscars zu schicken. Doch hat der Debütfilm Chancen darauf? Folgende Gründe könnten dafür sprechen:

1. Die Handlung besticht durch die Metaebene

Um was geht‘s denn eigentlich? Im Mittelpunkt der Story steht Bühnenautor Jonathan Larson (Andrew Garfield). Seit sieben Jahren schreibt er nun schon an dem utopischen Musical „Superbia“, das den Broadway revolutionieren soll. Verbissen hält das Musikgenie an seinem großen Traum fest, obwohl er in wenigen Tagen 30 wird und große Zweifel an seinem bisherigen Lebensstil hat. Um seinen Traum zu verwirklichen, schuftet er nebenbei als Kellner, schreibt, überarbeitet und komponiert Tag und Nacht. Zwischendurch holen ihn immer wieder die Probleme des Alltags als Künstler ein.

Das Stück basiert auf einem autobiografischen Rock-Monolog von Jonathan Larson. Es wurde in den 1990ern sogar schon einmal als One-Man-Show aufgeführt. Larson stand selbst auf der Bühne und sang über seine Ängste, Anstrengungen, Frustrationen und Hoffnungen. Künstler:innen können sich sicherlich leicht mit der Handlung identifizieren- vor allem jetzt gerade, wo sie mit zusätzlichen Hürden während der Pandemie zu kämpfen haben.

2. Andrew Garfield und Vanessa Hudgens haben Engelsstimmen

Die Besetzung überrascht mit teils altbekannten Gesichtern, die in ihren Rollen vollkommen aufgehen. Da wäre etwa Ex-Spider-Man Andrew Garfield, der sich gesanglich ein Jahr auf das Musical vorbereitete. Das hat sich extrem gelohnt, denn er performt nicht nur wahnsinnig gut, sondern singt wirklich selbst. Zudem lernte er in nur einem Jahr, Klavier zu spielen. Also in dieser Hinsicht bleibt er auf jeden Fall ein Superheld.

Auch Vanessa Hudgens darf wieder einmal gelobt werden. Die semi-guten Netflix-Weihnachtsfilme kratzen deutlich an ihrem Image und dagegen musste sie etwas tun. Dass sie singen kann, wissen wir ja bereits aus der High School Musical-Reihe. Aber diesmal hat sie es echt geschafft, auch wirklich ernstgenommen zu werden.

3. Ein Musical für Nicht-Fans

Neben Ex-Spider-Man Andrew Garfield, der bestimmt den ein oder anderen Nicht-Musical-Fan mit an Bord holt, überzeugt der Film schlichtweg durch seine Realitätsnähe. Herrlich sind beispielsweise die Szenen aus einem WG-Alltag. Sie erzählen von durchgefeierten Nächten, welche am Morgen eine Flut an Bierflaschen und schlafenden Menschen auf dem klebrigen Boden hinterlassen. Auch der Herz-Schmerz kommt nicht zu kurz: Jonathans Freundin Suzanne will mit dem 30-jährigen Jon ein seriöseres Leben beginnen, doch der kann sich nicht einmal den Strom leisten. Generell kennen wir Mit-Zwanziger-Menschen die Krise, wenn wir auf die 30 zugehen und Angst haben, bisher zu wenig getan zu haben - der Film spricht mir daher aus der Seele.

Das Gefühl, dass die Zeit davonrinnt, wird durch seriöse Themen verstärkt. So wird etwa die Krankheit AIDS und die Diskriminierung von Homosexuellen, sowie der Tod eines geliebten Menschen aufgegriffen. Trotz allem, wirkt der Film nicht schwermütig, sondern eher motivierend.

4. Hommage an Steven Sondheim und Jonathan Larson

Neben allen bisher geschilderten Aspekten bringt der Regisseur Miranda auch noch subtile Danksagungen unter. Und zwar an Jonathan Larson selbst, der ja mit seinem Leben überhaupt erst den Stoff und die Originalversion des Werks lieferte. Der Musical- und Theaterautor starb mit 35 Jahren überraschend am Tag der Uraufführung seines Werkes „Rent“. Wie Musicalfans wissen, wurde das Stück zum Welterfolg, den Ruhm dafür erlebte Larson aber nie.

Der Film wirkt zusätzlich - wenn auch ungewollt, weil er schon kurz zuvor erschien - als Nachruf, denn auch Steven Sondheim (gespielt von Bradley Whitford) tritt als Schlüsselfigur auf. Er ist einer der wenigen, der an Larson glaubte, und ihm wohl die nötige Energie zum Weiterschreiben gab. Der echte Sondheim, Komponist von Musicals wie „West Side Story“ und „Sweeney Todd“, starb vor wenigen Wochen.

5. Die Musik

Mir persönlich hat die Musik wirklich gefallen. Die fantastische Eröffnungsnummer „30/90“ zieht sich durch den gesamten Film und bleibt somit im Ohr. Auch der Song „Sunday“ hat es bereits in eine meiner Spotify-Playlists geschafft. Er parodiert einen Sonntagsbrunch im Diner und ist wirklich köstlich. Miranda gelingt es zudem echt gut, eine Balance zwischen Hauptnummern und Hintergrundmusik zu finden.

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