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Was Spotify mit einem Militär-Startup zu tun hat und wieso das den User:innen gar nicht gefällt

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Von: Christian Kisler

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Spotify-Gründer Daniel Ek in Stockholm, Schweden, vor dem Logo von Spotify
Spotify-Gründer Daniel Ek steht in der Kritik, in Militär-Software investiert zu haben. © Lars Pehrson/TT News Agency/APA-PictureDesk

Schlechte Konditionen für Künstler:innen, aber 100 Millionen Euro in Künstliche Intelligenz fürs Militär investieren: Spotify-Gründer Daniel Ek weiß, wie man sich immer unsympathischer macht.

Spotify ist für User:innen in erster Linie eines: ungeheuer praktisch und bequem. Fast die ganze Welt der Musik auf deinem Handy, ohne die digitalisierte Sammlung vorher raufladen zu müssen. Außerdem ohne stundenlang im Plattenladen herumstöbern zu müssen, einfach neues entdecken. Und du musst neben deinem Mobiltelefon nicht mehr ein zusätzliches Gerät mit dir herumtragen, wie etwa einen iPod oder früher Discman oder gar Walkman. Alles super also? Eher nicht.

Dass diejenigen, die die Musik zu verantworten haben, letztlich also die Musiker:innen und Künstler:innen, mit lächerlichen Beträgen im Cent-Bereich pro gestreamtem Stück abgespeist werden, ist leider keine Neuigkeit mehr. Auch dass man sich ursprünglich nur als Inhaber:in eines Facebook-Accounts bei Spotify anmelden konnte, verärgerte viele. Zumindest gibt es dieses Problem nicht mehr.

Spotify-Gründer: 100 Millionen Euro für Militär-Software

Aktuell sorgt Spotify-Gründer und -CEO Daniel Ek höchstpersönlich wieder für Aufregung. Er steckte über sein Investitionsunternehmen Prima Materia 100 Millionen Euro in das Münchener Start-up Helsing. Bis dahin nicht außergewöhnlich, es ist nicht die erste Anlage Eks. Was viele Spotify-User:innen nicht leiwand finden: Was genau Software-Hersteller Helsing produziert.

Nämlich eine Künstliche Intelligenz (KI), die Daten aus den Sensoren von Militärfahrzeugen und anderer entsprechender Technik auswertet. So sollen militärische Ziele besser eingeordnet und Gefechtslagen genauer eingeschätzt werden können. Überspitzt ausgedrückt: Kriegsführung soll so vereinfacht werden. Sehr sympathisch.

Helsing verteidigt seine Software

Die Zielgruppe ist damit klar umrissen. Armeen, Waffenhersteller, Sicherheitsdienste und -behörden. Dabei lege man großen Wert darauf, dass die KI nicht in falsche Hände gerate. Mehr noch: Helsing habe sich zum Ziel gesetzt, demokratische Systeme zu stützen. Dass diese allerdings zerbrechlich sind und leicht ins Wanken gebracht werden können, hat das Start-up hoffentlich bedacht. Ansonsten könnte mit der KI leicht Schindluder getrieben werden.

Ganz uneigennützig hat Spotify-Gründer Ek seine 100 Millionen Euro freilich nicht investiert. Denn dafür erhält er einen Sitz im Vorstand von Helsing. Das schmeckt vielen gar nicht, ganz und gar nicht. Unmittelbar nach Bekanntgabe von Eks Investition via Twitter wurde eine Boykottwelle losgetreten, im Rahmen derer aufgerufen wird, dein Spotify-Abo zu kündigen. „Heute scheint ein guter Tag zu sein, mein Spotify-Abo zu kündigen“, war eine der ersten Reaktionen.

Umstrittener Einsatz von Künstlicher Intelligenz fürs Militär

Nicht umsonst ist der Einsatz von KIs bei militärischen Operationen höchst umstritten und wirft ethische Fragen auf: Soll ein Computer im Härtefall über Leben und Tod entscheiden können? Das und Spotifys mickrige Auszahlung an Künstler:innen, mit denen ja nicht schlecht verdient wird, sorgt für Entrüstung. Musik und Krieg gehören nicht zusammen, so der einhellige Tenor.

Daniel Ek, aber auch Helsing versuchen, zu beruhigen und betonen die ethischen Grenzen, die man sich selbst gesetzt hätte. Und, dass diese spezielle KI zu einer blühenden Gesellschaft beitragen würden. Auf Twitter lässt man sich dadurch nicht beschwichtigen, eher im Gegenteil. Freilich sind die paar Kündigungen im Verhältnis zu aktuell 172 Millionen Abonnent:innen alleine 2021 wirtschaftlich unbedeutend. Das ohnehin bereits ramponierte Image Eks hat so aber noch ein paar Kratzer mehr bekommen.

Auch Zalando-Macher haben investiert

Ek ist selbstverständlich nicht der Erste, der in Helsing investiert hat. Bereits 2020 haben Robert Gentz und Rubin Ritter in das Software-Start-up investiert. Sie sind ebenfalls keine Unbekannten, sie leiten den Mode-Versandhandelsriesen Zalando. Wie hoch ihre Finanzspritze war, wurde nicht gesagt. Auch die Aufregung hielt sich in Grenzen. Fashionistas sind wohl weniger leicht reizbar wie Musik-Liebhaber:innen.

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