1. BuzzFeed.at
  2. Buzz
  3. Popkultur

Spotify reagiert viel zu langsam auf die Vorwürfe wegen Fehlinformationen zu COVID-19

Erstellt:

Von: Christian Kisler

Kommentare

Das Logo von Spotify auf einem Smartphone
Spotify versucht die Wogen zu glätten © Soumyabrata Roy/NurPhoto/IMAGO

Nicht zuletzt wegen Fehlinformationen rund um COVID-19, die über den Podcast von Joe Rogan verbreitet worden sind, stand Spotify jüngst in Kritik. Nun reagiert man auf die Vorwürfe, wenn auch nur zögerlich.

Vorwürfe anhören durfte sich die Streamingplattform Spotify in der Vergangenheit schon einige. Dagegen kann der schwedische Konzern auch schlecht was sagen, sind sie doch nicht aus der Luft gegriffen. Die Audioqualität ist durch das Komprimieren der Musik ganz schlecht, auch verglichen mit der Konkurrenz, sei es Tidal, Amazon oder Apple Music. Das gilt auch für die Vergütung der abgespielten Musik, von der sogar halbwegs erfolgreiche Künstler:innen am Endes des Jahres bestenfalls ihre Telefonrechnung zahlen können - für einen Monat. Auch dass Gründer Daniel Ek in ein Militär-Start-up investiert hat, gefiel vielen so gar nicht.

Die letzte Kontroverse schlug aber höhere Wellen, als Spotify recht sein konnte. Auf dem immens erfolgreichen Podcast des Stand-up-Comedians und Mixed-Martial-Arts-Kommentators Joe Rogan sind Menschen aus allen möglichen Themenbereichen zu Gast und können dort recht frei plaudern. Meist ist das ganz unverfänglich. Bis eben mit der COVID-19-Pandemie die Leugner:innen auftauchten, die auch in der „Joe Rogan Experience“ zu Wort kamen. Der Virologe und Immunologe Robert Malone etwa vertrat dort die Ansicht, dass die Gesellschaft hypnotisiert worden sei, um an die „Lüge“ Corona zu glauben und dass die Maßnahmen gegen die Pandemie mit dem Holocaust vergleichbar wären.

Spotify löscht Neil Youngs Musik

Neben 270 Wissenschafter:innen, Ärzt:innen, Physiker:innen, Professor:innen und Krankenpfleger:innen, die sich darüber in einem offenen Brief darüber beschwerten, wurde auch Altmusiker Neil Young laut. Er forderte seine Plattenfirma auf, all seine Musik von Spotify zu entfernen, solange Rogan dort Fehlinformationen verbreitet. „Sie können entweder Rogan oder Young haben. Nicht beide“, heißt es in dem Schreiben. Und Spotify hat sich entschieden: Der Konzern hat zügig damit begonnen, den über fünfzig Jahrzehnte umfassenden Katalog Stück für Stück zu löschen.

Joe Rogan darf also weiter wüten, wenn auch mit Einschränkungen. Spotify will jeden Beitrag, bei dem COVID-19 zur Debatte steht, mit einem Hinweis versehen, der weiterführende Informationen enthält und Schwurbler:innen so das Leben schwer machen soll. Auch die hauseigenen Regeln wurden veröffentlicht, wonach etwa das Leugnen von Corona untersagt ist. Rogan selbst hat sich ebenfalls in einem für seine Verhältnisse in ernstem Tonfall gehaltenem Video zu Wort gemeldet und versprochen in Zukunft mehr auf Ausgewogenheit bei der Auswahl seiner Gäste zu achten. Alles ganz nett, aber auch sehr halbherzig. Warum? Weil sich Spotify die exklusive Bereitstellung Joe Rogans Show rund 100 Millionen US-Dollar, umgerechnet etwa 89 Millionen Euro kosten hat lassen. Das verpflichtet.

Spotify verliert Künstler:innen und User:innen

Derweil haben immer mehr User:innen angekündigt, zur Konkurrenz wechseln zu wollen, sogar die einstigen Royals Harry und Meghan haben ihr Besorgnis über Fehlinformation auf Spotify ausgedrückt. Innerhalb von wenigen Tagen verlor die Aktie des Streaminganbieters zwei Milliarden US-Dollar an Wert. Und immer mehr Künstler:innen wollen es Neil Young gleich machen und von Spotify verschwinden.

Was sich nicht immer ganz einfach gestaltet, weil die Rechte meist nicht bei den Musiker:innen selbst liegen. Deswegen kann es passieren, dass eine Band auf Spotify selbst dazu auffordert, die App zu löschen und im gleichen Atemzug erklären muss, dass sie nur schwierig von dem Konzern loskommt. Wieder andere, wie etwa Neil Youngs ehemaliger musikalischer Wegbereiter Dave Crosby, wünschen sich nichts mehr, als dass ihre Songs nicht mehr auf Spotify verfügbar sind, sind aber auf die Gnade anderer angewiesen, haben sich doch die Rechte längst verkauft. Was in letzter Zeit ein ziemlicher Trend war und sich jetzt rächen könnte.

Wer letztendlich davon profitieren könnte, sind Spotifys Mitbewerber, Tidal, Amazon, Apple Music, Deezer und viele mehr. Allerdings könnte der große Wechsel genauso ausbleiben wie vor einem Jahr von WhatsApp auf Signal. Unterschätze nie die Bequemlichkeit der User:innen.

Auch interessant

Kommentare