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Ein Podcaster sorgt mit Corona-Fake-News auf Spotify für Aufregung

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Von: Christian Kisler

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Montage: Spotify-Logo, Podcaster Joe Rogan
Joe Rogan verbreitet auf Spotify mit seinem Podcast Fake-News. © Lionel Bonaventure/AFP/Credit Chris Haston/Everett Collection/APA-PictureDesk

Der US-Comedian Joe Rogan ist beliebt, sehr sogar. Auf seinem Podcast auf Spotify treibt er es jetzt aber zu weit, verharmlost er doch Corona und lässt Leugner:innen zu Wort kommen. Die Aufregung ist groß, Musiker:innen wie Neil Young stellen Spotify ein Ultimatum.

Vielleicht hast du von dem Mann ja noch nie gehört, aber Joe Rogan ist einer der weltweit erfolgreichsten und einflussreichsten Podcaster. Seiner Show „The Joe Rogan Experience“ lauschen pro Ausgabe elf Millionen Menschen. Nur konsequent, dass sich die Streamingplattform Spotify 2020 die Exklusivrechte an seiner Show sicherte, inklusive aller Folgen, die zu diesem Zeitpunkt elf Jahre zurückreichten. Für mehr als 100 Millionen Dollar. Rückblickend ein Pappenstiel für einen der meistgehörten Podcasts der Welt.

Joe Rogan war immer schon umstritten

Joe Rogan erfreut sich also großer Beliebtheit. Bevor er 2009 seine Karriere als Podcaster startete, hatte er sich schon als Stand-up-Comedian und Mixed-Martial-Arts-Kommentator einen Namen gemacht. Er hatte Shows kommentiert, sich für die Legalisierung von Cannabis eingesetzt und den Einsatz von LSD und psilocybinhaltigen, also psychoaktiven Pilzen eingesetzt. Außerdem ist er Hobbyjäger und Teil der Bewegung „Eat What You Kill“. Bis er 21 war, war er selbst als Mixed-Martial-Arts-Sportler tätig, auf nationaler Ebene sogar sehr erfolgreich. Rogan ist also kein Unbekannter, im Gegenteil.

Er selbst bezeichnet sich als libertär mit linkem Einschlag und unterstützte etwa den US-Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders. Sein Publikum ist aber eher konservativ, zumindest in den USA. Und jung sowie tendenziell leicht beeinflussbar. Umso schlimmer also, wenn er während der COVID-19-Pandemie einen ausgewiesenen Schas von sich gibt. Junge und gesunde Menschen etwa sollten sich nicht impfen lassen. Das zog er nach Protesten von offizieller Stelle wieder zurück und bezeichnete sich selbst als „Trottel“ und „keine respektable Informationsquelle“.

Als er positiv getestet wurde, behandelte sich Rogan selbst

Allerdings legte Joe Rogan kurz darauf nach: Nachweise wie Impfpässe etwa, würden die Bevölkerung „einen Schritt näher zur Diktatur bringen“. Als er im Herbst selbst positiv getestet wurde und an Corona erkrankte, setzte er auf Selbstmedikation und posaunte das auch öffentlich hinaus. Dabei setzte er unter anderem auf Vitaminpräparate und das Pferdeentwurmungsmittel Ivermectin, das nachweislich mehr Schaden als Nutzen anrichten kann.

Erste ernsthafte Proteste gegen seinen Podcast „The Joe Rogan Experience“ wurden Mitte Jänner laut, als 270 Wissenschaftler:innen, Ärzt:innen, Physiker:innen, Professor:innen und Krankenpfleger:innen einen offenen Brief an Spotify schickten. Rogan verbreite nachweislich falsche und die Gesellschaft negativ beeinflussende Behauptungen. Spotify möge doch Fehlinformationen kenntlich machen. Grund wären allgemein Falschmeldungen Rogans zur Corona-Pandemie und den dagegen gesetzten Maßnahmen.

Krude Verschwörungstheorien auf Spotify

Eine Episode wurde im Besonderen hervorgehoben: In dieser Folge war der ohnehin verschriene Virologe und Immunologe Robert Malone zu Gast. Er durfte unkommentiert seine kruden Ansichten von sich geben, etwa dass die Gesellschaft von ihren Machthaber:innen hypnotisiert worden sei. Oder, noch viel schlimmer, dass die COVID-19-Maßnahmen mit dem Holocaust gleichzusetzen seien. Nicht zuletzt wegen Aussagen wie dieser war Malone von Twitter gesperrt worden. Umso heftiger, dass ihm von Joe Rogan in dessen Podcast ein Forum geboten wurde.

Dieser Tage hat sich mit Neil Young auch ein seit Jahrzehnten erfolgreicher Musiker zu Wort gemeldet. In einem mittlerweile wieder gelöschten Brief auf seiner Website wies er sein Management und seine Plattenfirma an, seine Musik von Spotify zu entfernen, solange Joe Rogan dort ungehindert seinen Quargel verbreiten kann. „Sie können entweder Rogan oder Young haben. Nicht beide“, heißt es in dem Schreiben. Auf Spotify würden  „Falschinformationen über Impfungen verbreitet - potenziell tödlich für jene, die diese Fehlinformationen glauben.“

Spotify missachtet die eigenen Regeln

Auch wenn Neil Young monatlich „nur“ gut sechs Millionen Hörer:innen aufweisen kann, im Gegensatz zu den elf Millionen, die sich im Schnitt eine Folge von Joe Rogans Podcast reinziehen: Spotify tut gut daran, etwas gegen das Problem zu unternehmen. Erst letztes Jahr, als auch bekannt wurde, dass Gründer Daniel Ek in ein Militär-Start-up investieren würde, verkündete man vollmundig: dass jeglicher Inhalt verboten sei, der „gefährlich falsche oder gefährlich betrügerische beinhalte, der Schaden verursachen und/oder eine direkte Bedrohung für das Gesundheitswesen darstellen“ könnte. Beim nächsten Podcast, den du dir auf Spotify anhörst, könntest du das im Hinterkopf behalten.

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