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Telegram sperrt erstmals Schwurbler:innen - spät, aber doch

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Von: Christian Kisler

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Ein Smartphone mit Telegram-Logo, Gegner:innen der Corona-Maßnahmen in Wien
Telegram hat einige Gruppen und Kanäle gesperrt, auf denen Verschwörungstheorien rund um COVID-19 verbreitet werden und zu Demos aufgerufen wird. © Udo Herrmann/ChromOrange/Isabelle Ouvrard/SEPA.Media/APA-PictureDesk

Telegram ist unter jenen, die gerne Verschwörungstheorien verbreiten, äußerst beliebt. Der Messenger-Dienst lässt sie frei walten. Nun wurden einige Kanäle und Gruppen gesperrt.

Willst du dich über Online-Dienst mit deinen Freund:innen, Kolleg:innen oder Verwandten austauschen, hast du die Qual der Wahl. WhatsApp, Signal oder der Messenger von Facebook funktionieren alle ähnlich. Du kannst Nachrichten, Bilder, Videos und andere Anhänge senden und kannst Gruppen bilden. Gefürchtet sind jene, in denen deine Onkel und Tanten im gefühlten Minutentag gar nicht mal so witzige Bildchen und Sprüche verschicken. Austreten ist nicht, sonst musst du bei der nächsten Familienfeier unangenehme Fragen beantworten oder wirst gar enterbt.

Telegram ist anders und wird auch nicht als reiner Messenger-Anbieter gehandelt, sondern hat zudem Züge eines sozialen Netzwerks, ähnlich wie etwa Facebook oder Instagram. Auch hier gibt es Gruppen, die ein wenig ausarten können, was die Anzahl der Mitglieder anbelangt: bis zu 200.000 nämlich. Im Gegensatz zu WhatsApp und Signal wartet Telegram auch mit sogenannten Kanälen auf, die von einzelnen Personen entweder öffentlich oder privat betrieben werden und denen man folgen kann, mal mit der Möglichkeit, das Gepostete zu kommentieren, mal nicht. Wer dem jeweiligen Kanal folgt, können die Betreiber:innen nicht einsehen. Eine Teilnehmer:innengrenze gibt es auch nicht.

Telegram-Nutzer:innen können unbehelligt frei walten

Dabei gibt es einen riesengroßen Unterschied zur Konkurrenz, seien es Messenger- oder Social-Media-Dienste: Das in Russland gegründete Telegram lässt seine Nutzer:innen frei walten, überwacht und löscht oder sperrt kaum Gruppen, Kanäle oder einzelne Personen. Das ist gut, wenn sich Protestbewegungen in totalitären Regimes wie dem Iran oder in Belarus organisieren. Schlecht ist es aber, wenn Rechtsextreme und Coronamaßnahmengegner:innen ungehindert ihren Müll absondern dürfen oder zur Gewalt aufrufen.

Zwar steht in den Nutzungsbedingungen, dass Gewaltaufrufe verboten sind, aber wo sich niemand darum schert, was abgeht, können natürlich Morddrohungen gepostet werden. Falschmeldungen, wonach etwa Impfungen unfruchtbar machen oder gar tödlich sind, stehen in einschlägigen Gruppen und Kanälen sowieso an der Tagesordnung.

Täglich Gewaltaufrufe in Telegram-Gruppen und -Kanälen

In deutschsprachigen Telegram-Angeboten kommt es tagtäglich zu Drohungen gegenüber öffentlichen Personen. Das schaukelt sich nicht nur online auf, sondern auch im wirklichen Leben. Das zeigen im Wochenrhythmus die Querdenker:innendemos in Österreich, die fast ausschließlich auf Telegram organisiert werden.

Jetzt wurde bekannt, dass mindestens sechs Gruppen und Kanäle in Deutschland gesperrt wurden, in denen besonders reichweitenstark Verschwörungstheorien rund um COVID-19 verbreitet werden. Das klingt auf den ersten Blick wie der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein, ist aber angesichts des zögerlichen Handelns von Telegram ein großer Schritt. Für gewöhnlich reagiert das Unternehmen überhaupt nicht auf Anfragen, Bitten oder Klagsdrohungen, was sicher auch dem Umstand geschuldet ist, dass man den Firmensitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat.

Nur iPhones und Android-Geräte von Telegram-Sperre betroffen

Interessant ist, dass nur iPhones, iPads und andere Geräte, die unter iOS laufen sowie Android-Geräte betroffen sind. Über Desktopvarianten auf Laptop oder Standrechner kann man sehr wohl noch auf die eigentlich gesperrten Inhalte zugreifen. Das hat einen Grund: Telegram ist davon abhängig, dass die App über Googles Play Store, der auf Android-Smartphones installiert ist und Apples App Store - also iPhone und Co - heruntergeladen wird.

Allerdings haben sowohl Apple als auch Google in der Vergangenheit immer wieder damit gedroht, die App aus ihren Angebotslisten zu entfernen, wenn Telegram das Problem mit den Falschmeldungen und den Gewaltaufrufen nicht in Griff bekommt. Telegram hat also tatsächlich einmal auf Druck von außen reagiert. Ob auf das gesperrte halbe Dutzend Gruppen und Kanäle weitere folgen, bleibt zu hoffen.

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