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„Austropop hat starke theatralische Elemente“: Die neue Austropop-Ausstellung geht durch die Decke

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Von: Christian Kisler

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Ausstellungsraum im Theatermusuem der Ausstellung „Austropop - von Mozart bis Falco“ mit Falco als Amadeus und vielen bunten elektrischen Gitarren
Falco darf in der Austropop-Ausstellung im Theatermuseum natürlich nicht fehlen. © KHM-Museumsverband

Austropop im Theatermuseum? Unter der neuen Direktorin Marie-Theres Arnbom will sich das Haus öffnen und mehr Menschen ansprechen, wie sie im Interview verrät.

Theater an sich ist ja etwas Flüchtiges, das sich in einem Museum nur schlecht abbilden lässt. Auf einer anderen Ebene kann man sich mit den darstellenden Künsten aber sehr wohl aussetzen. Das mag für dich jetzt sehr schnarchnasig klingen, ist es aber nicht. Das beweist die neue Ausstellung „Austropop - von Mozart bis Falco“, mit der das Wiener Theatermuseum neue Wege gehen will.

Das zeigt sich schon an der Präsentation, wenn du auch den Blick nach oben an die Decke richten solltest. Oder mit Karaoke im Museum. Und schließlich lässt sich Musik ja eigentlich ebenso wenig wie Theater festmachen. Ist ein Stück oder ein Song aus, war‘s das. Wie das Thema Austropop aber zeigt, funktioniert das im Theatermuseum ganz wunderbar. Im ausführlichen Interview mit BuzzFeed Austria hat die neuen Direktorin Marie-Theres Arnbom verraten, wieso die erste Schau unter ihrer Leitung ausgerechnet Austropop behandelt und was TikTok mit Theater zu tun hat.

Die Ausstellung „Austropop - von Mozart bis Falco“ ist Ihre erste als Direktorin des Theatermuseums. Warum gerade dieses Thema?

Wir wollen das Haus öffnen, Musik einen größeren Stellenwert geben und Themen beleuchten, die einer breiteren Öffentlichkeit näher sind. Austropop in unserer weiter gefassten Definition eignet sich dafür in idealer Weise und vereint historisches Material aus unseren Sammlungen mit Gustostückerln aus den Sammlungen der Austrop-Opern.

Wie passt Austropop eigentlich in das Theatermuseum? Welche Überschneidungen gibt es da mit darstellender Kunst?

Austropop hat starke theatralische Elemente - denken Sie an Drahdiwaberl oder die EAV. Und auch bei den jungen aktuellen Gruppierungen findet sich viel Theatralisches. Thematisiert werden auch Mozart, Schikaneder und Nestroy.

Inwiefern sind Mozart, Schikaneder und Nestroy Austropop?

Sie alle waren Revolutionäre, haben sich gegen die bestehenden Regime zur Wehr gesetzt - sei es Mozart gegen den Fürsterzbischof Colloredo oder Nestroy gegen das Zensur-Regime Metternichs. Und sie wurden populär: Die Zauberflöte zählt zu den Standardwerken, ihr Librettist Schikaneder war zugleich der erste Papageno. 2016 widmeten die Vereinigten Bühnen ihm ein eigenes Musical und präsentierten Schikaneder als wahren Popstar seiner Zeit.

Was ist für Sie der doch sehr schwammige Begriff „Austropop“?

Austropop als Ausdruck populärer Musik aus Österreich - die für uns als Austropopper bezeichneten Künstler:innen können mit dieser Einordnung bis heute nichts anfangen. Marianne Mendt, die als „Mutter des Austropop“ bezeichnet wird, sagte mir: „So ein Blödsinn. Ich hab einfach Liedeln gesungen.“ Und so machen wir eine Ausstellung mit einem Titel, dem sich niemand so richtig zugehörig fühlt. Daher haben wir eben unsere eigene Definition festgelegt.

Bei der Presseführung haben Sie gesagt „Sie werden Zeuge eines fast anarchistischen Prozesses“. Wie ist das in Bezug auf die Ausstellung und deren Entstehung gemeint?

Wir hatten gerade einmal ein dreiviertel Jahr Zeit, diese große Ausstellung auf die Beine zu stellen. Normalerweise gibt es einen Vorlauf von zwei Jahren. Wir konnten uns an keine Fristen, Deadlines halten, denn wir waren von Anfang an für alles zu spät dran. Und doch haben wir es in diesem anarchistischen Prozess mit vereinten Kräften geschafft, diese Ausstellung mit dem ganzen Team gemeinsam in so kurzer Zeit auf die Beine zu stellen.

Marie-Theres Arnbom, Direktorin des Theatermuseums
Marie-Theres Arnbom, Direktorin des Theatermuseums © ebs-pictures

Was hat es mit den interaktiven Elementen auf sich?

Unsere wunderbare Kunstvermittlerin Karin Mörtl sprüht immer vor Ideen und entspricht so ganz meiner Intention: Denn Interaktives liegt mir sehr am Herzen. Daher hat sie Verschiedenes entwickelt: Von der Tabubruch-Beichte über ein Papiertheater mit österreichischen Attributen über eine Übersetzungsmöglichkeit von Wiener Dialekt ins „Hochdeutsche“ bis zu einer großartigen Karaoke-Station hat das Publikum die Möglichkeit, sich mit der Ausstellung auseinander zu setzen und sich einzubringen.

Sie haben eingangs gesagt, Sie wollen den Begriff des Theaters weiter fassen als üblich. Wie ist das zu verstehen?

Theater umfasst viel mehr als der klassische Begriff beinhaltet. Der englische Ausdruck „performing arts“ (ausf Deutsch „darstellende Künste“, Anm.) trifft unseren Anspruch viel besser.

In einem Interview haben Sie gesagt: „Auch TikTok ist im Grunde Theater.“ Können Sie das kurz erklären?

Es geht ja um Selbstdarstellung - und diese funktioniert für die nächste Generation vor allem auf diversen sozialen Kanälen. Auf TikTok ist dieser Trend besonders gut zu erkennen - und ich bin beeindruckt von der so professionellen Umsetzung.

Ist die aktuelle Schau, auch deren Gestaltung etwa mit von der Decke hängenden Elementen, beispielhaft für Ihren Zugang zu weiteren Ausstellungen im Theatermuseum?

Ich freue mich, dass Ihnen diese Gestaltungselemente gleich auffallen. Ja, das ist mein Zugang zu Ausstellungen: Denn welche Elemente bringen das Theater ins Museum? Bühnenbild, Licht und Ton. Sam Madwar ist ein genialer, fantasievoller Bühnenbildner, der meinen Anspruch ideal umsetzt. Auch bei zukünftigen Ausstellungen werden Bühnenbildner:innen die Gestaltung übernehmen - wir wollen immer in neue Welten entführen!

Welchen Bezug haben Sie persönlich zu Austropop? Hören Sie so etwas mitunter auch privat oder ist es für Sie mehr als kulturelles Phänomen interessant?

Ich habe in meiner Jugend vor allem Gustav Mahler gehört - lautstark. Ich denke zur Verzweiflung meiner Familie ... Dazwischen fand sich aber auch Platz vor allem für Maria Bill und Rainhard Fendrich und viele andere. „Es lebe der Zentralfriedhof“ bleibt immer eines meiner Lieblingslieder, denn das Verlobungsphoto mit meinem Mann entstand 2006 gerade dort. (lacht)

Die Ausstellung „Austropop - von Mozart bis Falco“ im Theatermuseum in Wien läuft noch bis 4. September 2023 und solltest du dir unbedingt anschauen.

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