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„Top Gun“ ist ein Werbefilm für die US-Navy und wurde auch noch neu verfilmt - warum nur?

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Von: Christian Kisler

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Tom Cruise als Maverick in einem Kampfflugzeug im Film „Top Gun“
Tom Cruise als Maverick in „Top Gun“ © Paramount Pictures/Zuma/BuzzFeed Austria

Tom Cruise machte sich 1986 unsterblich, als Kampfpilot „Maverick“ in einem Hochglanz-Werbefilm für die US-Navy: „Top Gun“. Warum der Streifen jetzt als Remake in die Kinos kommt? Ein Wort: Geld.

Schneidige Typen in schneidigen Uniformen, immer einen kessen Spruch auf den Lippen, beneidenswert. Nein, nicht das österreichische Bundesheer, weit, weit gefehlt. Das hier sind Piloten in pfeilschnellen Kampfflugzeugen der US-Navy und damit Aushängeschilder bei Verteidigung von Vaterland und Ehre. Oder so. Aber halt: Die jungen Männer - Frauen kommen erst viel später dazu und werden zunächst schief beäugt - haben auch ihre verletzliche Seite, sie alle haben ihre Probleme, sind ja eigentlich auch nur Menschen. Willkommen in der Welt von „Top Gun“, deutscher, herrlich nichtssagender Untertitel: „Sie fürchten weder Tod noch Teufel“.

Natürlich gibt es mit dem vom damals 24-jährigen Tom Cruise dargestellten Piloten Lieutenant Pete „Maverick“ Mitchell einen Hauptdarsteller mit Vaterkomplex. Daddys Verbleib als Pilot der US-Navy im Vietnamkrieg ist Verschlusssache und nagt entsprechend am einzelgängerischen Maverick. Rein rechnerisch geht sich das mit Vietnam gut aus, „Top Gun“ hat ja doch einiges am Buckel, stammt er doch aus dem Jahr 1986.

Super-Pilot Maverick landet bei Super-Ausbildungseinheit Top Gun

Und natürlich landet Maverick, der wie alle Piloten ausschließlich auf seinen „Codenamen“ hört, nach einem eigentlich eher dümmlichen und eigensinnigen Manöver in der Super-Duper-Ausbildungseinheit Top Gun - daher also auch der Filmtitel.

Er trifft auf seinen Rivalen Tom „Iceman“ Kazanski, dargestellt von Val Kilmer, als Val Kilmer noch wie Val KIlmer ausgesehen hat. Er lernt die Ausbildnerin Charlotte „Charlie“ Blackwood kennen und lieben. Er verliert seinen Freund und Kameraden Nick „Goose“ Bradshaw bei einer Übung. Er erfährt die Wahrheit über seinen Vater. Und er fliegt am Schluss einen Einsatz gegen die bösen, bösen Russen.

„Top Gun“ glänzt mit Dialogen aus der Hölle

Dazwischen gibt es in „Top Gun“ jede Menge rasante, perfekt inszenierte Flugszenen, Filmmusik von Harold Faltermeyer, mit „Take My Breath Away“ einen Song, der überall in den Charts war, eine mehr oder weniger hanebüchene Handlung, vermeintlich flotte, aber einfach nur platte Sprüche: „Wenn man denkt, ist man tot.“ Oder: „Ich könnt‘s Ihnen sagen, aber dann müsste ich Sie anschließend töten.“ Dazu Dialoge aus der Hölle. Iceman zu Maverick: „Ich kann dich nicht ausstehen, weil du gefährlich bist!“ Maverick: „Ja genau, Iceman, ich bin gefährlich.“ Oh my.

Wer sich diesen Werbefilm in Überlänge für die US-Navy anschauen will, soll das ruhig tun. Aber sage nicht, ich hätte dich nicht gewarnt. Haben Millionen anderer ja auch schon getan. „Top Gun“ spielte weltweit 356,8 Millionen US-Dollar ein, bei Produktionskosten von 15 Millionen US-Dollar. Allerdings ist das US-Verteidigungsministerium nicht nur mit Rat zur Seite gestanden, sondern hat auch ordentlich Kohle in den Streifen gepumpt. Der Eindruck vom Rekrutierungsfilm ist also gar nicht so falsch, die Investition hat sich auch gelohnt. Nach Kinostart von „Top Gun“ wurden so viele neue Menschen rekrutiert wie seit Jahren nicht mehr.

Spätere Stars nur im Abspann von „Top Gun“

Beachtlich ist ein ganz anderer Umstand: Im Trailer und im Vorspann werden lediglich Tom Cruise und sein Love Interest Kelly McGillis erwähnt. Spätere Stars wie Val Kilmer, Tim Robbins oder gar Meg Ryan bekleiden nur Nebenrollen und bekommen erst im Abspann Aufmerksamkeit. Regie führt Tony Scott. Dessen Schaffen ist gelinde gesagt durchwachsen. Neben cineastischen Leckerbissen wie „Begierde“ oder „True Romans“ zeichnete er auch für „Days of Thunder“, ebenfalls mit Tom Cruise, diesmal als Rennfahrer, für Meterware wie „Beverly Hills Cop II“, „Last Boy Scout“, „Der Staatsfeind Nr. 1“ oder das Remake von „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“ verantwortlich.

Tony Scott und Tom Cruise haben bis zu Scotts Tod 2012 an einer Fortsetzung gearbeitet. Bis zum ersten Drehtag sollten allerdings ein paar Jahre vergehen, bis 2018 nämlich. Neben Cruise, erneut als Maverick, ist noch Val Kilmer, erneut als Iceman, mit an Bord. Zu Letzterem war das Alter weniger gnädig als zu Ersterem. Dank COVID-19 wurde der Kinostart von „Top Gun: Maverick“ von Sommer 2020 auf Mai 2022 verschoben. Man sollte es nicht für möglich halten, aber den Trailern zufolge ist der neue „Top Gun“ noch mehr Hochglanz verpflichtet als der alte, fährt noch mehr Pathos und Propaganda auf.

Maverick gibt im neuen „Top Gun“ den Ausbildner

Maverick ist im neuen „Top Gun“ nun selbst Ausbildner, Iceman Admiral, als jungen Part gibt sich Miles Teller in der Rolle als Sohn des im ersten Film verstorbenen Goose die Ehre. Miles Teller ist ein dermaßen begabter Schauspieler, der schon in Filmen wie „Whiplash“ oder „War Dogs“ geglänzt hat. Warum also bei „Top Gun: Maverick“? Wohl hauptsächlich der Kohle wegen. Andererseits: Miles Teller gab auch schon den Mr. Fantastic in der unsäglichen „Fantastic Four“-Verfilmung von 2015, so gesehen ...

Diversität scheint nach wie vor keine große Rolle in der Welt von „Top Gun“ zu spielen, was angesichts der Politik der US-Navy erst einmal wenig verwundert. Zwar hat das US-Verteidigungsministerium den Film diesmal nicht finanziert, ihn aber nach Prüfung des Drehbuchs logistisch unterstützt.

„Top Gun“ im chinesischen Staatsfernsehen

Interessanter ist schon vielmehr der Einfluss, den „Top Gun“ aus dem Jahr 1986 haben sollte. Teile des Filmmaterials der Flugszenen wurde in den TV-Serien „JAG – Im Auftrag der Ehre“ und „MacGyver“ verwendet. Weitaus kurioser allerdings, dass das chinesische Staatsfernsehen im Jänner 2011 einen Beitrag über Luftwaffen-Manöver Chinas brachte, in den Szenen aus „Top Gun“ geschnitten waren. Welche Konsequenzen das gehabt hat, ist nicht bekannt.

Weitaus unterhaltsamer als „Top Gun“, ob alter oder neuer Film, ist natürlich ein ganz anderer US-Navy-Beitrittsaufruf, der auch nicht wirklich ernst gemeint ist. Der Song „in the Navy“ der Village People von 1978 hat dem US-Verteidigungsministerium wahrscheinlich nicht ganz so gut gefallen, wurde doch ein Zuzug aus der LGBTQIA+-Szene befürchtet. Als hätte das geschadet.

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