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Hauptsache putzig und leicht schräg: Twee ist der neueste Nostalgie-Trend auf TikTok

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Von: Christian Kisler

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Montage: Zooey Deschanel bei einer Filmpremiere 2008, ein Smartphone mit TikTok-Logo
Zooey Deschanel gilt als Twee-Poster-Girl und ist mit einem alten Song auf TikTok angesagt. © Filippo Monteforte/AFP/APA/PictureDesk/ZUMA Wire/IMAGO/BuzzFeed Austria

Auf TikTok ist mit Twee eine alte Modeerscheinung im Moment ganz groß, auch dank Zooey Deschanel. Wir erklären dir den neuesten Trend der Social-Media-Plattform.

Im Englischen gibt es das schöne Wort „quirky“, das mit „schrullig“, „verschroben“ oder „eigenwillig“ nur unzureichend übersetzt wird. Es ist nah dran am Begriff nerdig, ich würde es aber nicht abwertend gebraucht wissen wollen. Kombiniere es mit dem Wörtchen „niedlich“ und den unschuldigen Modeerscheinungen aus den eher frühen 1960er Jahren, und wir sind schon bei Twee. Twee entstand Ende der 1980er Jahre als Twee-Pop, eine Indie-Spielart, als zwar viele Bands die Ideologie von Punk, aber nicht mehr dessen Ästhetik übernahmen. Das Resultat waren betont hübsch und mitunter einfach arrangierte Lieder, die sich auf die Pop-Musik aus der Zeit vor den Beatles beriefen. Es sollte ausgesprochen putzig sein, was ja schon das Wort „Twee“ alleine verdeutlicht, das fast wie ein Babylaut klingt. Wunderlich, sanft, empfindsam, alles andere als aggressiv und betont uncool also.

Twee machen hübsche Blusen und Röcke im Retro-Look aus

Richtig groß war die Bewegung nie, die meisten Vertreter:innen veröffentlichten in den 1990ern Songs und Platten, auch in den Hochzeiten des Indie-Rock in den Nullerjahren war Twee zumindest am Rande ein Thema. Eine der bekanntesten Twee-Pop-Bands, die schottische Formation Belle & Sebastian, will just nicht so bezeichnet werden, Überschneidungen lassen sich aber nicht leugnen. Gerade am äußeren Erscheinungsbild erkannte man ihre Anhänger:innen, vor allem die jungen Frauen: Kleider und Röcke, Cardigans, Blusen mit hübschem Kragen, Collegeschuhe, nicht selten Stirnfransen, alles im Retro-Look. Und: Es war ein auffällig weißer Trend. Das Twee-Poster-Girl schlechthin war Zooey Deschanel, vor allem im Film „(500) Days of Summer“ und in der Serie „New Girl“. Und natürlich als Sängerin und Hauptsongschreiberin ihres Duos She & Him mit dem Multiinstrumentalisten M. Ward. Interessanterweise hatte Zooey Deschanel wohl von Indie-Pop, nie aber von Twee gehört. Bis jetzt.

Auf der Social-Media-Plattform TikTok, in Wahrheit ja eine große Nostalgie-Maschine, ist Twee nämlich gerade ein großes Ding. Bei dem Trend Dark Academia gibt man sich elitär und begrüßt den Look von Oxford-Studierenden aus den 1930er Jahren, bei Twee überspringen wir ein paar Jahrzehnte. Auf jeden Fall besser als toxische TikTok-Erscheinungen wie etwa „That Girl“. Dabei steht auch beim Twee-Revival selbstverständlich die Optik im Vordergrund. Und was läuft bei den meisten Videos und Slideshows im Hintergrund? Der Song „Why Do You Let Me Stay Here?“. Von wem? Von Zooey Deschanels Band She & Him. Bis jetzt ist der Song bei 5.000 Videos verwendet worden, der Tag #twee ganze 40 Millionen Mal. Es ist also beileibe kein Underground-Ding mehr.

Twee soll diverser als ursprünglich sein

Gebraucht wird tatsächlich in erster Linie der Begriff „Twee“, der warum auch immer den 2010er Jahren zugeordnet wird, wahrscheinlich auch wegen Deschanels Show „New Girl“. Eine Userin fordert folgerichtig dazu auf, sich einfach in der Mode der 1960er, 1970er zu kleiden und nicht nur dem Wörtchen „Twee“ blind zu folgen. Anders als bei Twee ursprünglich, seien es jetzt die 1990er oder 2010er, soll die Modeerscheinung deutlich diverser sein, war Twee doch ursprünglich dünn und weiß. So hat eine TikTokkerin ein Video gepostet mit dem Text: „trying out the twee aesthetic on a plus sized body.“ Sie probiert die Twee-Ästhetik also an einem Übergrößen-Körper. Unterlegt natürlich mit Zooey Deschanels Song „Why Do You Let Me Stay Here?“.

Twee hat wahrscheinlich nicht das Zeug zu einem weltweiten Mega-Trend. Aber wie die meisten nostalgisch motivierten Mikro-Trends bietet Twee gerade in einer Zeit, in der wir tagtäglich mit wenig erbaulichen Schlagzeilen bombadiert werden, einen sicheren Rückzugsort. Dann ist es auch völlig wurscht, wenn viele glauben, Twee wäre eine Erfindung von Zooey Deschanel oder gar von Taylor Swift zu deren „Red“-Phase. Was das derzeitige Aufgreifen von Twee tatsächlich zu einer feinen Sache macht: Es ist keine von der Mode-Industrie diktierte Modeströmung, sondern etwas, an dem alle teilhaben und sich im Bedarfsfall reiben können. Das ist nicht nichts für eine einstige Randerscheinung.

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