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Wanda: Eine Band punktet mit „Amore“

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Wanda haben es in Rekordtempo aus den kleinsten Clubs auf die größten Bühnen geschafft. Mit Wiener Schmäh 2.0 und Amore.

Bei der Wiener Band Wanda ist nichts wie es scheint. Das fängt mit deren Gründer, Sänger, Teilzeitgitarrist und Hauptsongschreiber an. Hinter dem klingenden und zur Gruppe passenden Künstlernamen Marco Michael Wanda verbirgt sich der 1987 geborene Michael Marco Fitzthum. Gesegnet mit einem Händchen für eingängige Songs mit Wiener Schmäh im Indie-Pop-Gewand gilt er als gar nicht maulfaules Aushängeschild der über die Landesgrenzen Österreichs erfolgreichen Band.

Multitalente bei Wanda

Die Band selbst ist zwar bei ihrer Gründung 2012 nicht am Reißbrett entworfen worden. Bassist Reinhold Ray Weber ist aber unter anderem deshalb in die Band geholt worden, weil er gleichzeitig rauchen und spielen kann und nicht ausschließlich seiner musikalischen Qualifikationen wegen. Das gilt auch für die übrigen Wanda-Kollegen in dieser oder ähnlicher Form.

Bassist Reinhold Ray Weber, Sänger Michael Marco Fitzthum und Ex-Schlagzeuger Lukas Hasitschka von der Band Wanda live in der Max Schmeling Halle in Berlin
Nie um eine große Geste verlegen: Sänger Michael Marco Fitzthum alias Marco Wanda (Mitte) von der Wiener Band Wanda mit Bassist Reinhold Ray Weber und dem 2020 ausgestiegenen Drummer Lukas Hasitschka live 2018. © Martin Müller/IMAGO

Dass die Bandmitglieder von Wanda ihre jeweiligen Instrumente beherrschen, kann bei dem gekonnt verwahrlosten Auftreten der fünf mittlerweile nicht mehr ganz so jungen Männer gerne übersehen werden. Neben Wanda/Fitzthum und Weber sind das Manuel Christoph Poppe an der Gitarre und Christian Hummer an diversen Tasteninstrumenten. Bis August 2020 war Lukas Hasitschka am Schlagzeughocker zu finden. Er und die Band haben sich in aller Freundschaft getrennt.

Wanda: Eine Band braucht ihr Publikum

Pandemiebedingt treten Wanda im August 2020 ohne Publikum auf, im zum Zeitpunkt der Show noch nicht eröffneten IKEA Einrichtungshaus am Wiener Westbahnhof. Valentin Wegscheider hilft am Schlagzeug aus, was für Kenner:innen jetzt nicht die größte Überraschung ist. Er war bereits von 2012 bis 2014 an den ersten Gigs der Band für den Rhythmus verantwortlich, noch vor dem ersten Album „Amore“.

Darf eine Band wie Wanda gar nicht oder nur ohne Publikum live spielen, ist das ein schwerer Schlag. Die fünf Musiker benötigen die Interaktion mit den ihnen zuhörenden - und zusehenden! - Menschen wie einen Bissen Brot. Da ist es egal, ob es wie in den Anfangstagen kleine verschwitzte Clubs oder die ausverkaufte Wiener Stadthalle sind, die Band schenkt sich und dem Publikum so oder so nichts.

Mitgrölfaktor bei Wanda-Songs

Gesungen wird in einem Deutsch, das eindeutig ostösterreichischen Zungenschlags, dabei aber nicht wirklich Dialekt, ist. Das kommt auch beim großen Nachbarn Deutschland sehr gut an. Zumal die an Indie-Rock angelehnten Songs tatsächlich Ohrwurmqualitäten beweisen, sich die Texte leicht mitgrölen lassen, was auch die zahlreichen Chorpassagen in den Wanda-Nummern beweisen. Dann singt die ganze Band aus vollem Halse mit.

Wobei das Hauptaugenmerk stets auf Marco Wanda gerichtet ist. Der ist ein Poser vor dem Herrn, krakelt mit rauer Stimme seine Songs. In diesen geht es um Liebe, Leid und Tod. Sich selbst bezeichnet Wanda als den begnadetsten Verfasser deutscher Liedtexte der Gegenwart. Allerdings ist der glühende Verehrer Ernest Hemingways erst über den Nino aus Wien, einen frühen Förderer der Gruppe, dazu gekommen, seine Songs nicht mehr mit englischen, sondern mit deutschen Texten zu versehen.

Nino aus Wien früher Förderer von Wanda

Frühe Unterstützung gibt es nicht nur vom Nino aus Wien, sondern auch vom Komponisten Paul Gallister, der für sämtliche Wanda-Alben als Produzent verantwortlich zeichnet. Auch die unermüdliche Label-Arbeit von Stefan Redelsteiner von Problembär Records trägt zum ersten Erfolg bei. Zunächst erscheint das Debüt „Amore“ in einer überschaubaren Auflage von 500 Stück. Heute besitzt es mit über 45.000 verkauften Exemplaren Doppelplatin-Status und gilt als erfolgreichste Veröffentlichung von Label und Band.

Während die Mitbewerber von Bilderbuch die Bezeichnung „Austropop“ zurecht kategorisch ablehnen, haben Wanda weniger Probleme damit. In dem gleichen Ausmaß, dem Wandas Musik von Oasis oder Pete Doherty und den Libertines Tribut zollt, schuldet sie dem jungen Wolfgang Ambros, dem frühen Rainhard Fendrich und tatsächlich Stefanie Werger doch so einiges. Und gerade im deutschen Feuilleton kann es kaum einen Artikel geben, in dem nicht der Name Falco auftaucht. Wobei der Vergleich hier genauso wie bei Bilderbuch hinkt, aber zumindest in Deutschland schnell zur Hand ist, sobald österreichische Interpret:innen in ihrer Muttersprache singen.

Wanda Heilsbringer oder Chauvinisten?

Während manche in Wanda die Heilsbringer des (deutschsprachigen) Rock ‚n‘ Roll sehen, sehen andere vor allem in den Texten misogyne bis chauvinistische Tendenzen. Verletzte oder zumindest wehleidige Männlichkeit lässt sich auf jeden Fall ausmachen. Und manchen mögen Marco Wandas eindeutig zweideutige Hüftbewegungen zu viel des Guten sein. Andererseits hat schon Elvis mit seinem Hüftschwung für Aufwind gesorgt. Das war allerdings in den 1950er Jahren. Heute kann ein wenig mehr Sensibilität in solchen Belangen bestimmt vorausgesetzt werden.

Auch das Thema Alkohol ist ein Dauerbrenner bei Wanda. Besonders in ihren Anfangstagen liebäugelt die Band mit Dauerrausch und damit einhergehender Extase. Wie viel davon tatsächlich der Wahrheit entspricht oder doch lediglich Pose ist, steht in den Sternen. Immerhin erfüllten sie nicht sämtliche Rock-Klischees. Von aus Hotelzimmerfenstern geworfenen TV-Geräten oder anderem Mobiliar ist nichts bekannt.

Vorreiter Wanda

Was in der Tat bekannt ist: Die Fülle an fast ausschließlich männlichen Künstlern, denen ohne Wandas Erfolg, wohl niemand Gehör geschenkt hätte. Von Granada bis Josh., von Seiler und Speer bis Pizzera und Jaus, sie alle wären vor wenigen Jahren aus Prinzip nicht im heimischen Formatradio, vorwiegend Ö3, gespielt worden. Und dort in die Heavy Rotation aufgenommen zu werden, ist immer noch wichtig, um wahrgenommen zu werden und in weiterer Folge erfolgreich zu sein. Außerhalb Österreichs rezipierte Künstler:innen wie Ja, Panik wiederum streifen nicht einmal ansatzweise am Etikett „Austropop“ an.

Der Titel ihres ersten Albums „Amore“ wird quasi zum Motto der Band, auch die zum Mitsingen einladende Zeile aus dem ersten großen Hit „Bologna“. „Wenn man dich fragt, wofür du stehst, sag: ‚Für ‚Amore!‘“

Wanda an der Spitze der Charts

Nicht einmal ein Jahr später schon der nächste Wurf, diesmal mit Vertigo/Universal auf einem großen Label: „Bussi“. Im Jahresabstand erscheinen das Live-Album „Amore Meine Stadt“ (2016) und „Niente“. 2019 erfolgt mit „Ciao!“ die letzte Studio-LP vor der Corona-Pandemie. Auch sie belegt wie die beiden Vorgänger Platz 1 der heimischen Verkaufscharts. Das bis dato letzte Lebenszeichen ist im Sommer 2021 die Single „Die Sterne von Alterlaa“, ein etwas untypischer Song mit Latin-Flair und gerade einmal zwei Akkorden, aber immerhin Alkohol-Referenzen.

Wanda sind als Fix-Größe im österreichischen Pop-Geschehen jedenfalls nicht mehr wegzudenken. Bleibt nur noch zu klären, was es mit dem Bandnamen Wanda auf sich hat. Ganz einfach: Namenspatin ist Wanda Kuchwalek, einst als Wiens einzige Zuhälterin bekannt. Und dieses Halbseidene gefiel dem jungen Michael Marco Fitzthum eben.

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